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Niedersachsen Programmierer-Mangel bremst niedersächsische Start-ups
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00:34 16.06.2018
Julian Glaab und Johannes Riedel haben mit "Aipark" den Cebit-Innovationspreis abgeräumt. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Für Julian Glaab und seine Mitgründer vom Start-up Aipark hätten die vergangenen Monate kaum besser laufen können. Zuerst wurden sie in ein neues Gründerzentrum in ihrer Heimatstadt Braunschweig aufgenommen. Und am Montag gewann ihre Internet-Plattform für die Parkplatz-Suche den wichtigsten Gründerpreis der Cebit. Der „Innovation Award“ bringt ihnen nun 100.000 Euro Preisgeld plus viel Aufmerksamkeit von potenziellen Investoren. „Die Technologie von Aipark schont nicht nur die Nerven von Autofahrern, sondern auch die Umwelt“, lobte Bundesbildungsministern Anja Karliczek (CDU). Ein riesiger Erfolg für die Gründer und den Start-up-Standort Niedersachsen.

Es fehlen die Fachkräfte

Doch Aipark ist noch lange nicht am Ziel. „Wir müssen unseren Speed aufrecht erhalten“, sagt Julian Glaab am Tag nach der Preisverleihung an seinem winzigen Stand in der Start-up-Halle der Cebit. Die Braunschweiger müssen schnell wachsen und den Markt besetzen, bevor jemand anders das tut. Doch bei der Suche nach Verstärkung tun sie sich schwer. „Wir haben seit zwei Monaten vier Stellen ausgeschrieben, aber noch keine guten Rückmeldungen“, sagt Glaab. Das habe wohl auch mit einem „Corporate um die Ecke“ zu tun, „das die Leute wegfischt“. Damit meint er wohl den Autoriesen VW, der ebenfalls händeringend Software-Entwickler sucht und deutlich höhere Gehälter zahlen kann als ein Start-up. Bislang besteht das Aipark-Team aus gerade mal sieben Leuten.

CEBIT, Start-Ups auf der Cebit: Dean Ciric / Fabmaker. Quelle: Katrin Kutter

„Es ist sehr schwer, Entwickler für Soft- und Hardware zu finden“, sagt auch Tobias Betz vom hannoverschen Start-up Smavoo, ein paar Stände weiter in der Halle. „Das ist ein schwieriger Punkt, was das Wachstum angeht.“ Er würde sogar erwägen, die Region zu verlassen oder einen zweiten Standort aufzumachen, wenn sich die Lage nicht bessert. An den hannoverschen Hochschulen werden einfach nicht genügend Software-Entwickler ausgebildet, meint Betz. Für Tim Rademacher von der hannoverschen Wissenswerft GmbH ist die Entwicklersuche ebenfalls ein „schwieriges Thema“. Seine Firma beauftragt deshalb mittlerweile externe Programmierer-Teams in Rumänien und Weißrussland.

CEBIT, Start-Ups auf der Cebit: Rouven Wiegard und Tobias Netz (Brille) von SMAVOO. Quelle: Katrin Kutter

Die Berichte der Unternehmer erinnern an das hannoversche Start-up Peat: Es gewann im vergangenen Jahr den Innovation Award, tat sich aber schwer, in der Heimat genügend Software-Experten zu finden. Mittlerweile ist Peat nach Berlin gezogen.

Alle wollen den großen Durchbruch

Mittelständler und Konzerne klagen zwar genauso über das Nachwuchsproblem. Auch sie werden dadurch gebremst. Doch bei den Start-ups geht es um mehr: Die meisten verdienen noch kein Geld und müssen wachsen, um den „Break Even“ zu schaffen und Investoren bei Laune zu halten. Bei Internet-Plattformen wie Aipark gilt obendrein das Prinzip des „Winner takes it all“. Am Ende kann sich zwangsläufig nur ein Anbieter durchsetzen, der fast den ganzen Markt abdeckt – wie bei Flixbus oder Airbnb. Niemand will die zweitbeste Parkplatz-App, wenn er die beste haben kann.

