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Niedersachsen "Wir müssen die Marke Rossmann in China bekannt machen."
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen "Wir müssen die Marke Rossmann in China bekannt machen."
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20:03 21.05.2017
Interview mit Raoul Rossmann bei der Dirk Rossmann GmbH. Quelle: Samantha Franson

Herr Roßmann, Sie haben bereits mit 25 Jahren Verantwortung als Führungskraft übernommen. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Führung lernt man nicht in der Schule oder an der Uni. Wenn man Glück hat, sagen einem ehrliche Gesprächspartner, wie man auf andere Menschen wirkt. Dieses Glück hatte ich. Außerdem ist es wichtig, erst einmal zu verstehen, was man selbst möchte. Als Leiter des Non-Food brauchte ich zwei Jahre, bis ich ein Bild hatte, wo die Abteilung in Zukunft stehen soll. Mit der entsprechenden Erfahrung geht das schneller. Davon habe ich profitiert, als ich vor zwei Jahren die Geschäftsführung für Markeneinkauf, Online und Marketing übernahm.

Als Geschäftsführer können Sie die Arbeitskultur prägen. Was wollen Sie verändern?

Mir ist wichtig, dass alle Mitarbeiter mitdenken und nicht darauf warten, was der Vorgesetzte vorschlägt. Es wird mir noch zu wenig die Frage gestellt, was wir im äußersten Maß erreichen könnten.

Das wird von amerikanischen Internetkonzernen vorgelebt. Beeindruckt Sie deren Philosophie?

Die haben andere Bedingungen, nämlich einen viel größeren Markt und eine andere Risikokultur. Ich denke aber, wir können davon lernen. Die Grenzen des Möglichen sind weit von dem entfernt, was wir Tag für Tag erarbeiten. Jede Abteilung muss Ideen entwickeln, wie das Geschäft in ein paar Jahren aussehen könnte.

Ihre Strategie, Produkte online in China zu verkaufen, wirkt wie das perfekte Beispiel dafür.

Das war naheliegend. Erstens liefern andere Händler schon länger nach China - wir sind nur die ersten im Drogeriebereich. Zweitens sehen wir in unseren Filialen, dass Chinesen großes Interesse an bestimmten Produkten haben.

An welchen?

Online kaufen unsere asiatischen Kunden vor allem Milchpulver, außerdem unsere Eigenmarken im Bereich Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetik. Aber wichtiger sind die chinesischen Touristen, die in Deutschland einkaufen. Wir müssen die Marke Rossmann und unsere Eigenmarken in China bekannt machen, um so unser Filialgeschäft in Deutschland zu stärken.

In Deutschland fragt man sich, warum man bei Ihnen online kaufen sollte, bei Versandkosten von 4,95 Euro und zwei Tagen Lieferzeit.

Die Kalkulation ist online eine andere. Die 4,95 Euro helfen uns, das zu finanzieren. Ab Juni kann man sich den Online-Einkauf auch kostenlos in die Filiale liefern lassen.

Online ist also ein Zuschussgeschäft?

Wir verdienen kein Geld damit, haben aber vergangenes Jahr eine schwarze Null erreicht.

Wie kommen Sie da weiter?

Wir müssen zum Beispiel beim Thema Baby deutlich an Präsenz zulegen. Wer bei Google günstige Windeln sucht, findet uns nicht in den Top 5, aber genau da müssen wir hin.

Welche Ziele haben Sie sich für das Filialgeschäft gesetzt?

Im Moment wandelt sich das Sortiment enorm dynamisch, vor allem bei dekorativer Kosmetik und Bio-Lebensmitteln. In den letzten beiden Jahren haben sich viele Bio-Marken für uns geöffnet, weil sie mit uns mehr Kunden erreichen als mit Fachhändlern und Bio-Discountern. Zum Beispiel führen wir in 20 Filialen schon rund 700 Artikel von Alnatura. Die Herausforderung besteht darin, auch kleinere Filialen mit diesen Trends aufzuwerten. Dafür reduzieren wir zum Beispiel Zeitschriften und CDs.

Sie setzen sich immer ehrgeizigere Ziele für die Umweltfreundlichkeit der Produkte, zum Beispiel Ersatz für Palmöl. Besteht dabei nicht die Gefahr, dass die Ansprüche der Kunden ins Unerfüllbare wachsen?

Wenn man sich einem Thema wie Nachhaltigkeit widmet, kann man damit auch hinfallen. Das ist immer die Gefahr. Wir haben circa 800 bis 1000 Lieferanten. Diese haben wiederum 3000 bis 5000 Vorlieferanten. Wir können nicht alle kontrollieren. Aber es wäre verantwortungslos, deshalb einfach nichts zu tun. Daher setzen wir uns realistische Ziele.

Vor Kurzem nahm Rossmann auf Aufforderung von Foodwatch ein Bio-Produkt aus dem Regal, das rechtlich einwandfrei war, aber in einem Test schlecht abgeschnitten hatte. Unterwerfen Sie sich damit schnell wechselnden Öko-Trends?

Ich habe das Gefühl, dass nicht alle dieser Verbraucherschutzorganisationen wirklich klug handeln. Wenn Unternehmen so häufig an den Pranger gestellt werden, wie das momentan passiert, stumpfen auch die Konsumenten ab. Wir lassen uns nicht hysterisch machen.

Kommt es eigentlich noch vor, dass Konkurrenten wie dm bei Rossmann Produkte aufkaufen, wenn es wirtschaftlich opportun ist?

Wirtschaftlich opportun ist das ja nie, weil die Konkurrenten ihre Personalkosten einrechnen müssen. Es kommt aber nur noch selten vor. Darüber bin ich sehr froh, weil kein Mitarbeiter wirklich weiß, wie er mit so einer Situation umgehen soll. Weder die Kassiererin von Rossmann noch die Mitarbeiterin von dm.

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