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Deutschland / Weltweit Supermärkte setzen Markenhersteller zunehmend unter Druck
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Supermärkte setzen Markenhersteller zunehmend unter Druck
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23:03 05.02.2019
Markenartikler unter Druck: Immer öfter scheuen sich die Handelsketten nicht, bestimmte Produkte aus ihren Regalen zu verbannen. Quelle: Foto: Jens Büttner/Dpa
Düsseldorf

Egal ob Nestlé, Unilever oder Red Bull – die bekannten Markenhersteller stehen unter Druck. Grund: Große Handelsketten wie Edeka oder Rewe ziehen im Umgang mit ihren Lieferanten immer öfter die Daumenschrauben an. Selbst beliebte Markenprodukte verbannen sie wochenlang aus den Regalen, um ihren Preisforderungen Nachdruck zu verleihen. Obendrein machen sie den Herstellern mit ihren Eigenmarken Konkurrenz und fördern Start-ups, die den Platzhirschen die Auslagen streitig machen. Zuweilen geht das auch auf Kosten der Kunden, die im Supermarkt vergeblich nach ihren Lieblingsprodukten suchen.

„Es gab schon immer ein Kräftemessen zwischen den Handelsketten und den Herstellern, doch in den letzten Jahren hat die Auseinandersetzung noch einmal extrem an Härte gewonnen“, sagt die Handelsexpertin Denise Klug von Retailytics, der Analystengruppe der „Lebensmittel Zeitung“. Denn die Ketten haben ihre internationalen Einkaufskooperationen ausgebaut und damit ihre Schlagkraft gegenüber der Konsumgüterindustrie deutlich erhöht. „Sie können viel mehr Druck auf die Hersteller ausüben. So gab es das vorher noch nicht“, betont die Branchenkennerin.

Kaufland vs. Unilever, Edeka vs. Nestlé

Auch große Markennamen sind längst nicht mehr vor der Auslistung geschützt. So beendete Kaufland zum Jahreswechsel nach einem Streit um Lieferkonditionen die Zusammenarbeit mit dem Konsumgüterkonzern Unilever. Kartoffelklöße von Pfanni, Knorr-Suppen oder Zahnpasta von Signal wird man deshalb bei Kaufland bald vergeblich suchen. Derzeit würden nur noch vorhandene Lagerbestände abverkauft, erklärte eine Sprecherin.

Auch andere Handelsketten zeigten sich zuletzt ruppig im Umgang mit ihren Lieferanten. So stritt Edeka im vergangenen Jahr zusammen mit europäischen Verbündeten wie Intermarché und Coop Schweiz monatelang mit dem Nestlé-Konzern über Konditionen und boykottierte zeitweise fast 200 Produkte des Herstellers.

Aktuell hat Rewe nach Informationen der „Lebensmittel Zeitung“ über das europäische Einkaufsbündnis Eurelec unter anderem diverse Artikel des schwedischen Toilettenpapierherstellers Essity (Zewa) und des Käseproduzenten Bel aus den Regalen genommen.

Handelsketten schaffen Platz für Start-Ups

Doch machen die Händler den Herstellern nicht nur mit Auslistungen das Leben schwer, sondern auch mit ständig aufwendiger gestalteten Eigenmarken. „Diese sind schon immer wichtig für den Handel gewesen, aber inzwischen werden sie von den Händlern auch gezielt als Waffe eingesetzt“, betonte Klug. Etwa um die Lücken bei Auslistungen zu füllen und dabei neue Kunden zu gewinnen.

Edeka und Rewe, aber auch Drogeriemärkte wie dm und Rossmann haben in den vergangenen Jahren ihr Eigenmarken zielstrebig ausgebaut. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Billigprodukte. Die Handelsketten expandieren auch in höherwertige Bereiche. Mit ihren Eigenmarken wie „Edeka Bio“ oder „Rewe regional“ besetzen sie außerdem attraktive Nischenmärkte und lassen die Markenhersteller dabei oft genug alt aussehen. „Die Händler können mit ihren Eigenmarken viel schneller auf Trends reagieren“, meint Klug.

Zudem wird vielen Markenartiklern Innovationsschwäche vorgeworfen. Um die Kunden dennoch mit Neuigkeiten versorgen zu können, machen die Handelsriesen in jüngster Zeit immer öfter Platz für Lebensmittel-Start-ups wie Ankerkraut, Little Lunch oder Just Spices. Auch das geht in der Regel zulasten der altbekannten Platzhirsche.

Von Erich Reimann