Am Ende des Trainings begann es am Donnerstag Vormittag plötzlich heftig zu schneien. Sozusagen ein verfrühter Gruß aus dem Breisgau. Statt Sonne und frühlinghafter Temperaturen soll es morgen nämlich auch im Südwesten der Republik richtig kalt werden. Das passende Wetter also für den Abstiegsgipfel zwischen dem SC Freiburg und Hannover 96. Eisige Kälte herrscht nämlich bei dem Klub, der das Spiel (Beginn ist Sonnabend um 15.30 Uhr) im Badenova-Sadion als Verlierer beendet. Für die „Roten“ ist nach neun Niederlagen in Folge selbst ein Punkt zu wenig. Niederlage oder Remis hätten fatale Auswirkungen im Kampf um den Klassenerhalt in der 1. Liga – und würden die Probleme für den noch sieglosen Mirko Slomka (sechs Pleiten in Folge) unendlich vergrößern; ein dritter Trainerwechsel läge dann in Hannover sehr nahe.
Die sportliche Bedeutung ist enorm, entsprechend angespannt ist die Lage in beiden Lagern. Beide Vereine blicken gebannt auf den Spieltag. In Hannover klammert man sich an den kleinen Strohhalm, der da Wolfsburg heißt. Aus der Leistung gegen den VfL zieht Slomka die größte Hoffnung – trotz der 0:1-Niederlage. Die mitunter peinlichen Auftritte davor werden geflissentlich verdrängt. „Wir waren gegen den deutschen Meister mutig und haben die Bereitschaft zur Wende gezeigt. Jetzt müssen wir das Ergebnis abholen und einen Sieg einfahren“, sagte der 42-Jährige. Man habe eine aggressive Zweikampfführung voller Selbstvertrauen gezeigt.
Selbstvertrauen lebt Slomka vor. Als er nach seiner persönlichen Situation befragt wurde, antwortete er lapidar: „Ich habe jetzt schon Grippe und hatte gestern eine Zahnoperation. Wenn ich mich damit dann auch noch beschäftigen sollte ... Aber im Ernst: Ich beschäftige mich nur damit, dass wir gewinnen.“ Und auch Slomkas nächste Antwort deutet nicht auf etwaige Selbstzweifel hin. Wie sein Team Mohamadou Idrissou, Freiburgs besten Torschützen, stoppen wolle, wurde er gefragt. „Die Frage ist doch: Wie kann er sich gegen uns durchsetzen?“, sagte der Trainer. „Wir haben gute Innenverteidiger, das haben sie schon gegen die Wolfsburger Topstürmer gezeigt.“ Slomka kennt Idrissou noch aus seiner Zeit als 96-Kotrainer – der Senegalese spielte von 2001 bis 2005 bei den „Roten“ und geriet damals mehrfach abseits des Platzes in die Schlagzeilen. Der 42-Jährige schätzt ihn dennoch als „dynamischen und schnellen Stürmer“, genau wie dessen Teamkollegen und Landsmann Papiss Demba Cissé, der in der Winterpause vom französischen Zweitligisten FC Metz ins Breisgau gewechselt ist.
Noch mehr aber hält Slomka von seinen eigenen Spielern. Er setzt in Freiburg auf die afrikanische Variante, gleich vier Spieler des Schwarzen Kontinents sollen morgen in der Anfangself stehen: in der Verteidigung der Tunesier Karim Haggui, im Mittelfeld der Ivorer Constant Djakpa und im Angriff dessen Landesleute Arouna Koné und Didier Ya Konan. Die beiden stehen erstmals gemeinsam in der Startformation der „Roten“. Sie sollen für die nötigen Tore sorgen und damit für den ersten Sieg nach der langen, langen Durststrecke, für ein kurzes Verschnaufen im Verein – und für ein wenig Ruhe für den Trainer.
Ein Klub blickt nach vorn. Verlieren ist verboten, sonst wird es nicht nur bitterkalt bei 96, sondern auch noch zappenduster.
Andreasen spielt: Leon Andreasen wird in Freiburg den Part des gesperrten Sergio Pinto im rechten 96-Mittelfeld übernehmen. Ersatztorwart Uwe Gospodarek muss aufgrund muskulärer Probleme weiterhin passen. Er soll erst nächste Woche wieder ins Training einsteigen. Valdet Rama wird wegen einer Grippe fehlen.
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