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Deutschland / Weltweit Air-Berlin-Insolvenz: Was Reisende jetzt wissen müssen
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12:20 17.08.2017
Die Flieger starten noch – aber kommt man mit Air Berlin auch noch zurück? Quelle: dpa
Berlin


Air Berlin ist pleite – was bedeutet das für Kunden der Fluggesellschaft? Was passiert mit meinem bereits gebuchten Flug? Sollte ich stornieren? Oder besser abwarten, wie es bei der Fluggesellschaft weitergeht?

Viele Urlauber, die sich aktuell an beliebten Reisezielen von Kreta über Mallorca bis Florida aufhalten, wollen vor allem wissen: Komme ich aus meinem Urlaub wie geplant zurück nach Hause? Und muss mein Reiseveranstalter nun etwas für mich tun?

Was Urlauber und andere Reisende jetzt wissen sollten:

Ich habe einen Air-Berlin-Flug in Kürze gebucht: Alle Flüge mit der Air Berlin und ihrer Tochter Niki finden im Moment wie geplant statt, betont das Unternehmen. Auch behalten die Flugpläne ihre Gültigkeit. Das bedeutet für Air-Berlin-Kunden, die sich zum Beispiel gerade im Sommerurlaub befinden oder in diesen starten möchten, dass sie ihre gebuchten Flüge auch antreten können. Möglich ist dies allerdings nur, weil die Bundesregierung dem Unternehmen einen Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro gewährt hat. Ohne diesen wäre Air Berlin aufgrund der Regelungen im Insolvenzrecht verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb unmittelbar einzustellen.

Mein Air-Berlin-Flug ist erst in wenigen Monaten geplant: Was der Insolvenzantrag langfristig für den Flugbetrieb bedeutet, ist noch unklar. Die Fluggesellschaft will sich neu strukturieren und steht dazu in Verhandlungen. „Sollte ein anderes Unternehmen Air Berlin jedoch übernehmen, wird es nicht auch die Altlasten übernehmen“, gibt der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover zu bedenken.

Air Berlin hat große finanzielle Probleme: Das Unternehmen teilte am Donnerstag mit, man verhandle mit drei Interessenten über eine Übernahme von Teilen des Geschäfts. Quelle: dpa

Wie sinnvoll ist es also, gebuchte Tickets zu stornieren? Wer nicht abwarten will, ob Air Berlin in ein paar Monaten noch fliegt oder nicht, kann versuchen, sein Ticket zu stornieren. Das ist allerdings nicht immer möglich – und auch nicht immer sinnvoll. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät derzeit von einer Stornierung ab. Denn Kunden haben nur Anspruch auf eine Erstattung der Steuern und Gebühren und nicht immer auf den Ticketpreis. Im teuersten Air-Berlin-Flugtarif Economy Flex geht das Stornieren manchmal kostenfrei, in Economy Classic teilweise gegen Gebühr. Für den Tarif Economy Light ist eine Stornierung immer ausgeschlossen.

Auch Rechtsanwalt Degott sagt zum Thema Stornierung: „Kunden haben dann meist mehrere Nachteile.“ Denn für ein Ersatzticket entstehen weitere Kosten, und zusätzlich bleibt die Unsicherheit, ob Betroffene ihre Ansprüche überhaupt durchsetzen können. „Eine Stornierung ist auch noch zu einem späteren Zeitpunkt möglich“, sagt Degott. Kunden sollten lieber genau beobachten, wie sich die Lage entwickelt. Ein mögliches Risiko dabei: In der Regel sind Tickets um so billiger, je früher man bucht – wer also die Lage bei Air Berlin weiter beobachtet, muss damit rechnen, vielleicht später noch stornieren zu können, aber dann mehr Geld für ein neues Ticket bezahlen zu müssen.

Unterschiede zwischen Einzelticket und Pauschalreise: Reisende, die ihre Flugtickets selbst gebucht haben, stehen rechtlich anders dar als Pauschalurlauber, die ein Paket aus Flug, Hotel und anderen Leistungen über einen Reiseveranstalter gekauft haben.

