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Niedersachsen Die Rückkehr der Pelikan AG
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Die Rückkehr der Pelikan AG
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07:05 19.12.2014
Von Lars Ruzic
Das komplette Geschäft von Pelikan wird in die börsennotierte Herlitz AG eingebracht, die derzeit nur noch eine Hülle ist. Quelle: Archivbild
Hannover

Die Frage, womit die Verträge unterzeichnet wurden, ist in diesem Fall rein rhetorisch. Mit einem „Ductus“ vielleicht, einem „Majesty“ oder einem „Souverän“. Es gibt bis heute genügend Premiumfüller, die Pelikan für die wirklich wichtigen Momente im (Wirtschafts-)Leben vorhält. Heute ist in der 176-jährigen, äußerst wechselvollen Geschichte des hannoverschen Traditionshauses wieder ein solcher Augenblick. Ein Aktionärstreffen in Berlin wird über die Verschmelzung der Papier-, Büro- und Schreibwarenhersteller Herlitz und Pelikan abstimmen und den Weg für eine neue Pelikan AG ebnen - mit Sitz in Deutschland und notiert an der Frankfurter Börse.

Bereits am Mittwoch hat der Großaktionär beider Firmen den Weg dafür frei gemacht. Im fernen Malaysia stimmten die Anteilseigner der Pelikan International Corporation Berhad - kurz: PICB - für eine ungewöhnliche Maßnahme: Das komplette Geschäft von Pelikan wird in die börsennotierte Herlitz AG eingebracht, die derzeit nur noch eine Hülle ist. „Das ist ein weiterer Meilenstein für die Pelikan-Gruppe“, sagte Konzernchef Loo Hooi Keat. Schließlich komme man dem Ziel immer näher, die deutschen Geschäfte aus ihrer komplexen Struktur zu „befreien“.

An dieser Aufgabe arbeitet der Unternehmer schon fast 20 Jahre. 1996 übernahm Loo von Metro-Gründer Otto Beisheim ein zerfleddertes Unternehmen, das von einer Schweizer Holding gesteuert wurde und in Hannover Jahre des Aderlasses hinter sich hatte - Firmenverkäufe, Produktionsverlagerungen, Aufgabe der Firmenzentrale. Hannoverschen Schülern, die heute durch das Pelikan-Viertel im Stadtteil List ziehen, müssen ihre Eltern erst einmal erklären, dass ihr „Pelikano“ hier einst vom Band lief.

Der Millionär aus Malaysia hat inzwischen viel bewegt. Die zwischenzeitlich verkaufte Schwester Geha holte er 2007 zurück in den Konzern, 2010 stieg er bei Herlitz ein. Zusammen sollen die beiden Firmen einen europäischen Champion der Papier-, Büro-, und Schreibwarenbranche bilden - mit den vier Marken Pelikan, Geha, Herlitz und Susycard unter einem Dach und rund 250 Millionen Euro Gesamtumsatz.

Anfangs war das leichter gesagt als getan. Loo hat bis heute nicht die Mehrheiten, um bei Herlitz durchzuregieren - seiner PICB gehören lediglich 71 Prozent der Anteile. Synergien ließen sich so nur bedingt heben. Im Wesentlichen beschränkte sich die Zusammenarbeit zunächst darauf, das die einst von Herlitz überdimensioniert geplante Logistik in Falkensee bei Berlin fortan auch die Waren von Pelikan verteilte. Das kostete in Hannover zwar 100 Arbeitsplätze bei einem Spediteur, brachte aber längst nicht die gewünschten Synergieeffekte.

Am Ende behalf man sich juristischer Winkelzüge, um ans Ziel zu kommen. Nach dem Prinzip „linke Tasche, rechte Tasche“ verkaufte die PICB-Tochter Herlitz im Frühjahr 2014 quasi ihr gesamtes operatives Geschäft an die PICB-Tochter Pelikan Holding in der Schweiz. Damit war der Weg frei für die Restrukturierung des deutschen Geschäfts, das im Konzern bis heute für die Hälfte des Umsatzes steht. Doppelzuständigkeiten wurden gestrichen, Stellen abgebaut. „Nach der Zusammenführung haben wir einzelne Funktionen konsolidiert“, sagt Torsten Jahn, Geschäftsführer der Pelikan Vertriebsgesellschaft.

Der Manager steuert den Vertrieb von Hannover aus. „Der Standort hat im Konzern eine wichtige Rolle, und das wird auch so bleiben“, betont Jahn. Hannover soll administrative Aufgaben und die Kundenbetreuung übernehmen, die künftige Konzernzentrale in Falkensee eher die logischen Funktionen. Beide Standorte wurden aber bereits ausgedünnt. In einem Interessenausgleich einigten sich Unternehmen und IG BCE auf den Abbau von rund 50 Stellen in Falkensee und Hannover - wobei die Mannschaft an der Leine lediglich um 15 auf 125 Beschäftigte schrumpfte. Das Pelikan-Werk in Peine-Vöhrum mit seinen rund 300 Beschäftigten, wo bis heute vom Tuschkasten bis zum Edelfüller fast alle Produkte der Marke gefertigt werden, blieb davon unbehelligt.

Der heutige Beschluss sei für das operative Geschäft von geringer Bedeutung, sagt Jahn. Allerdings soll er auch frisches Geld bringen: Die Aktionäre sollen auch eine Kapitalerhöhung im Umfang von fast 33 Millionen Euro durchwinken. Geht es nach Loos Plänen, dann kommt die neue Pelikan AG nach allen Kapitalmaßnahmen auf ein Grundkapital von 275 Millionen Euro - wovon dann gut 87 Prozent auf den malaysischen Großinvestor entfallen würden.

Das frische Geld soll für die Entwicklung neuer Produkte und die Erschließung neuer Märkte genutzt werden. Sowohl bei Wachstum als auch bei der Profitabilität besteht noch Nachholbedarf, wie ein Blick auf die Neunmonatszahlen von PICB verdeutlicht: Der Umsatz des malaysischen Mutterkonzern schrumpfte um 2 Prozent auf 262 Millionen Euro. Unterm Strich verblieb ein Gewinn von gerade 2,3 Millionen Euro.

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