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Niedersachsen Deutsche Wirtschaft braucht jährlich 260 000 Einwanderer
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21:56 12.02.2019
Weil immer weniger Fachkräfte aus EU-Ländern nach Deutschland kommen, werden Einwanderer aus anderen Ländern für die Betriebe immer wichtiger. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Gütersloh/Hannover

Der deutsche Arbeitsmarkt braucht laut einer neuen Studie langfristig jedes Jahr mindestens 260 000 Zuwanderer. Migranten aus Nicht-EU-Ländern werden dabei immer wichtiger, ergab die von der Bertelsmann-Stiftung beauftragte Untersuchung. „Deutschland braucht Fachkräfte, auch aus Regionen außerhalb Europas“, sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger am Dienstag in Gütersloh.

Laut den Berechnungen würde die Zahl der Arbeitskräfte in Deutschland ohne Zuwanderung bis 2060 um ein Drittel auf 31 Millionen schrumpfen. Um den Bedarf der Wirtschaft „gerade so“ zu decken, müssten jedes Jahr 260 000 Migranten nach Deutschland ziehen, schreiben die Experten der Hochschule Coburg und des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, die die Studie durchgeführt haben.

Deutschland wird für EU-Bürger unattraktiver

Sie erwarten künftig allerdings weniger Einwanderung aus der EU. In Europa nähere sich die Wirtschaftskraft an – daher sinke der Reiz, einen Job in Deutschland zu suchen. Folglich würden Menschen aus anderen Staaten wichtiger. Bis 2035 brauche der Arbeitsmarkt jährlich fast 98 000 Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern. Bis 2060 steige diese Zahl auf knapp 200 000. Der Rest müsse aus EU-Staaten kommen.

„Heute wandern noch viel zu wenig Fachkräfte aus Drittstaaten ein“, sagte Dräger. Laut der Studie kamen 2017 rund 60 000 Menschen von außerhalb der EU zum Arbeiten nach Deutschland. Davon waren fast 23 000 ohne Berufsausbildung. „Hinsichtlich der Qualifikation der Migranten wäre also noch einiges zu leisten“, schreiben die Autoren.

Wirtschaft fordert Zuwanderungsgesetz

Wirtschaftsverbände fordern seit Jahren ein Zuwanderungsgesetz, um qualifizierte Menschen anzulocken. Ende 2018 verabschiedete die Bundesregierung einen entsprechenden Entwurf. Er soll es Menschen mit Berufsausbildung ermöglichen, in Deutschland Arbeit zu suchen. Außerdem sollen Firmen nicht mehr prüfen müssen, ob stattdessen ein EU-Bürger den Job übernehmen kann. In Kraft treten soll das Gesetz 2020. „Ein neues Gesetz alleine reicht nicht“, betonte Dräger. Deutschland brauche eine „anhaltende Willkommenskultur und attraktive Integrationsangebote“.

Niedersächsische Betriebe: Einwanderern Perspektiven bieten

Von der HAZ befragte Unternehmen betonten die Bedeutung der Zuwanderung. „Es ist wichtig, Einwanderern mit Fachwissen und Karriereabsicht eine Perspektive in Deutschland zu bieten“, sagte Daniel Sennheiser, Ko-Chef des Elektronikherstellers Sennheiser. Nötig seien Willkommenskultur und klare Kriterien, damit Experten aus gefragten Bereichen wie Softwareentwicklung leichter kommen könnten.

„Auch wir erleben den Fachkräftemangel als wachstumshemmend“, sagte Alexander Walter, Personalleiter der Jäger Gruppe aus Hannover, einem Hersteller von Gummi- und Kunststoffkomponenten. Man habe zwar auch sehr positive Erfahrungen bei der Ausbildung von Flüchtlingen gemacht. Den Bedarf an Akademikern werde man auf diese Weise aber voraussichtlich nicht decken können.

Von Yuriko Wahl-Immel und Christian Wölbert

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