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Deutschland / Weltweit Warum sinkende Ölpreise nicht nur gut sind
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Warum sinkende Ölpreise nicht nur gut sind
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07:42 11.12.2014
Sprit ist so günstig wie lange nicht, die Heizölpreise fallen seit Wochen. Quelle: Ina Fassbender/dpa
Frankfurt am Main

Sprit ist so günstig wie lange nicht, die Heizölpreise fallen seit Wochen - was Autofahrer und Hausbesitzer freut, macht Europas Währungshütern immer größere Sorgen.

Wie ist das aktuelle Preisniveau?
In Deutschland waren die Verbraucherpreise im November nur um 0,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Damit ist die Jahresinflation nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf den niedrigsten Stand fast fünf Jahren gesunken. Im Euroraum nähert sich das Preisniveau immer mehr der Nullmarke: Die Inflationsrate lag nach vorläufigen Zahlen von Eurostat im November bei nur noch 0,3 Prozent.

Warum ist die Inflation so deutlich gesunken?
Hauptgrund ist der Preisrutsch bei Rohöl: Seit dem Sommer sind die Preise um etwa 40 Prozent eingebrochen. Die Ölförderländer befeuerten dies noch: Auf ihrem Treffen Ende November in Wien konnten sich die zwölf Opec-Staaten nicht auf eine Kürzung ihrer Produktion einigen. Saudi-Arabien und der Irak senkten sogar zuletzt noch ihre Preise, um ihre Anteile auf dem Weltmarkt zu verteidigen. Billiges Rohöl macht auch Kraftstoffe und Haushaltsenergie günstiger - und Energie hat bei der Berechnung der Inflationsrate großes Gewicht.

Was ist eigentlich so schlecht daran, dass die Preise fallen?
Sinken die Preise auf breiter Front, könnte das Verbraucher und Unternehmen dazu verleiten, Anschaffungen und Investitionen aufzuschieben - denn es könnte ja bald noch billiger werden. Das könnte die ohnehin lahmende Konjunktur abwürgen.

Wie akut ist die Deflationsgefahr?
Ökonomen streiten darüber, ob tatsächlich eine Abwärtsspirale aus rückläufigen Preisen und schrumpfender Wirtschaft droht. Je nachdem, von welcher Seite des Atlantiks die Lage analysiert wird, fällt das Urteil höchst unterschiedlich aus. „Das Deflationsrisiko in der Eurozone ist erheblich“, sagte der Chefökonom der US-Investmentbank Goldman Sachs, Jan Hatzius, der „Wirtschaftswoche“: „Es ist nicht mehr ausgeschlossen, dass es auf breiter Front zu sinkenden Preisen kommen könnte.“ Dagegen betont der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau: „Es gibt keine Gefahr einer Deflation. Es gibt die Gefahr niedriger Inflationsraten.“

Sind sinkende Ölpreise nicht im Grunde gut für Verbraucher?
Doch. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, vergleicht die Ölpreisentwicklung gar mit „einer enormen Steuersenkung“ für alle, die Energie nutzen: „Dank niedrigerer Energiepreise haben Verbraucher mehr Geld, das sie für andere Dinge ausgeben können.“ Die so gewonnene Kaufkraft und die Ersparnisse der Unternehmen könnten die Wirtschaftsleistung im Euroraum steigern. Bundesbank-Chef Jens Weidmann sagte, die gesunkenen Ölpreise wirkten „über die Entlastung der Lebenshaltungskosten der Haushalte und der Produktionskosten der Unternehmen wie ein kleines Konjunkturprogramm“.

Wie geht es bei der Teuerung weiter?
Die Prognosen sind eindeutig: Das EZB-Ziel einer Jahresteuerung von knapp 2,0 Prozent wird auf Jahre nicht wieder erreicht werden. Für Deutschland erwartet die Bundesbank, dass die Inflation wegen spürbarer Lohnerhöhungen und der Einführung des Mindestlohns im kommenden Jahr auf 1,1 Prozent steigen wird. Vorrübergehend dürfte der Einbruch der Ölpreise aber für noch weniger Preisdruck sorgen. Die Commerzbank erwartet, dass diese Entwicklung die Inflationsrate im Euroraum im Dezember auf minus 0,1 Prozent drücken und danach noch etwas weiter fallen lassen wird. Das bestätigt auch der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Peter Praet: Der starke Rückgang der Ölpreise könne die Inflation in den kommenden Monaten in den negativen Bereich drücken.

Was kann die Geldpolitik tun?
EZB-Präsident Mario Draghi hat angekündigt, die Notenbank werde sich mit aller Macht gegen einen Preisverfall stemmen. Die Vorbereitungen für neue Anti-Krisen-Maßnahmen seien fortgeschritten, breit angelegte Staatsanleihenkäufe möglich. Damit würde die EZB zusätzliches Geld ins Bankensystem schleusen, das die Institute anderweitig - etwa in Form neuer Kredite - verwenden könnten. Das soll die Konjunktur in Schwung bringen. Ob das gelingt, ist umstritten. „Sicher ist nur, dass der Euro weiter fallen würde“, sagt ING-Diba-Ökonom Carsten Brzeski. So würden europäische Exporte auf den Weltmärkten günstiger - während teurere Importe die Inflationsrate erhöhen könnten.

dpa

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