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Deutschland / Weltweit 500 Baustellen bremsen die Bahn aus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit 500 Baustellen bremsen die Bahn aus
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00:18 11.12.2014
Die Deutsche Bahn will in den kommenden Jahren kräftig in die Sanierung von Gleisen, Weichen und Brücken investieren.  Quelle: Pauline Willrodt
Berlin

Mit frischen Milliarden des Bundes im Rücken startet die Bahn das größte Investitionsprogramm in der deutschen Eisenbahngeschichte. Allein im kommenden Jahr seien die Erneuerung und Instandhaltung von 3800 Kilometern Schienen geplant, teilte der Konzern am Montag in Berlin mit. Zudem sollen 2000 Weichen, 2,5 Millionen Eisenbahnschwellen und etwa 4 Millionen Tonnen Schotter verbaut werden. Insgesamt sollen bis 2019 rund 28 Milliarden Euro in die Sanierung maroder Strecken, Brücken und Signalanlagen fließen.

Für die Bahnkunden bedeutet dies im kommenden Jahr 500 Bauprojekte an 80 Strecken – und zum Teil erhebliche längere Fahrzeiten. „Im Regelfall sind das zehn bis zwanzig Minuten“, sagte der Fahrplanmanager bei der Bahn-Netztochter, Jörg Sandvoß, am Montag in Berlin. Bei Umleitungen etwa können es aber auch bis zu 60 Minuten sein. Dies trifft im kommenden Frühjahr an vier Wochenenden Reisende auf der Strecke von Köln nach Frankfurt am Main. Die ICE-Fernzüge werden dann nicht auf der Hochgeschwindigkeitstrasse durch den Westerwald, sondern am Rhein entlang fahren. Durch fast 13 000 „Baufahrpläne“ sollen Reisende verlässliche Informationen über Umleitungen, längere Fahrzeiten und Ersatzverkehr erhalten.

Basis der Investitionsoffensive ist die neue Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV II) zwischen dem Bund und der Bahn. Damit werden dem Konzern als Betreiber der Infrastruktur bis 2019 rund 28 Milliarden Euro für den Erhalt des staatlichen Schienennetz garantiert. Der Bundesrechnungshof hat die Vereinbarung wegen Steuerungs- und Kontrolldefiziten in einem aktuellen Prüfbericht scharf kritisiert, befürchtet Verschwendung von Steuergeldern und fordert umfangreiche Nachbesserungen.

Verzögerungen durch Bahnstreik

Auch die Opposition kritisiert die neue Vereinbarung scharf. Eine angemessene Kontrolle der rund 20 Milliarden Euro, die direkt als Bundeszuschüsse fließen sollen, fehle, bemängeln die Grünen. Die Linken verweisen auf Sachverständige, die im Verkehrsausschuss darlegten, dass LuFV-Mittel auch zur Finanzierung der exorbitanten Mehrkosten des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 verwendet werden könnten.

Im Vergleich zur ersten LuFV soll die Bahn insgesamt 8 Milliarden Euro mehr in den nächsten fünf Jahren erhalten. Der neue Vertrag war lange umstritten; der vormalige Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte deshalb die erste Vereinbarung verlängert. Die Finanzierung der Schienen-Infrastruktur wurde mit der Bahnreform 1994 neu geregelt und später mit der LuFV nachgebessert, die von der Bahn jährliche Berichte zum Zustand der Infrastruktur verlangt.

Der Sanierungsbedarf im Streckennetz ist gewaltig, wie sich vor allem an den Brücken zeigt. So sind von den rund 25 000 Bauwerken rund 9200 älter als 100 Jahre. 1100 bis 1200 davon gelten als sanierungsbedürftig. Die Bahn will bis 2019 unter anderem mindestens 875 Brücken für mehr als 3 Milliarden Euro erneuern. In den Austausch von 17 000 Kilometern Gleisen und 8700 Weichen sollen 12 Milliarden Euro fließen. Rund 4 Milliarden Euro sind für Leit- und Sicherungstechnik sowie Stellwerke vorgesehen, eine Milliarde für Tunnel und rund 8 Milliarden für Bahnhöfe, Energieanlagen, Lärmschutz und moderne Telekommunikation. Für die Arbeiten will der Konzern rund 1700 Mitarbeiter einstellen.

Bereits in diesem Jahr hatten viele Bahnkunden für ihre Reisen länger gebraucht als üblich. Im Laufe des Jahres hatte die Pünktlichkeit der Bahn rapide abgenommen – vor allem allerdings wegen des Bahnstreiks. In diesem Herbst kam etwa jeder dritte Fernzug verspätet ans Ziel. Der Anteil unpünktlicher ICEs und Intercitys ist nach einer fortlaufenden Bahn-Statistik seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Auch Bauarbeiten haben nach Angaben des Unternehmens zu den schlechteren Werten beigetragen. Noch im Januar lag die Quote pünktlicher Fernzüge bei 85,5 Prozent. Sie ging dann nahezu in jedem Monat zurück bis auf 71,7 Prozent im Juli. Im September waren es 66,4 Prozent, im Oktober 68,6 Prozent.

Von Thomas Wüpper

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