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Ehrenticket nicht mehr kostenlos

Steuerprüfer sorgen für Unruhe bei Hannover 96

Von Felix Harbart

Eine Betriebsprüfung bei Hannover 96 hat kurz vor Saisonstart Fehler bei der Versteuerung von Ehrentickets offengelegt. Im Wesentlichen liegen diese Fehler darin, dass schlicht niemand die fälligen Steuern entrichtet hat – weder 96 noch die Empfänger der Freikarten. „Das ist ein lästiges, ärgerliches Thema für uns“, sagt Klubchef Martin Kind.
So sieht sie aus, die Karte, mit der Stadtpolitiker auf den sogenannten „Business Seats“ auf der VIP-Tribüne der AWD-Arena Platz nehmen dürfen.

So sieht sie aus, die Karte, mit der Stadtpolitiker auf den sogenannten „Business Seats“ auf der VIP-Tribüne der AWD-Arena Platz nehmen dürfen.

© Handout

Eigentlich hat 96-Präsident Martin Kind schon genügend Probleme mit seinem Klub, sieht man mal vom vergangenen Sonnabend ab, als die hannoverschen Fußballprofis etwas überraschend ihr Auftaktmatch in der neuen Bundesligasaison gegen Frankfurt gewannen. Nun macht ein neues Malheur dem Klubchef Kopfzerbrechen, und zwar eines, das ganz offenbar nicht nur die Vereinsspitze von 96 in letzter Konsequenz noch nicht durchdrungen hat: Eine Betriebsprüfung bei Hannover 96 hat kurz vor Saisonstart Fehler bei der Versteuerung von Ehrenkarten offengelegt. Im Wesentlichen liegen diese Fehler darin, dass schlicht niemand die fälligen Steuern entrichtet hat – weder 96 noch die Empfänger der Freikarten. „Das ist ein lästiges, ärgerliches Thema für uns“, sagt Kind. Und eines, das teuer werden kann für den Klub.

Insgesamt käme der Verein beim Durchzählen seiner Ehrengäste „sicher auf eine vierstellige Zahl“, sagt Kind. Etwa 100 davon erhielten VIP-Karten. Zu den Gästen von 96 zählen neben Geschäftspartnern und verdienten Vereinsmitgliedern auch Vertreter der hannoverschen Kommunalpolitik. Die staunten nicht schlecht, als die Stadtverwaltung ihnen am Freitag vergangener Woche mitteilte, die zur Gewohnheit gewordenen Ehrenkarten müssten demnächst „erworben“ werden. Bisher hatten die Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU, Grünen und FDP für jedes Spiel ein VIP-Ticket erhalten, die Mitglieder des Sportausschusses nahmen auf Einladung des Vereins auf der Osttribüne Platz. Nun aber sollten die Fraktionschefs plötzlich 1176 Euro an den Verein überweisen, die Ausschussmitglieder 205,80 Euro.

Auf Nachfrage erfuhren die ehrenamtlichen Politiker, die Beträge entsprächen dem zu versteuernden Betrag. In der Vergangenheit, sagt Kind, sei der Verein über die Versteuerungsregeln bei den Ehrentickets nicht ganz im Bilde gewesen. „Ab sofort werden wir alle steuerlichen Vorschriften beachten.“ Bisher sei man davon ausgegangen, dass der Empfänger die Steuer berappt. Das aber ist nicht immer richtig.

Mit seiner fehlenden Orientierung in dieser Sache sei der Verein indes „in guter Gesellschaft“, sagt ein Fachmann, der ungenannt bleiben möchte. Tatsächlich sind die Vorschriften, wer den Staat in welcher Höhe an dem Kartengeschenk zu beteiligen hat, höchst kompliziert. Unter anderem hängt das davon ab, in welchem Verhältnis der Beschenkte zu Hannover 96 steht. Handelt es sich um einen Angestellten des Vereins, muss der das Geschenk bei seiner Einkommenssteuer geltend machen, Geschäftspartner des Vereins müssten die Karte als Einnahme verbuchen. Gäste wie die aus dem hannoverschen Rathaus wiederum müssten „anscheinend“ den Steueranteil von 30 Prozent nicht selbst entrichten, sagt der Experte – so jedenfalls interpretiere er die Gesetzeslage. Der Steuerberaterverband Niedersachsen-Sachsen-Anhalt verweist auf den sogenannten VIP-Logen-Erlass des Bundesfinanziministeriums aus dem Jahr 2005. Danach kann der Verein die Zuwendung selbst versteuern, wenn er seinen Gästen die Kosten ersparen will. Das muss er dem Beschenkten dann mitteilen.

Wie es scheint, wollen Finanzamt und Verein nicht jede Karte und jeden Euro nachverfolgen. „Wir prüfen die Sache zurzeit und wollen eine Lösung schaffen“, sagt Kind. Als unwahrscheinlich gilt, dass der Verein seine Ehrengäste im Nachhinein mit Zahlungen konfrontiert sehen will. Wie hoch der Betrag sein wird, den der Verein dem Fiskus dann wird überweisen müssen, ist noch nicht klar. Ein Millionenbetrag, den zwischendurch die Spatzen von Dächern pfiffen, soll es wohl nicht sein.

Fest steht, dass den VIP-Gästen aus dem Rat der Spaß ein bisschen verdorben ist. SPD-Fraktionschefin Christine Kastning will keine 1176 Euro ausgeben und überlegt, ob sie sich jetzt eine Dauerkarte kauft. Wilfried Engelke (FDP) geht lieber für weniger Geld mit seiner Frau in den Familienblock. Und Lothar Schlieckau (Grüne) will lieber bei den Kollegen vom Sportausschuss auf der Osttribüne sitzen. Nur für die Linken ändert sich nichts: Sie wollten „auch künftig keine kostenlosen Karten annehmen und den Eintritt aus eigener Tasche bezahlen“, teilten sie gestern mit.

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