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Niedersachsen Auch eine kleine Bank muss die Finanzkrise ausbaden
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Auch eine kleine Bank muss die Finanzkrise ausbaden
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06:51 27.12.2016
Von Albrecht Scheuermann
40 Angestellte, 4000 Kunden - und die Bank mitten im Dorf: Frank Hahn und Markus Heumann in Neustadt-Hagen. Foto: Körner Quelle: (Alexander Körner)
Hannover

In Hagen hat man nicht nur die Kirche im Dorf gelassen, sondern auch die Bank. Mittendrin, zwischen backsteingemauerten Höfen, in denen heute oft gar keine Landwirtschaft mehr betrieben wird, ist die Raiffeisen-Volksbank Neustadt eG zu Hause. Es gibt sie seit 1920 - und immer noch ist sie die erste Adresse für viele Bauern, Gewerbetreibende und Einwohner des Mühlenfelder Landes, wie die idyllische Gegend rund um Hagen heißt, die zur Stadt Neustadt am Rübenberge gehört.

Bis ins letzte Dorf spürbar

Doch auch in dem schon 1160 erstmals urkundlich erwähnten Dorf ist die Bankenwelt heute nicht mehr in Ordnung. „Das ist absolut irre“, stöhnt Bankchef Frank Hahn. Er meint die zahllosen neuen Vorschriften, die ihm und seinen Kollegen das Leben immer schwerer machen. Die verschärfte Bankenregulierung nimmt in Kombination mit dem Zinstief nicht nur die großen Bankkonzerne in die Zange, die Folgen spürt man noch im letzten Dorf. Deshalb sagen Branchenkenner das Ende von kleinen Instituten wie in Hagen voraus. Hahn würde öffentlich niemals Zweifel am Fortbestand seiner Bank äußern. Aber dass es immer schwerer wird, räumt er ein.

Die Auswirkungen der Niedrigzinsen würden mittel- bis langfristig insbesondere die kleinen und mittelgroßen Institute treffen, sagte kürzlich Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret. „Bei der Ertragskraft der Banken steht die Ampel auf Dunkelgelb mit der Gefahr, auf Rot umzuschalten.“

Gemeint sind damit Häuser wie in Hagen. Mit etwa 95 Millionen Euro Bilanzsumme ist die Bank die kleinste in der Region Hannover und weit darüber hinaus - und stand Ende 2015 unter den 1019 Genossenschaftsbanken in ganz Deutschland auf dem 904. Platz. Etwa 40 Angestellte kümmern sich in fünf Zweigstellen um rund 4000 Kunden, darunter 1800 Mitglieder. Der Chef muss hier noch mitarbeiten - und sich um die Probleme der Kundschaft kümmern. „Wenn ein Geldautomat die Karte eines Kundes verschluckt hat und er gerade in Urlaub fahren will, ruft er auch mal bei mir zu Hause an.“

Bei der Bank gibt es keine „Vertreterversammlung“, sondern eine „Generalversammlung“ - das heißt, dass wirklich jedes Mitglied einmal im Jahr in den Durchfahrtsbereich der Kartoffelhalle eingeladen ist, wo die Versammlung immer stattfindet.

Papierkram kostet mehr Zeit

Das ist wie früher, aber das Geschäft wandelt sich. Das hängt mit neuer Technik zusammen, mindestens ebenso sehr aber mit der Politik der Europäischen Zentralbank. Nach dem Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 hat sie an Macht gewonnen - und das bekommen alle Banken zu spüren, egal ob groß oder klein. Einerseits macht ihnen die Null- und Negativzinspolitik das Geldverdienen immer schwerer, andererseits nimmt sie die Notenbank, zusammen mit den nationalen Behörden für die Bankenaufsicht zuständig, immer stärker in die Zange.

Von einem „Regulierungstsunami“ spricht Hahn. Eine Folge: Immer mehr Arbeitszeit geht für Verwaltung und Papierkram drauf, immer weniger Zeit bleibt für die Kunden. Dass bei den Großbanken durchgegriffen wird, findet er richtig. Aber dass es die kleinen Banken so trifft, kann er nicht verstehen. „Wir haben an der Finanzkrise nicht teilgenommen, müssen aber die Folgen tragen.“

Dazu gehören Prüfungen, die die Bank selbst bezahlen muss, umfangreiche Berichts- und Meldepflichten und Vorschriften, die den Verbraucher schützen sollen, aber eher zu Verwirrung und Verdruss führen. Auch der Ansehensverlust des Berufes mindert die Freude an der Arbeit. „Alles böse Banker, alles Verbrecher - ich weiß nicht, wie sich meine Mitarbeiter fühlen, wenn abends im Fernsehen dieses Bild verbreitet wird.“

Eine Besonderheit kommt der Minibank jetzt aber womöglich zugute. Sie gehört zu den Kreditgenossenschaften auf dem Lande, die auch noch mit Getreide, Dünger oder Diesel handeln. Sie ist an einer Biogasanlage beteiligt, betreibt zwei Tankstellen und einen Gartenmarkt. Fast 10 Millionen Euro Umsatz machte die Bank vergangenes Jahr mit diesem Warengeschäft. Doch wie erklärt man das einem Aufseher der Europäischen Zentralbank?

Für die Bank in Hagen ist das kein Grund, damit aufzuhören. „Bank und Ware bleiben zusammen“, beteuert Hahn. Dieses Standbein könnte künftig sogar noch wichtiger werden, wenn im Bankgeschäft der Gewinn weiter schrumpft.

Kein Spaß, aber Jammern hilft auch nicht

„Ob groß oder klein – alle Sparkassen stehen vor den gleichen Herausforderungen.“ So sieht Britta Sander, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Barsinghausen, die Lage. Das Institut am Deister gehört mit gut 300 Millionen Euro Bilanzsumme, etwa hundert Mitarbeitern und vier Zweigstellen zu den kleinsten der etwas mehr als 400 Sparkassen in Deutschland, in Niedersachsen ist nur die Stadtsparkasse Bad Sachsa kleiner. „Spaß macht das nicht“, meint die Bankerin mit Blick auf die heutigen Marktbedingungen. Aber Jammern helfe auch nicht.
Als „solide und bodenständig“ beschreibt Vorstandschef Reinhard Meyer das Haus in Barsinghausen, zugleich sei es „schlank und flexibel“ – ein entscheidender Vorteil gegenüber den Großen. Daher gibt man sich in Barsinghausen zuversichtlich, trotz sinkender Erträge weiter selbstständig über die Runden zu kommen. Das ist auch für die Stadt Barsinghausen wichtig. Schließlich ist die Sparkasse dort wichtiger Arbeitgeber und Partner der Kommunalpolitik.
Die Sparkasse profitiert laut Meyer noch davon, dass sie in den guten Jahren bis 2013 ordentlich Reserven bilden konnte. Klar ist aber, dass jetzt die Kosten runter müssen. Deshalb sollen frei werdende Stellen nicht mehr besetzt werden. Und die Stadt Barsinghausen wird weiterhin auf eine Gewinnabführung verzichten müssen – aber das ist schon länger so. ash

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