Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Pleitebank hat ihre Aktionäre getäuscht
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Pleitebank hat ihre Aktionäre getäuscht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:54 15.12.2014
„Eine Ohrfeige für die Hypo Real Estate“: Der frühere Vorstandsvorsitzende der Bank, Georg Funke, arbeitet heute als Immobilienmakler auf Mallorca. Foto: dpa Quelle: Matthias Schrader
München

Das Institut habe im Jahr 2007 unwahre Pressemitteilungen veröffentlicht, den Börsenprospekt für eine Kapitalerhöhung gefälscht und seine Bilanz manipuliert, sagte Richter Guido Kotschy. Funke, der in dem Verfahren ebenfalls verklagt wurde und einen Strafprozess befürchten muss, war nicht vor Gericht erschienen.

Hypo Real Estate will Richterspruch anfechten

Während die Hypo Real Estate den Richterspruch anfechten will, sprachen die Klägeranwälte von einer historischen Entscheidung. „Das ist ein Sieg für die Anleger und eine Ohrfeige für die Hypo Real Estate“, sagte Rechtsanwältin Daniela Bergdolt. „Wir rechnen nun konkret mit Schadensersatzansprüchen in einer Größenordnung von deutlich mehr als einer halben Milliarde Euro“, sagte Rechtsanwalt Andreas Tilp. Er vertrat die Musterklage vor dem Oberlandesgericht, das in diesem Prozess die wichtigsten Fragen von rund 250 Schadensersatzklagen wegen Aktienkursverlusten bündelte. Die Anleger, überwiegend institutionelle Investoren, müssen ihre Einzelansprüche noch in gesonderten Verfahren vor dem Landgericht durchfechten. Ähnlich geht die Justiz bei Anlegerklagen gegen die Deutsche Telekom vor.

Der Richter hält die Pressemitteilung für falsch

„Die Ad-hoc-Mitteilung vom 15. Januar 2008 ist nicht rechtzeitig erfolgt“, sagte Kotschy. Erst dann hatte die Bank erhebliche Probleme eingestanden. Ein knappes halbes Jahr zuvor habe die Hypo Real Estate mit einer Pressemitteilung eine ganze Reihe von Anlegertäuschungen begonnen: „Die Pressemitteilung vom 03.August 2007 ist falsch“, befand der Richter. Darin hatte die Bank ihre Geschäftsprognose bestätigt und von Belastungen aus der Krise am US-Hypothekenmarkt nichts wissen wollen. Die Bank habe Abschreibungen auf strukturierte Wertpapiere zu spät vorgenommen, erklärte Kotschy. „Wir sehen das Ganze als eine Bilanzmanipulation.“ Auch neue Aktien für eine Kapitalerhöhung im Jahr 2007 habe die HRE unter falschen Vorzeichen ausgegeben: „Der Börsenzulassungsprospekt war in wesentlichen Punkten unrichtig“, hielt Kotschy der Bank vor.

Mängel am Börsenprospekt

Dass das Gericht auch den Börsenprospekt bemängelte, wertete Anwalt Tilp als wichtigen Punkt. Denn das Gesetz mache in diesem Fall Schadensersatzansprüche besonders einfach. „Die Prospekthaftung ist das schärfste Schwert, das ein Anleger in Deutschland führen kann“, sagte Tilp. Bergdolt räumte ein, dass die Gerichtsentscheidung den Steuerzahler belasten könne. Doch wichtiger sei, dass Banken Anleger nicht ungeschoren täuschen dürften. „Der Rechtsstaat ist teuer. Das müssen wir uns leisten“, sagte die Anwältin, die auch Vizepräsidentin der Aktionärsvereinigung DSW ist.

Die Hypo Real Estate kündigte an, den Richterspruch vor dem Bundesgerichtshof anzufechten. „Wir rechnen deshalb damit, dass der Bundesgerichtshof die Entscheidung aufheben wird“, hieß es.

Mehr zum Thema

Die Staatsanwaltschaft München hat gegen den früheren Vorstandschef der Immobilienbank Hypo Real Estate, Georg Funke, und sieben weitere ehemalige Vorstände Anklage erhoben.

29.09.2014

Deutschland hat Milliarden in marode Banken gesteckt und verdient bislang gut daran. Doch der Einsatz des Rettungsfonds Soffin bleibt riskant. Noch ist in der Finanzbranche viel Steuergeld im Feuer.

19.07.2014
Deutschland / Weltweit Musterprozess gegen Hypo Real Estate - Ex-Chef der HRE bleibt Gericht fern

Der Prozess um milliardenschweren Schadenersatz von der Immobilienbank Hypo Real Estate geht ohne die Hauptperson weiter: Ex-HRE-Chef Funke ließ sich kurzfristig entschuldigen.

06.02.2014

Der Autobauer Daimler will in seinem Düsseldorfer Sprinter-Werk in den kommenden Jahren 650 Stellen abbauen - zugleich aber mehrere Millionen Euro in den Standort investieren. Das teilte der Dax-Konzern am Montag in Stuttgart mit.

15.12.2014

Hartmut Mehrdorn, Chef des Hauptstadtflughafens in Berlin (BER), will sein Amt als Geschäftsführer spätestens im Juni 2015 abgeben. Das teilte das Unternehmen am Montagmittag mit.

15.12.2014

Die Fast-Food-Kette Burger King will die 89 wochenlang geschlossenen Schnellrestaurants der insolventen Betreibergesellschaft bis Mittwoch komplett wieder in Betrieb nehmen.

15.12.2014