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Deutschland / Weltweit EEV droht Verlust der Einnahmequelle
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit EEV droht Verlust der Einnahmequelle
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20:29 18.09.2015
Von Jens Heitmann
Zwangsversteigerung droht: Biomassekraftwerk der EEV in Papenburg.  Quelle: Archiv
Jens Heitmann

Das Amtsgericht Papenburg hat bereits im Mai auf Betreiben des ehemaligen Eigentümers Etanax die Zwangsversteigerung des gesamten Objekts angeordnet. Derzeit werde ein Sachverständigengutachten über den Verkehrswert eingeholt, teilte das Gericht auf Anfrage von HAZ und NDR Info mit. Die Erneuerbare Energie Versorgung AG (EEV) hat bei rund 2400 Anlegern mehr als 25 Millionen Euro eingesammelt. Das Unternehmen wollte zu dem Thema am Freitag keine Stellung nehmen.

Mit dem eingeworbenen Kapital will die EEV den Kauf des Papenburger Biomasseheizkraftwerkes und einer Planungsgesellschaft für einen Offshore-Windpark finanzieren. Die ausgegebenen Genussrechte sollten eine Rendite von bis zu 9 Prozent abwerfen - später hat die EEV eine Festzins-Kapitalanlage mit bis zu 6,75 Prozent aufgelegt. Ende Juni hat die EEV den Genussrechteinhabern mitgeteilt, dass man für das vergangene Jahr einen Verlust erwarte und daher „nach aller Wahrscheinlichkeit“ mit einer Zinszahlung nicht gerechnet werden könne. Grund sei unter anderem ein technisch bedingter längerer Stillstand des Kraftwerkes. Die Darlehensgeber hingegen würden Geld bekommen, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt seit Längerem gegen leitende Mitarbeiter der EEV. Laut Anklagebehörde geht es um „Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Geschäftsbetrieb“. Bei der Staatsanwaltschaft sind dem Vernehmen nach Strafanzeigen eingegangen, in denen unter anderem der Verdacht auf Kapitalanlagebetrug geäußert wird.

In dem Schreiben an die Geldgeber entschuldigte sich Vorstand Bernhard Faber für die „mangelhafte Kommunikation der letzten Monate“; fortan werde die EEV „für einen regelmäßigen und vollständigen Informationsfluss“ sorgen. Der Brief an die Anleger war noch mit dem Briefkopf der Göttinger Zentrale versehen, obwohl die EEV AG ihren Sitz zuvor bereits nach Papenburg verlegt hatte. Von der drohenden Zwangsversteigerung war in dem Kapitalanleger- „Newsletter“ keine Rede.

Stattdessen schürte Faber bei den Geldgebern Hoffnungen auf bessere Zeiten. „Wir rechnen ab 2016 für das Kraftwerk mit Gewinnen von 2,5 Millionen Euro pro Jahr.“ Um die aktuelle „Finanzierungslücke“ zu decken, sei man in „fortgeschrittenen Gesprächen mit Investoren“, hieß es Ende Juni. „Auch der Verkäufer unserer Projekte, der bislang viel Geduld bewiesen hat, ist dabei ein wichtiger Gesprächspartner.“

Die EEV hatte das Papenburger Kraftwerk und die Windpark-Planungsgesellschaft 2012 von der Etanax-Holding erworben. Hinter der Realisierbarkeit des Offshore-Projekts Skua steht ein großes Fragezeichen, weil der Windpark in einem Übungsgebiet der Marine liegt. Die EEV, die ihre Anleger auch über das Militärrisiko nicht informiert hatte, besteht darauf, dass dies rechtlich kein Problem darstelle und die Planung nicht gefährdet sei.

Ursprünglich sollte der Kaufpreis von 26,5 Millionen Euro bereits 2013 vollständig bezahlt sein. Die EEV konnte aber mehrfach die Raten nicht überweisen; die Etanax hatte die Zahlungen immer wieder gestundet. Nun scheint der Geduldsfaden gerissen. Hinter der Etanax stand der Windkraftpionier Günter Eisenhauer. Der Unternehmer ist kürzlich beim Absturz mit seinem Privatflugzeug ums Leben gekommen.

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