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Fußball

Nach dem Appel-Rückzug ist das Spiel des TSV Exten flexibler


Der TSV Exten spielt in der Bezirksliga eine einzigartige Rolle. Während sich andere Vereine gegenseitig die Spieler abjagen, während sie Personalnachrichten produzieren, Strategien entwickeln und große sportliche Ziele hinausposaunen, wird in Exten auf vergleichsweise unscheinbare und lautlose Art Fußball gespielt.
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Günther Buchholz hat seinen Trainervertrag in Exten noch nicht verlängert.

Im letzten Sommer entstand keinerlei Personalauffrischung. Keine Neuzugänge, keine Abgänge – wie langweilig. Dass auch im Winter keine neuen Spieler kamen, versteht sich fast wie von selbst. Warum auch? Der TSV Exten ist Tabellenneunter, hat komfortable sechs Punkte Abstand zur bedrohten Zone, hat aber nach oben längst den Anschluss verloren.

 Hier ergibt sich vielleicht einer der wenigen Diskussionspunkte, denn Trainer „Auge“ Buchholz hatte im Sommer als Ziel eigentlich einen Platz unter den ersten fünf Mannschaften ausgegeben. Davon ist Exten weit entfernt. Seine Stimulation verpuffte. „Für uns gibt es aber keinen Grund, unzufrieden zu sein“, meint Buchholz.

 Der TSV Exten pflegt sein Image als Dorftruppe – im positiven Sinne. Es geht nicht um Geld, sondern allein um den Sport. Selbst die Kiste Bier, die nach Spielschluss in der Kabine steht, wird aus der Mannschaftskasse bezahlt. Dass man trotzdem deutlich besser dasteht als viele andere Mannschaften, darf als ein Triumph intakter Strukturen gewertet werden. Exten sei in der Bezirksliga ein ähnliches Unikum wie Bückeburg in der Oberliga, findet Buchholz.

 Der neunte Tabellenplatz ist auch deshalb in Ordnung, weil mit Matthias Appel die bislang zentrale Figur des Angriffs nicht mehr in gewohnter Weise zur Verfügung steht. Er setzt mittlerweile andere Schwerpunkte im Leben und trainiert kaum noch. „Weiterhelfen kann er uns aber nur, wenn er fit ist“, stellt Günther Buchholz klar und hat sich längst auf ein System ohne Matthias Appel eingestellt.

 Früher wirkte das Spiel des TSV Exten oft ziemlich einfältig. Appel saugte als einzige Spitze die langen Bälle förmlich an und versuchte sich dann vorne meist allein durchzuwühlen. „Dass wir keinen großen Torjäger mehr haben, kann auch ein Vorteil sein“, hat Buchholz beobachtet. Das Spiel ist flexibler geworden. Exten ist schwerer auszurechnen, kombiniert auch mal. Regisseur Andreas Kramer erzielte als Mittelfeldspieler mehr Tore als Stürmer Maximilian Bartels. Wenn Buchholz darauf hinweist, dass Exten ohnehin viel Qualität im Mittelfeld habe, dann beziehe er sich dabei nicht allein auf Andreas Kramer, sagt er: „Viele meiner Spieler werden oft unterschätzt.“

 Andreas Kramer ist dennoch die herausragende Kraft der Mannschaft. Seine Pässe sind ein Genuss, seine Freistöße häufig Kunstwerke. Dass er schon seit Jahren von vielen Vereinen umworben wird und auch im kommenden Sommer wieder Angebote haben wird, weiß Günther Buchholz natürlich: „Wenn Andreas Kramer und auch ein Mann wie Christian Krohn trotzdem bei uns spielen, ist ihnen das hoch anzurechnen und ein weiterer Beleg dafür, dass Fußball in dieser intakten Mannschaft ein Vergnügen ist.“

 Exten werde zum Sommer Spieler aus dem Umkreis ansprechen, um vielleicht doch mal Verstärkung zu bekommen und kann in den Gesprächen vor allem das Spaß-Argument ins Feld führen. Auch der Leistungsgedanke sei natürlich wichtig, sagt Buchholz: „Wir haben einige Spieler im Auge und es gibt etliche Kontakte. Wer es mal in der Bezirksliga versuchen will, ist herzlich willkommen.“ Denn dass Exten die Klasse halten wird, steht für den Trainer fest. „Wir werden unseren Platz im gesicherten Mittelfeld behaupten“, prognostiziert er.

 In Exten scheint also alles in Ordnung zu sein, doch mittelfristig ist die Idylle bedroht. Die derzeitige Mannschaft ist wie ein „Goldener Jahrgang“ und spielt im Kern schon seit Jahren fast unverändert zusammen. Doch hinter ihr klafft in den oberen Nachwuchsjahrgängen eine bedrohliche Lücke. In Exten versuchte man deshalb, mit intensiver Nachwuchsarbeit gegenzusteuern. Außerdem: „Die aktuelle Mannschaft wird noch viele schöne Jahre haben“, glaubt Günther Buchholz. Die Fortsetzung seiner eigenen Tätigkeit über den Sommer hinaus ist bislang allerdings noch nicht zementiert. „Es deutet aber vieles in diese Richtung“, sagt er.

 Exten verabschiedete sich mit einem respektablen 1:1-Unentschieden in Bad Pyrmont aus dem letzten Jahr und startet am 26. Februar auf eigenem Platz mit dem Nachholspiel gegen den FC Springe.

Von Jörg Bressem

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