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Deutschland / Weltweit Des Ex-Kanzlers große Show
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21:45 12.12.2014
Als Zeuge geladen: Altkanzler Gerhard Schröder erinnert sich vor dem Untersuchungsausschuss vor allem an den Weihnachtsurlaub mit Ehefrau Doris auf Teneriffa. Foto: dpa Quelle: Federico Gambarini
Düsseldorf

Es ist die perfekte Schröder-Show: Gebräunt, in blendender Verfassung und mit seinem typischen Siegerlächeln kommt der Altkanzler am Freitag in den Düsseldorfer Landtag. Dessen Untersuchungsausschuss befasst sich mit dem Niedergang der WestLB. Dort soll Gerhard Schröder in rund 17 Jahre alten Erinnerungen an seine Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident kramen und über seinen Coup beim Kauf der Salzgitter AG berichten. Hinter den Kulissen soll sich 1998 auch ein Polit-Krimi unter Genossen abgespielt haben.

Schröder gestaltet seine Zeugenaussage als Auftritt: Er feixt und spottet, er kokettiert und kanzelt ab, verteilt Noten für Fragen unter seinem Niveau und spielt mit dem Vorsitzenden und den Obleuten Katz und Maus. An den entscheidenden Stellen geht es ihm aber so wie den meisten prominenten Zeugen im Ausschuss: „Ich kann mich wirklich nicht erinnern.“

Zum Beispiel an Gespräche mit dem damaligen WestLB-Chef Friedel Neuber, in denen Schröder den Kaufpreis für Salzgitter ausgehandelt haben soll. „Kann sein - ich erinnere mich nicht.“ Auch nicht an Druckmittel, die eine Rolle gespielt haben sollen, damit die Preussag-Stahlsparte doch nicht nach Österreich geht. „Wenn man 70 ist - man vergisst ja das eine oder andere“, antwortet er auf bohrende Nachfragen des Ausschussvorsitzenden Peter Biesenbach. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemanden unter Druck gesetzt - soweit ich mich erinnern kann.“ Biesenbach mahnt bei seinem gut aufgelegten Zeugen mehr Ernsthaftigkeit und größere Anstrengungen beim Erinnern an. „Uns haben Zeugen schon fasziniert - was die noch alles wussten“, sagt Biesenbach. „Ehrlich?“, gibt der spöttelnd zurück.

Als der Salzgitter-Verkauf 1997 vorbereitet wurde, war Schröder in Niedersachsen im Landtagswahlkampf. Eine Übertragung des Unternehmens ins Ausland und eine Gefährdung von 12 000 Arbeitsplätzen hätte doch wohl zu Unruhen geführt, will die CDU-Abgeordnete Ina Scharrenbach wissen. Doch auf Spekulationen, er habe mit Industriedeals Wahlkampf gemacht, lässt Schröder sich nicht ein. „Ich war ein so populärer Ministerpräsident - das können Sie sich gar nicht vorstellen.“ Richtig sei aber, dass er entschieden habe: Salzgitter sollte in Niedersachsen bleiben. „Ich habe gesagt: Das kaufen wir - basta“, sagt Schröder. Koste es, was es wolle. Gab es Widerspruch? „Wäre jemand anderer Meinung gewesen, hätte der gehen müssen. Gar keine Frage.“

Der Ausschuss konfrontiert ihn mit der Version, die NRW-SPD um den damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau habe einen Verkauf von Salzgitter ins Ausland vorangetrieben, um Schröder bei dessen Kanzlerkandidatur 1998 zu schaden und seinem Konkurrenten Oskar Lafontaine zu helfen. „Es gab den einen oder anderen, der nicht unbedingt wollte, dass ich Kanzlerkandidat wurde“, räumt Schröder ein. „Aber ich wurde es ja - und auch Kanzler.“

In den Weihnachtsferien mit seiner frisch angetrauten Frau Doris habe er Ende 1997 erfahren, „dass da was läuft“. Böse sei er darüber gewesen. Und möglicherweise habe er damals Kontakt mit Johannes Rau und Wolfgang Clement aufgenommen. „Es kann durchaus sein, dass ich denen gesagt habe: ,Leute, lasst die Finger davon. Das passt nicht in mein industriepolitisches Konzept’, schildert Schröder. „Kann sein, dass ich gesagt habe: ,So könnt Ihr nicht mit mir umgehen. Lasst die Finger von meinem Unternehmen.’“

Komisch findet die FDP-Abgeordnete Angela Freimuth, dass Schröder einerseits vor Vitalität und Humor strotzt und sich ausgerechnet an viele zentrale Aspekte des Salzgitter-Deals nicht erinnert. Dafür aber an den Weihnachtsurlaub mit Doris: „Es hat geregnet. Das war in Teneriffa. Wir waren gerade verheiratet.“ Der strengen CDU-Abgeordneten Scharrenbach bietet Schröder mehr Details an. „Ungern“, gibt die pikiert zurück. Zum Schluss bringt Schröder die Lacher noch einmal auf seine Seite. Bei der Belehrung über die Erstattung seiner Spesen gibt er sich großzügig: „Ich bin bereit, zugunsten der Landeskasse auf meine Auslagen zu verzichten - ich weiß, es ist eng.“

Von Bettina Grönewald

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