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Deutschland / Weltweit Chinesen greifen nach Kuka-Roboterfabrik
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Chinesen greifen nach Kuka-Roboterfabrik
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00:16 19.06.2016
Arbeiter im Kuka-Werk: Midea verspricht eine Jobgarantie – wie lange sie gilt, ist Gegenstand von Verhandlungen. Quelle: dpa
Augsburg

Midea bietet 115 Euro je Aktie, was das deutsche Vorzeigeunternehmen mit knapp 4,6 Milliarden Euro bewertet. Verglichen mit dem Kuka-Aktienkurs vor Bekanntwerden des Interesses von Midea entspricht das Angebot einem finanziellen Aufschlag von gut einem Drittel. Die Offerte ist bis 15. Juli befristet und davon abhängig, dass die Chinesen am Ende mindestens 30 Prozent der Kuka-Anteile halten.

Kuka-Chef Till Reuter will Verhandlungen mit Midea aufnehmen und spätestens in zwei Wochen eine Stellungnahme zum Übernahmeangebot abgeben. „Entscheidend wird sein, dass wir am Ende einen verbindlichen Vertrag in der Hand halten, der die Interessen unseres Unternehmens, unserer Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter langfristig ab-
sichert“, sagte Reuter vorab. Midea-Chef Paul Fang signalisiert Entgegenkommen. „Wir haben nicht die Absicht, einen Beherrschungsvertrag zu schließen oder das Unternehmen von der Börse zu nehmen“, sagte er. Der chinesische Konzern hat bereits bekräftigt, dass im Falle einer Übernahme keine Stellen gestrichen würden. Der Kuka-Vorstand soll im Amt, der Firmensitz in Augsburg bleiben. Allerdings sind Standort- und Beschäftigungsgarantien befristet. Wie lange, das wird Gegenstand der Gespräche sein. Die IG Metall pocht auf eine langfristige Sicherung der Arbeitsplätze.

Die Vorbehalte der deutschen Politik gegen die chinesische Offerte kommentierten Reuter und Fang nicht. Insbesondere Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und EU-Digitalkommissar Günter Oettinger (CDU) befürchten den Verlust von Know-how, falls Midea zum Zuge kommt. Kuka gilt als hierzulande herausragendes Beispiel für technologische Expertise zur Digitalisierung der Wirtschaft unter dem Schlagwort Industrie 4.0. Beide Politiker regen deshalb ein Gegenangebot der deutschen oder europäischen Industrie für Kuka an. Zumindest von Siemens und heimischen Autoherstellern, die allesamt Großkunden von Kuka sind, haben sie sich aber Abfuhren eingehandelt. Auch Kuka selbst ist bislang weit davon entfernt, nach einem anderen Interessenten zu rufen, der Midea ausstechen könnte.

Auch Gerüchte, Midea könnte sich mit einem Kuka-Anteil von maximal 49 Prozent zufriedengeben, um die deutsche Politik zu besänftigen, scheinen gegenstandslos. Wie eine Midea-Sprecherin betonte, verlange das deutsche Aktienrecht vielmehr, dass man alle Aktien abnehme, die angeboten würden. Darüber, wie sich Midea verhalten würde, falls es bis Mitte Juli mehr als die Hälfte der Kuka-Anteile geworden sind, wolle sie nicht spekulieren. 13,5 Prozent an Kuka hält Midea bereits.

Entscheidend für das Machtgefüge bei Kuka ist nun vor allem das Verhalten der beiden anderen großen Aktionäre der Augsburger. Das sind der hessische Industrielle Friedhelm Loh mit einem Zehntel der Anteile und vor allem das Heidenheimer Familienunternehmen Voith, das aktuell eine Sperrminorität von 25,1 Prozent hält. Loh schweigt bislang beharrlich. Voith will das Midea-Angebot prüfen. Wenn die Chinesen dort das Sagen erhalten, hätte ein Engagement aber für beide deutschen Großaktionäre strategisch keinen Wert mehr.

Die Verlockung zum Verkauf ist groß, sagen Börsianer. Allein Voith könnte gut 1,1 Milliarden Euro einstreichen. Voith-Chef Hubert Lienhard ist zudem Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft und gilt als betonter Verfechter von marktwirtschaftlichen Prinzipien und Freihandel. Dazu gehört, dass sich nicht nur deutsche Unternehmen mit Investitionen in China engagieren, sondern auch umgekehrt Chinesen hierzulande. Voith und Loh dürften zudem kaum genug Mittel haben, die Midea-Offerte zu kontern.

Von Thomas Magenheim

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