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Deutschland / Weltweit Arbeitslose bleiben immer länger ohne Job
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16:46 16.04.2018
Laut aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bleiben Hartz-VI-Empfänger in den vergangenen Jahren immer länger ohne Arbeit. Quelle: dpa
Berlin

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland sind auf Hartz IV angewiesen, immer mehr von ihnen rutschen in die Langzeitarbeitslosigkeit – das geht aus aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. So stieg die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit bei Beziehern der Grundsicherung kontinuierlich an - von 555 Tagen im Jahr 2011 auf 650 Tage im Jahr 2017. Im Jahr davor waren es noch 629 Tage. Auf diesen klaren Abwärtstrend machte die Linke im Bundestag aufmerksam.

„Dass die Dauer der Erwerbslosigkeit im Hartz-IV-System steigt, ist ein blamables Ergebnis für die verschiedenen Bundesregierungen und leider logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands“, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, der Deutschen Presse-Agentur. Seit 2010 seien die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden.

317.000 Menschen länger als drei Jahre arbeitslos

Ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit wies unterdessen darauf hin, dass die Zahlen eine Entwicklung weg von der Kurzzeitarbeitslosigkeit andeuten. Langzeitarbeitslose gebe es hingegen immer mehr: Im Vergleich zu 2011 (298.000) waren im Jahr 2017 rund 317.000 Menschen bereits länger als drei Jahre arbeitslos. „Man könnte von einer Verhärtung der Langzeitarbeitslosigkeit sprechen.“

Betrachte man die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit einer Dauer von weniger als zwei Jahren, dann sei die Bilanz allerdings durchaus positiv, denn diese sank im selben Zeitraum um fast 100.000. Grundsätzlich gäbe es für jeden Langzeitarbeitslosen die Chance auf eine Widereingliederung ins Berufsleben: Hartz-IV-Empfänger, die im Jahr 2017 einen neuen Job fanden, waren davor durchschnittlich 397 Tage arbeitslos. Dies zeige, „dass es auch Menschen mit längerer Dauer gelingt, die Arbeitslosigkeit zu beenden.“ Trotzdem sei es nicht überraschend, dass der Schritt aus der Arbeitslosigkeit schwer fiele: Für Betroffene kämen oft mehrere Hemmnisse zusammen, die eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt erschweren.

Politiker verfolgen unterschiedliche Lösungsansätze

Laut Zimmermann habe Perspektivlosigkeit für Hartz-IV-Beziehende in den vergangenen Jahren zugenommen. „Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung Millionen Menschen aufs Abstellgleis schiebt und sie ihrem Schicksal überlässt.“ Es müsse dringend erheblich mehr Geld für Unterstützungsleistungen zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt bekräftigte Zimmermann die Position der Linken, nach der Hartz IV abgeschafft werden und durch eine sanktionsfreie existenzsichernde Mindestsicherung ersetzt werden solle.

Die Regierungskoalition wiederum hat Vollbeschäftigung zum Ziel erklärt. Dabei sollen unter anderem 150.000 Langzeitarbeitslose mit Lohnkostenzuschüssen einen Job in Unternehmen, gemeinnützigen Einrichtungen oder Kommunen bekommen.

In der SPD wird zudem ein „solidarisches Grundeinkommen“ diskutiert: Die Mittel für Langzeitarbeitslose sollen demnach verstärkt verwendet werden, um für sie eine freiwillige und unbefristete Tätigkeit bei den Kommunen zu bezahlen. Dem erteilte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) im „Tagesspiegel am Sonntag“ eine Absage: „Ein Grundeinkommen, wie es auch immer aussieht, ist kein Projekt dieser Koalition“.

Der frühere Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement nimmt die Grundsicherung aber in Schutz: Die aktuell diskutierte Idee eines solidarischen Grundeinkommens und der Unterbringung von Langzeitarbeitslosen in öffentlichen Jobs habe sich bereits in der Vergangenheit als Irrtum erwiesen, sagte er der Berliner Morgenpost. „Während damals permanent viel Geld in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen investiert wurde, stieg die Arbeitslosigkeit seit der Jahrtausendwende stetig an“, sagte Clement. Erst die Hartz-Reformen hätten diesen Trend gestoppt und vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit gesenkt.

Von RND/dpa/lf

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