CEBIT, Start-Ups auf der Cebit: Julian Glaab und Johannes Riedel haben mit "Airwalk" den diesjährigen Innovationspreis abgeräumt. Quelle: Katrin Kutter

Abgesehen von den Rekrutierungssorgen zeigen die Start-ups sich jedoch zufrieden mit dem Standort Niedersachsen. Jedes Jahr kommen neue hinzu und vernetzen sich. Die Studie „Start-up-Monitor“ zählte vor zwei Jahren 84 Start-ups in Niedersachsen, 2017 waren es schon 110.

Außerdem loben die Gründer die Landesregierung für ihre Förderprogramme. Seit Kurzem gibt es neue Start-up-Zentren in Hannover, Braunschweig und weiteren Städten. Angeschoben hatte das Olaf Lies (SPD), der Vorgänger des aktuellen Wirtschaftsministers Bernd Althusmann (CDU). Althusmann selbst kündigte vor Kurzem noch einmal deutlich mehr Geld für Start-ups an. 25 Millionen Euro will er als Beteiligungskapital bereitstellen, mit dem die staatliche Nbank vielversprechenden Gründern helfen soll.

Diese Unternehmer suchen Investoren

Die „Alles unter Kontrolle“-Männer: Rouven Wiegard und Tobias Betz vom hannoverschen Start-up Smavoo entwickeln Sensoren und Software für die Überwachung von Lieferketten in der Industrie. Unternehmen sollen so zum Beispiel den Überblick behalten, wann welche Teile zur Neige gehen und nachbestellt werden müssen. Mit den aktuellen Kundenaufträgen könne sich das Fünf-Mitarbeiter-Team finanzieren, erklärt Betz. Für das weitere Wachstum wäre aber Hilfe durch einen Investor sinnvoll. Die Förderprogramme für Start-ups in Hannover lobt er: „Die Aktivitäten starten alle hier in der Landeshauptstadt.“ Da die Zahl der Start-ups geringer ist als zum Beispiel in Berlin oder Hamburg, erhalte man relativ viel Aufmerksamkeit. Allerdings leide Smavoo unter dem Mangel an Hard- und Softwareexperten – wie viele andere Start-ups in Niedersachsen.

Die Parkplatz-Finder: Julian Glaab und Johannes Riedel vom Start-up Aipark aus Braunschweig wollen ein Problem lösen, das viele Großstadtbewohner nervt: die Parkplatzsuche. Die App der Jungunternehmer, für die sie auf der Cebit mit dem Innovation Award ausgezeichnet wurden, zeigt Autofahrern in 140 deutschen Städten, wo sie die besten Chancen haben, einen Parkplatz zu finden. Die Prognosen beruhen auf Daten, die Sensoren auf Parkplätzen liefern, aber auch auf weiteren Faktoren wie dem aktuellen Verkehrsfluss. Und natürlich auf Erfahrung. „Der Großteil des Autoverkehrs ist zyklisch“, sagt Glaab. Die „Parking-Cloud“ von Aipark soll zur zentralen Anlaufstelle für die Parkplatzsuche werden und auch Partnern offenstehen, zum Beispiel Autoherstellern.

Der Lern-Helfer: Dean Ćirić will Schüler und Azubis fit für die Arbeitswelt der Zukunft machen. Sein Start-up Fabmaker aus Braunschweig entwickelt spezielle 3-D-Drucker für Schulen und passende Bildungskonzepte. Schüler lernen so zum Beispiel den Weg von der Skizze auf Papier über das 3-D-Modell im Computer bis zum gedruckten Objekt. „Allein mit smarten Tafeln und Speicherplatz in der Cloud vermitteln Schulen keine digitalen Kompetenzen“, sagt Ćirić. Fabmaker profitiere von der engen Zusammenarbeit mit der TU Braunschweig und den vielen Messen in Hannover, zum Beispiel der Didacta. Kompliziert sei es jedoch, Kapital für das weitere Wachstum zu finden. „Bei siebenstelligen Beträgen wird es extrem schwierig“, sagt Ćirić. „Die Investorenmentalität ist hier einfach anders als zum Beispiel in den USA.“

Von Christian Wölbert

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