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Niedersachsen Conti darf Veyance unter Auflagen übernehmen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Conti darf Veyance unter Auflagen übernehmen
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21:06 12.12.2014
Von Lars Ruzic
Die Übernahme lässt sich Continental 1,9 Milliarden Dollar kosten. Quelle: dpa
Hannover

Die Hannoveraner müssen ein Veyance-Luftfederwerk mit 500 Mitarbeitern im mexikanischen San Louis Potosi verkaufen. Ohne diesen Schritt hätte es nach der Fusion von Veyance und der Conti-Tochter ContiTech in den USA nur noch zwei namhafte Anbieter von Luftfedersystemen für die Nutzfahrzeug- und Bahnindustrie gegeben - ein solches Duopol wollen die Kartellbehörden vermeiden.

ContiTech-Chef Heinz-Gerhard Wente bedauerte gestern die Entscheidung, versprach aber gleichzeitig „schnellstmöglich“ einen Käufer für das Werk zu finden, das in San Louis Potosi übrigens direkt gegenüber einem mehr als doppelt so großen Conti-Standort steht. Mit dem Verkauf muss ContiTech auf einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro verzichten - 4 Prozent der Jahreserlöse von Veyance. Neben Schläuchen und Transportbändern sind die Luftfedern ein wichtiges Geschäftsfeld für beide Fusionspartner. ContiTech entwickelt und produziert die Systeme in Hannover - wo rund 600 Mitarbeiter damit beschäftigt sind.

Fusion wohl erst im kommenden Jahr

In vielen Bereichen ergänzen sich die Geschäfte regional sehr gut, weshalb bislang sonst keine Kartellbehörde Auflagen für die Fusion gemacht hat. ContiTech ist vor allem in Europa, Veyance in Nord- und Südamerika stark. Gleichwohl liegen auch zehn Monate nach der Absichtserklärung noch immer nicht alle Genehmigungen vor. Brasilien, Mexiko und Chile prüfen immer noch. Der Vollzug der Fusion dürfte sich deshalb spürbar ins kommende Jahr verschieben. Ursprünglich hatte Wente auf einen Abschluss im Herbst gehofft. „Wir werden alles tun, um die Behörden bei einer schnellen Entscheidungsfindung zu unterstützen, um für unsere Kunden und Mitarbeiter eine klare Situation zu schaffen“, sagte er.

Mit dem Zukauf wächst ContiTech um mehr als ein Drittel auf 5,4 Milliarden Euro Umsatz und gut 40 000 Mitarbeiter, gut 3000 davon in Hannover. Weil Veyance - einst eine Abspaltung des Conti-Konkurrenten Goodyear - gut 90 Prozent seines Umsatzes mit Industriekunden erwirtschaftet, kann ContiTech seine Abhängigkeit von den Autoherstellern verringern und konjunkturelle Schwankungen leichter ausgleichen.

Die Übernahme lässt sich der Mutterkonzern Continental 1,9 Milliarden Dollar kosten. Das Geld an den aktuellen Veyance-Eigentümer - den Finanzinvestor Carlyle, mit dem Conti im Februar handelseinig geworden war - fließt erst bei Abschluss des Geschäfts. Schon jetzt ist der Zukauf für die Hannoveraner 100 Millionen Euro teurer geworden, weil der Dollar vor zehn Monaten im Vergleich zur europäischen Währung noch wesentlich schwächer notiert hatte.

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