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Deutschland / Weltweit Harley Davidson: Ein Symbol der Freiheit gerät unter die Räder
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Harley Davidson: Ein Symbol der Freiheit gerät unter die Räder
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14:04 22.06.2018
Teilnehmer der Motorradparade der Harley Days in Hamburg fahren auf ihren Motorrädern über die Köhlbrandbrücke. Quelle: dpa
Washington

Das Schreiben der Welthandelsorganisation ist auf den ersten Blick schwer verständlich. Auf 19 Seiten beschreibt die Handelsgemeinschaft technische Details von etwa 100 Produkten aus den USA, auf die ab heute Einfuhrzölle erhoben werden. Unter den Nummern „87114000“ und „87115000“ werden Motorräder aufgeführt. Maschinen mit großem Hubraum und einem noch größeren Symbolwert.

Herstellernamen erwähnt die WTO-Liste erwartungsgemäß nicht. Aber jedermann weiß: Hier geht es um Harley Davidson, die Firma, die vor 115 Jahren gegründet und in aller Welt zum Inbegriff des amerikanischen „Way of Life“ wurde. Der stark ausgeprägte Individualismus und die Freiheitsliebe auf zwei Rädern.

Tausende Biker feiern in Hamburg – trotz Strafzöllen

An diesem Wochenende werden in Hamburg mehrere tausend Biker erwartet, die an das Firmenjubiläum im fernen Wisconsin erinnern und sich ganz unerwartet in einem düsteren transatlantischen Ringen wiederfinden.

Cecilia Malmström, die EU-Handelsbeauftragte, hatte vor wenigen Tagen noch einmal versichert: „Wir fühlen uns in dieser Rolle nicht wohl. Aber die ungesetzliche Entscheidung der US-Regierung, höhere Zölle auf Stahl und Aluminium zu erheben, lässt uns keine andere Wahl.“

Die Handelsvereinbarungen, die zwischen der EU und der USA über Jahrzehnte gemeinsam entwickelt wurden, könnten nicht einfach von einer Seite verletzt werden, so Malmström. Die Vergeltung, über die die Europäische Kommission die WTO nun informiert hat, bleibe daher so lange in Kraft, wie die US-Regierung ihrerseits die Strafzölle erhebt.

Zölle sind weitere Hiobsbotschaft für Harley-Davidson-Angestellte

Für die mehr als 6000 Mitarbeiter des Traditionsunternehmens aus Milwaukee kommen die Strafzölle einer weiteren Hiobsbotschaft gleich - nachdem sie bereits in den vergangenen Monaten einiges zu verkraften hatten. Gerade erst zum Jahresanfang teilte die Unternehmensführung den Mitarbeitern in Kansas City mit, dass ihre Fabrik im Herbst nächsten Jahres geschlossen wird.

450 Fachkräfte könnten in die Tochtergesellschaft nach York, Pennsylvania wechseln, einige andere direkt in die Zentrale nach Milwaukee. Für etwa 350 Mitarbeitern hat die Firma aber offenbar nichts zu bieten - außer der traurigen Ansage, dass eine neue Fabrik in Thailand eröffnet werde, um auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben.

Den letzten Anstoß, so heißt es in der Belegschaft, hätten die höheren Produktionskosten gegeben - nachdem Donald Trump Strafzölle auf Stahl und Aluminium angekündigt hatte. Durch diese protektionistische Maßnahme müsse Harley Davidson für seine inneramerikanische Produktion mit Mehrkosten von knapp 30 Millionen Euro pro Jahr rechnen.

Preissteigerung von 5000 Euro pro Motorrad

Für die Menschen vor Ort ist die Schließung ein schwerer Schlag. „Seit 17 Jahren arbeite ich für Harley. Ich dachte, eines Tages werde ich hier in Rente gehen“, sagt Tim Primeaux. Der Familienvater ist zuversichtlich, in absehbarer Zeit einen neuen Job zu finden. „Aber jeder in Kansas City weiß, dass ein Jobwechsel in dieser Region meistens mit Einbußen beim Lohn, bei der Anzahl der Urlaubstage und in der Rentenzahlung verbunden ist“, so Primeaux.

Mit den neuen Zöllen in Europa droht nun ein weiterer Schlag. Auf jede Harley, die ab heute per Schiff in einem europäischen Hafen eintrifft, wird eine 25-prozentige Abgabe erhoben. Bei einem Grundpreis von mehr als 21.000 Euro, der beispielsweise für die Milwaukee-Eight-Motor bisher verlangt wird, könnte die Preissteigerung bei mehr als 5000 Euro liegen - sollte die Firma die Mehrkosten vollständig an den Kunden weiterreichen.

Traditionsunternehmen im Spannungsfeld zweier Wirtschaftsräume

Für die Motorradfreunde, die sich heute in Hamburg treffen, dürfte es eine bedrückende Entwicklung sein. Als einen Angriff auf seine Strategie dürfte allerdings auch der US-Präsident diesen Schritt betrachten. Donald Trump bezeichnet sich selbst gern als begeisterten Fan schwerer Maschinen und lud im Februar vergangenen Jahres demonstrativ die Führung von Harley Davidson ins Weiße Haus ein.

An der Traditionsfirma aus dem Mittleren Westen wollte er seinen Anhängern den Erfolg seiner „America First“-Politik zeigen. Doch ausgerechnet die Vorzeigefirma gerät im transatlantischen Handelskrieg gleich von zwei Seiten unter Druck. Die Preise für die Stahlimporte, auf die die Motorradbauer angewiesen sind, jagen wegen der trumpschen Zölle in die Höhe. Und nun verlangen auch noch die europäischen Behörden höhere Abgaben.

Keine guten Aussichten für all die Motorradfreunde, die den American Way of Life ganz unmittelbar erleben wollen.

Von Stefan Koch/RND

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