Fußball.. Von Jörg Bressem
Zur Erinnerung: Der Spielertrainer des SV Union Stadthagen glaubte zu Saisonbeginn, dass seine Mannschaft unter den ersten fünf der Tabelle mitmischen kann. Eine klare Fehleinschätzung, wie Ferit Tarak heute bereitwillig einräumt.
Union steht punktgleich mit Germania Hagen auf dem Relegationsplatz, ist abstiegsbedroht, gewann lediglich vier seiner 17 Spiele, holte auswärts nur sechs Punkte und war noch nie auf einem einstelligen Tabellenplatz. „Mitte der Hinserie glaubten wir, uns gefangen zu haben“, erinnert sich Ferit Tarak. Doch auch das war ein Trugschluss. Besonders schmerzhaft war die 0:1-Heimniederlage im Lokalderby gegen den FC Stadthagen und natürlich das peinliche 2:9-Desaster Mitte November in Springe.
Aber woran hapert es bloß? Rein optisch betrachtet, spielte Union Stadthagen immer gut mit, war häufig sogar überlegen. Die Mannschaft wirkte äußerst bemüht. Auch das nette Passspiel schien auf den ersten Blick in Ordnung zu sein. Aber es kam zu wenig dabei heraus. Während Union Stadthagen einen hohen spielerischen Aufwand trieb, reichten dem Gegner häufig wenige gelungene Spielzüge und zwei, drei Tormöglichkeiten, um das Spiel zu gewinnen.
An Neuzugang Ylli Syla lag es nicht. Er erfüllte mit seinen 17 Toren die Erwartungen. Ferit Tarak stößt bei seinen Analysen immer wieder auf eine andere Schwachstelle: „Was uns fehlte, war das Spiel über die Außenpositionen. Kaum kamen wir über die Flügel, war der Ball weg. Unser Spiel war mit Ylli Syla in der Mitte für jeden Gegner leicht auszurechnen.“ Ferit Tarak erwähnt es nicht, aber für jeden Beobachter war außerdem offensichtlich, dass sich der Verlust von Spielern wie Kastriot Hasani, Selim Kilinc und Ugur Cakir drastischer auswirkte als erwartet.
Quantitativ ist Union Stadthagen mittlerweile gut bestückt. Meist warteten vier oder fünf Feldspieler auf der Ersatzbank auf ihren Einsatz. Doch es hapert an Qualität, zumal einige Neuzugänge bisher noch nicht die von ihnen erwartete Leistung brachten.
Dass Unions „Lebensversicherung“ Ylli Syla bislang so erfolgreich war, ist sogar einigermaßen überraschend. Der Bezirksliga-Rekordtorschütze der letzten Saison ist schon seit Monaten durch eine Bauchmuskelzerrung eingeschränkt, beißt aber die Zähne zusammen und absolvierte acht Spiele mit Schmerzmitteln. In der Hallenrunde war Syla deshalb nur selten zu sehen. Zurzeit beschränkt sich Unions wichtigster Spieler auf Lauftraining. „An ihm lag es wirklich nicht, dass wir so schlecht dastehen“, meint Tarak.
Die Frage ist aber, warum es in den nächsten Monaten eigentlich besser werden sollte. Ferit Tarak ist zuversichtlich: „Ich sehe in uns keinen Abstiegskandidaten“, sagt er, dafür sei sein Kader zu stark.
Mit dem frühen Trainingsstart Anfang Januar setzte Tarak außerdem ein Signal. Doch es wurde auch eine konkrete personelle Maßnahme ergriffen: Union Stadthagen verstärkte sich im Winter, holte sich mit Anil Yesil vom Landesligisten OSV Hannover einen Linksfuß, der das Spiel über die Außenbahn beleben soll. Er machte neun Spiele beim SC Langenhagen in der Oberliga und stammt aus Stadthagen. Seine Verpflichtung ist der Situation geschuldet und sie soll eine Ausnahme bleiben. Denn mittel- und langfristig will Union Stadthagen sich nur noch in der Kreisstadt und den Vereinen des Umlandes nach neuen Spielern umschauen. „Es bringt nichts, wenn jemand 40 Kilometer anreisen muss“, hat Ferit Tarak festgestellt. Das mache keinen Sinn und an solchen Spielern habe man meistens wenig Freude gehabt.
Ferit Tarak berichtet munter über die weiteren Personalplanungen im Sommer, doch wollte er nicht weg? Nein, zu 99 Prozent werde er wohl bei Union Stadthagen bleiben und er konzentriere sich voll auf seine derzeitige Tätigkeit, berichtet Tarak. „Der Verein hat mir die Möglichkeit eröffnet, als Spielertrainer tätig zu sein, wofür ich dankbar bin“, erklärt er. Nun wolle er mit dem SV Union Stadthagen langfristig etwas erreichen.
Bleibt am Ende noch die Frage, ob es stimmt, dass Ugur Cakir, Selim Kilinc und sogar Yasin Korkmazyigit im Paket vom FC Stadthagen zum SV Union zurückkehren wollen. Davon habe er in diesem Ausmaß noch nichts gehört, beteuert Ferit Tarak, um anschließend die Gerüchte mit folgender Ankündigung indirekt weiter anzuheizen: „Es werden Spieler zu uns kommen, die schon mal bei uns waren.“ Auch der viel umworbene Ylli Syla soll bei Union bereits für die kommende Saison zugesagt haben, doch das hatte er in Nienstädt auch schon mal gemacht.
Union Stadthagen hat zum Auftakt mit den Nachholspielen gegen das Schlusslicht Bevern und dem Vorletzten Sachsenhagen die Möglichkeit, den Anschluss an das Mittelfeld herzustellen.
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