Situation 1, Ticket einzeln gebucht: Wer nur einen Flug gebucht hat, muss wissen: Wird der Betrieb von Air Berlin eingestellt und werden die Flüge nicht von einem Mitbewerber übernommen, fallen diese aus, erläutert der Deutsche Anwaltverein. Gebuchte Tickets würden dann verfallen. „Erfahrungsgemäß haben Reisende, die ein Einzelticket per Vorkasse bezahlt haben, kaum Chancen ihr Geld zurückzubekommen“, sagt Reiserechtler Degott. Im Pleitefall müssten sie sich an den Insolvenzverwalter wenden – „Privatkunden stehen jedoch in der Schlange der Gläubiger ganz weit hinten. In der Regel haben sie dann Pech gehabt.“

Situation 2, Unterwegs mit Reiseveranstalter: Pauschalreisende haben bessere Karten bei der Insolvenz einer Fluggesellschaft. Hier ist der Veranstalter in der Pflicht, An- und Abreise zu organisieren. „Kunden können ihre Ansprüche also gegenüber dem Reiseveranstalter anmelden“, erklärt Degott: Sie können vom Veranstalter einen Ersatzflug fordern, falls Air Berlin nicht mehr fliegt. Kommt es dagegen zu dem Fall, dass Urlauber auf eigenen Kosten zurückfliegen müssen, bekommen sie das Geld dafür zurück, so der Deutsche Anwaltverein. Und sollte die gebuchte Reise ganz platzen, können Gäste das bezahlte Geld vom Reiseveranstalter – nicht von der Fluggesellschaft – zurückfordern.

Thomas Winkelmann: Er ist seit Februar Vorstandschef von Air Berlin. Jetzt sucht er nach Wegen, zu retten, was zu retten ist. Quelle: dpa

Ich habe bereits einen Entschädigungsanspruch: Viele Kunden haben offene Ansprüche gegenüber Air Berlin, weil es in der Vergangenheit zum Beispiel zu einer Flugverspätung, Annullierung oder Nichtbeförderung kam. In solchen Fällen steht Passagieren laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung bei Unternehmen wie Air Berlin, die in der EU ihren Sitz haben, eine Entschädigung zu – je nach Flugdistanz 250, 400 oder 600 Euro. Die Airline muss für die Annullierung oder Verspätung verantwortlich gewesen sein, zum Beispiel wegen eines technischen Defektes. Betroffene müssen sich weiterhin an Air Berlin oder später gegebenenfalls an den Insolvenzverwalter wenden. Ob offene Entschädigungsleistungen dann tatsächlich gezahlt werden, ist laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen aber ungewiss.

Und was passiert mit Bonusmeilen? Meilensammler sollten ihr Guthaben bei Air Berlin möglichst bald einlösen, rät Degott. Zwar könne es sein, dass ein anderes Unternehmen nach einer Übernahme dieses Kundenbindungsinstrument fortsetzt – eine Garantie dafür gebe es aber nicht. Sollte Air Berlin nicht mehr als Vertragspartner existieren, hätten Kunden keinen Anspruch darauf, dass sie Meilen noch einlösen können.

Sollte man jetzt noch Reisen bei Air Berlin buchen? Für einige Zeit ist der Flugbetrieb ja noch gesichert, deshalb ist dies durchaus möglich. Aber natürlich besteht ein Risiko – das man jedoch eingrenzen kann: So ist das Verlustrisiko natürlich geringer, wenn man einen Billigflug bucht, als wenn man eine teure Strecke wählt.

Der Reiserechtsexperte Prof. Ernst Führich aus Kempten betont: Dass der Flugbetrieb noch etwa drei Monate laufen soll, sei keinesfalls eine rechtsverbindliche Zusicherung. Und: Welche Strecken im Zuge einer Umstrukturierung erhalten bleiben, ist völlig offen. Der Jurist sagt daher: „Für das Weihnachtsgeschäft und darüber hinaus würde ich keine Flüge mehr bei Air Berlin buchen.“ Der Luftverkehrsexperte Cord Schellenberg aus Hamburg sagt: „Ab dem Winterflugplan würde ich eher abwarten und beobachten“ – also eher keine Air-Berlin-Flüge mehr buchen, die später als Ende Oktober 2017 abheben. Das gelte besonders für Langstreckenflüge etwa in die USA, die Air Berlin zuletzt stark ausgebaut hat. Hier sind Fluggäste eher aufgeschmissen, wenn ein bestimmter Flug nicht mehr stattfindet. Anders bei Inlands- oder Europaflügen: Wer hier ein gutes Schnäppchen findet, kann laut Experte eher noch zugreifen – mit Risiko.

Von RND/dpa

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