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Niedersachsen Agentur-Chef Klaus Stietenroth geht in den Ruhestand
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Agentur-Chef Klaus Stietenroth geht in den Ruhestand
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21:41 21.12.2016
Von Lars Ruzic
„Eine irre Entwicklung“: Als Klaus Stietenroth seinen Posten übernahm, lag die Arbeitslosenquote bei fast 10 Prozent. Heute: 6 Prozent.  Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Es begann schon beim Titel. Als Klaus Stietenroth 2004 seinen Job in Hannover antrat, durfte er sich nicht mehr wie seine Vorgänger ebenso schlicht wie eindrucksvoll „Präsident des Landesarbeitsamts“ nennen. Schließlich war die Behörde mit der dritten Stufe der Hartz-Gesetze gerade zur „Agentur“ umgeflaggt worden. Die Jobsuchenden sollten fortan mehr als Kunden, denn als Bittsteller angesehen werden. Für Stietenroth hieß das vor allem eines: Er bekam die wohl sperrigste Jobbezeichnung, die man sich vorstellen kann: Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen bei der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Das sollte jedoch die einzig nennenswerte Verschlechterung bleiben, die der Jurist in den folgenden zwölf Jahren erleben musste. Wohl kaum eine Behörde hat in dieser Zeit einen derart rasanten Wandel ihrer Rahmenbedingungen zum Positiven erlebt wie die BA. Als Stietenroth von der Spitze des Celler Arbeitsamts nach Hannover kam, zählte Niedersachsen 376.000 Arbeitslose - eine Quote von fast 10 Prozent. Heute sind es noch gut 250.000 und 6 Prozent. „Eine irre Entwicklung, die ich mich damals nicht getraut hätte vorherzusagen“, räumt er offen ein.

Ein Fünftel mehr Beschäftigte

Das ist natürlich nicht der Erfolg eines Verwaltungsmanagers - sondern Folge der Flexibilisierung am Arbeitsmarkt und einer zumindest langfristig guten wirtschaftlichen Entwicklung. Die Zahl der Beschäftigten in Niedersachsen liegt heute um ein Fünftel höher als vor zwölf Jahren. „In einigen Regionen - etwa im Westen des Landes - haben wir heute fast Vollbeschäftigung“, meint er. Kein schlechter Zeitpunkt, um in den Ruhestand zu gehen. Stietenroth, 63, tut dies zum Jahresende. Seinen Job übernimmt Bärbel Höltzen-Schoh, bislang an der Spitze der hannoverschen Agentur.

Trotz der guten Lage am Arbeitsmarkt werde den 10.000 BA-Beschäftigten in Niedersachsen, als deren Fachaufsicht die Regionaldirektion am hannoverschen Pferdeturm fungiert, die Arbeit nicht ausgehen, ist sich Stietenroth sicher. „Die Arbeitslosenstatistik zeigt ja nicht, dass pro Monat 60.000 hinzukommen und 60.000 gehen.“

Außerdem werde die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft auch die Arbeitswelt verändern. Unlängst hat der gebürtige Göttinger eine Studie vorgestellt, wonach bei gut einer Million Jobs im Land theoretisch mehr als die Hälfte der Aufgaben digitalisiert oder automatisiert werden könnten. Gleichzeitig dürften viele komplett neue Jobs entstehen - jedoch eher für Höherqualifizierte.

Das droht die Kompetenzschere am Arbeitsmarkt noch weiter auseinanderzutreiben. Ohne Ausbildung habe man schon heute keine Chance am Arbeitsmarkt, „das wird in Zukunft noch schwerer“. Stietenroth sieht das an seinen gut 100.000 Langzeitarbeitslosen im Land, deren Zahl „wie gesetzt zu sein scheint“. Oberste Priorität müsse hier haben, einen weiteren Zulauf zu verhindern. Durch möglichst frühe Identifikation von Problemfällen in der Schule, durch Weiterbildung der Betroffenen. Hier gebe es schon erste Erfolge allein dadurch, dass man diese Zielgruppe viel stärker ins Visier genommen habe.

Für sich selbst hat der Jurist nun einen harten Schnitt geplant. Nach mehr als 30 Jahren im BA-Management sei es an der Zeit für mehr Privatleben, sagt er. Deshalb geht Stietenroth auch zwei Jahre vor dem regulären Renteneintritt - „eine rein egoistische Entscheidung“, wie er einräumt. Wann aber sollte man egoistisch sein, wenn nicht bei der eigenen Lebensplanung?

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