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Niedersachsen Hinsch: „Wir sind kein Klüngelklub“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Hinsch: „Wir sind kein Klüngelklub“
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16:18 05.02.2019
IHK-Präsident Christian Hinsch weist die Kritik an mangelnder Transparenz zurück. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Unter den Mitgliedern der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover hat es zuletzt deutliches Gemurre über den Führungsstil der Kammer gegeben. Mangelnde Transparenz lautet einer der Vorwürfe, zuletzt wurde sogar die geplante Wahl eines neuen Hauptgeschäftsführers kurzfristig wieder von der Tagesordnung genommen. Trifft die Führungsebene der Kammer die wichtigen Entscheidungen wirklich im Hinterzimmer? Keineswegs, sagt IHK-Präsident Christian Hinsch und beteuert: Es gehe immer ums beste Ergebnis.

Teile der IHK-Mitglieder werfen Ihnen mangelnde Transparenz vor, Herr Hinsch. Ist die Kammer ein Klüngelclub?

Nein, das sind wir ganz sicher nicht. Man kann sich natürlich immer mehr Transparenz wünschen, aber im Großen und Ganzen haben wir in der Kammer hier keine Defizite – das sehen im übrigen auch die meisten unserer Mitglieder so.

Sie suchen einen neuen Haupt­geschäftsführer, weil der amtierende bald in Rente geht. Dem Vernehmen nach haben Sie bereits einen Nach­folger ausgeguckt – Mitglieder monieren, dass sie den Kandidaten nur noch „abnicken“ sollen ...

„Abnicken“ ist eine bewertende Betrachtungsweise, die ich nicht teile. Auch bei anderen Kammern ist es üblich, dass der Vollversammlung am Ende nur ein Kandidat zur Wahl vorgeschlagen wird. Entscheidend ist doch das Verfahren davor: Wir haben eine Findungskommission aus vier qualifizierten Mitgliedern mit großer Personalerfahrung gebildet und die Stelle öffentlich ausgeschrieben, um den besten Kandidaten zu finden – sei es extern oder intern.

Manche Mitglieder hätten lieber selbst einen Personalausschuss gewählt, statt die Suche einer vom Präsidium zusammengestellten Findungskommission anzuvertrauen.

Die Vollversammlung hat unsere Verfahrensweise einstimmig gebilligt. Wir hatten insgesamt 129 Bewerber, dieses Feld haben wir mithilfe eines Personalberaters immer weiter verengt – am Ende stand dann ein eindeutiges Votum für einen Kandidaten.

Wenn Sie an Ihrer Entscheidung keine Zweifel haben – warum haben Sie die Wahl des neuen Hauptgeschäftsführers noch einmal vertagt?

Wir hätten sicher besser daran getan, unsere Mitglieder bereits im Dezember darüber zu informieren, dass diese Wahl kurz bevorsteht und wie das Verfahren abläuft. Um diesen Bedenken Rechnung zu tragen und weil wir nicht unter Zeitdruck stehen, haben wir die Entscheidung noch einmal von der Tagesordnung genommen.

Kritik gibt es auch daran, dass Sie das Gehalt Ihres Hauptgeschäfts­führers geheim halten. Warum sollen bei der IHK andere Regeln gelten als bei Krankenkassen und Ärztekammern?

Als unser jetziger Hauptgeschäftsführer bestellt wurde, war die Vertraulichkeit Geschäftsgrundlage. Die Vollversammlung hat am Montag auf Vorschlag des Präsidiums beschlossen, dass wir uns daran halten, aber bei seinem Nachfolger die Jahresbezüge offenlegen werden.

Für Verdruss sorgt zudem, dass sich die Debatte über einen möglichen Neubau Ihrer Zentrale schon über Jahre hinzieht. Warum können Sie sich nicht entscheiden?

Das können wir schon – aber wir wollen am Ende die beste und kostengünstigste Lösung finden. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder revitalisieren wir das alte Gebäude oder wir bauen an anderer Stelle neu.

Im Jahresabschluss 2017 weist die IHK eine Baurücklage von rund 40  Millionen Euro aus. Werden Sie mit dem Geld auskommen?

Ja. Wir haben bereits beschlossen, grundsätzlich keine Kredite aufzunehmen. Laut einem Gutachten beläuft sich der Wert unserer derzeitigen Zentrale auf knapp 16 Millionen Euro. Uns stehen also insgesamt knapp 60 Millionen Euro zur Verfügung.

Gibt es schon eine Präferenz? Einer Ihrer Kritiker glaubt bereits zu wissen, dass Sie „aus Bequemlichkeit“ die teuerste Lösung wählen werden ...

Das ist natürlich Nonsens. Ein Neubau ist funktionaler und scheint kaum teurer als eine Revitalisierung am jetzigen Standort zu werden. Zudem müssten wir nur einmal umziehen und könnten uns die Suche nach einem zwischenzeitlichen Domizil während der Renovierung sparen. Aber in unserer Baukommission wir wägen noch ab – es geht darum, die ökonomisch beste Lösung zu finden.

Wann sollen denn mal Entscheidungen fallen?

Ideal wäre es, wenn wir bei der nächsten Vollversammlung im Mai einen neuen Hauptgeschäftsführer wählen und auch die Immobilienfrage klären könnten. Wir wollen noch in diesem Jahr die entsprechenden Verträge schließen.

Zur Person

Christian Hinsch saß schon länger im IHK-Präsidium, bevor er gebeten wurde, den Vorsitz des Gremiums zu übernehmen. Die Region und ihre Firmen kennt er bestens – nicht nur, weil er Hannoveraner ist, sondern weil er als HDI-Chef auch beruflich viel mit den IHK-Mitgliedern aus der Industrie zu tun hat. Hinsch hat Jura in Bielefeld und an der University of Michigan studiert, bevor er seine Karriere bei der Talanx-Tochter HDI startete. Seit 2000 ist er dort Konzernchef, seit 2009 zudem stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei Talanx. Der 63-Jährige ist verheiratet mit einer inzwischen pensionierten Richterin. Beide haben zwei Töchter und einen Sohn.

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