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Niedersachsen Kaum Mittel gegen massenhafte Krankmeldungen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kaum Mittel gegen massenhafte Krankmeldungen
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14:03 06.10.2016
Fast die Hälfte seiner Flüge musste Tuifly am Donnerstag wegen zahlreicher Crew-Krankmeldugen streichen. Quelle: dpa
Hannover

Was steht hinter den massenhaften Krankmeldungen von Crew-Mitgliedern bei der Fluggesellschaft Tuifly? Das Unternehmen selbst hat nach Einschätzung des Berliner Arbeitsrechtlers Prof. Robert von Steinau-Steinrück kaum Möglichkeiten, die Krankmeldungen der Beschäftigten zu hinterfragen oder ihnen gar einen „wilden Streik“ gegen die geplanten Änderungen in ihrem Unternehmen nachzuweisen. „Kollektive Krankmeldungen unterhalb von drei Tagen sind ein extrem schlaues Teflon-Mittel, gegen das sich der Arbeitgeber kaum wehren kann“, sagte der Jurist der Deutschen Presse-Agentur. 

Falsche Krankmeldungen erfüllen dem Fachanwalt zufolge den Straftatbestand des Betruges, weil sich der Arbeitnehmer den Anspruch auf Entgeltfortzahlung erschwindelt. Angst vor der Entdeckung muss ein Simulant allerdings kaum haben, denn der Arbeitgeber habe kaum Möglichkeiten zu beweisen, dass der Arbeitnehmer nicht krank war. In aller Regel muss dieser nur unverzüglich sein Unternehmen über die Krankheit informieren, ein Attest ist erst nach drei Kalendertagen gesetzlich vorgeschrieben.  

Atteste haben hohen Beweiswert

Der Arbeitgeber kann aber im Einzelfall von Arbeitnehmern verlangen, bei darauffolgenden Krankheitsfällen schon ab dem ersten Tag eine ärztliche Bescheinigung zu bringen, weist der Jurist auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts hin. Rückwirkend sei dies aber nicht möglich. Gleichwohl würde er betroffenen Firmen empfehlen, künftig auf sofortige Atteste zu bestehen.  

Liegt erst einmal eine ärztliche Bescheinigung der Krankheit vor, ist der Arbeitnehmer endgültig auf der sicheren Seite. „Die Atteste haben schon einen sehr hohen Beweiswert“, sagt Steinrück. Wenig Erfolg verspreche die dann noch mögliche Überprüfung durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen. 

Zum Beweis eines wilden Streiks müsste dem Arbeitgeber schon beispielsweise ein schriftlicher Aufruf der Gewerkschaft zur kollektiven Krankmeldung in die Hände fallen - ein „rauchender Colt“. „Dann könnte man von der Gewerkschaft Schadenersatz fordern und gegen die Teilnehmer Kündigungen oder Abmahnungen aussprechen“, sagte der Arbeitsrechtler.

dpa

Massive Flugausfälle bei Tuifly und Air Berlin: Wegen zahlreicher Krankmeldungen hat Tuifly für den Partner Air Berlin nach dessen Angaben keinen einzigen Flug durchgeführt. 30 von 90 Flügen konnte Air Berlin trotzdem anbieten. Auch der Flughafen Hannover ist weiterhin betroffen.

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Mit deutlichen Worten fordert die niedersächsische Landesregierung vom Ferienflieger Tuifly ein klares Bekenntnis zum Erhalt des Unternehmenssitzes. „Weiche Formulierungen wie, man werde weiter am Standort Hannover operieren, reichen den Beschäftigten nicht aus“, kritisierte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Mittwoch.

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Nach einer kurzfristig einberufenen Mitarbeiterversammlung haben sich rund 50 Mitarbeiter von Tui­fly vor dem Unternehmensgelände in Langenhagen positioniert und ihren Sorgen Ausdruck verliehen. „Wir sind völlig alleingelassen“, kritisierte Birgit Hinrichs, die seit 39 Jahren als Flugbegleiterin bei Tuifly arbeitet.

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