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Niedersachsen Wo soll die Reise bei Enercity hingehen, Frau Zapreva?
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06:51 15.05.2017
Von Jens Heitmann
Stadtwerke-Chefin Susanna Zapreva. Quelle: Jan Philipp Eberstein 2016

Frau Zapreva, nach einem Jahr an der Spitze der Stadtwerke wollen Sie jetzt eine neue Strategie ausgeben. Wo soll die Reise hingehen?

Unsere Kernbotschaft ist: Die Kunden sollen Enercity nicht mehr nur als Lieferanten von Strom, Gas und Fernwärme wahrnehmen, sondern als einen Dienstleister. Wir wollen ein verlässlicher Partner sein mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis bei allen Themen rund um Energie und intelligente Infrastruktur – egal ob der Kunde eine Fotovoltaikanlage oder eine Wärmepumpe benötigt. Wir wollen die treibende Kraft der digitalen Energiewelt von morgen sein.

Zur Person

Susanna Zapreva steht seit April 2016 an der Spitze der Stadtwerke Hannover. Die 44-Jährige ist promovierte Elektrotechnikerin und Betriebswirtin. Sie war zunächst Unternehmensberaterin und wechselte dann zur Wienstrom. Von 2009 bis zu ihrem Wechsel zu Enercity war Zapreva Geschäftsführerin der Wien Energie. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.

Dieses Ziel verfolgen viele Versorger - weil sich Strom und Gas in der Qualität aber nicht unterscheiden, interessieren sich die Kunden meist nur für den Preis. Warum soll das bei Enercity anders sein?

Wollen kann man viel - entscheidend ist, ob es auch gelingt. Wir möchten die Kunden für uns begeistern, indem wir nicht mehr vom Strom- und Gaszähler her denken, sondern Erlebniswelten schaffen. Wenn zum Beispiel eine Familie zwei studierende Kinder in unterschiedlichen Städten hat, werden wir ihnen einen Vertrag für alle drei Wohnorte auf einer Rechnung anbieten. Für Studenten in einer WG wird es flexible Tarife geben, die ihre Anwesenheit und die Größe ihrer Zimmer berück­sichtigen. Wir werden nicht mehr nur Gas liefern, sondern eine 22 Grad warme Wohnung garantieren. Anders gesagt: Wir werden unsere Dienstleistungen individualisieren.

Das setzt voraus, dass die Kunden eine Menge über sich preisgeben. Wie wollen Sie an diese Daten herankommen?

Zum einen natürlich, indem wir attraktive Angebote machen. Zum anderen lernen wir unsere Kunden mit der Zeit immer besser kennen. Wenn wir beispielsweise als Sponsor von „Swinging Hannover“ Kunden Tickets schenken und sie dann auch kommen, wissen wir, dass sie Jazz mögen. Natürlich können wir so ein Wissen nicht von heute auf morgen aufbauen - aber wir müssen lernen, unsere Kunden besser zu verstehen, um sie begeistern zu können. Wir wollen ein verlässlicher Partner sein.

Früher konnten sich Ihre Kunden darauf verlassen, dass Enercity die Preise anpasst, wenn sich der Markt verändert. Zu Jahresbeginn haben die meisten Versorger ihre Strom­tarife erhöht und Gas verbilligt. Die Stadtwerke haben weder das eine noch das andere getan. Wer hat von diesem Moratorium mehr profitiert - Sie oder Ihre Kunden?

Für uns war es wichtig, zuallererst Stabilität zu bieten. Für Kunden, die immer nah am Marktgeschehen sein wollen, bieten wir einen eigenen Tarif an, der das Auf und Ab an der Strombörse monatlich abbildet. Für diese Variante haben sich im vergangenen halben Jahr bereits mehrere Tausend Kunden entschieden. Unser Ziel ist es, für die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse passende Angebote zu haben.

Die Stadtwerke haben im vergangenen Jahr ein Drittel ihres Strom­absatzes verloren und gleichzeitig ihren operativen Gewinn erhöht. Wie war das möglich?

Wir haben zum einen unsere Konditionen beim Einkauf verbessert - zum anderen schließen wir keine Verträge mit Großkunden mehr, die uns negative Ergebnisse bringen.

In der unmittelbar vor Ihrem Amtsantritt vom alten Vorstand verabschiedeten Strategie hieß es, die Gewinne würden mittelfristig sinken. Bleibt es bei dieser Prognose?

Nein. Wir wollen unser operatives Ergebnis von zuletzt 109 Millionen Euro im Zeitraum bis 2035 mehr als verdoppeln. Erstens werden wir unsere Kostenstrukturen optimieren, indem wir effizienter werden und alle Geschäftsprozesse konsequent digitalisieren. Zweitens wollen wir in neue Geschäftsfelder wie zum Beispiel E-Mobilität, Energieeffizienz, dezentrale Erzeugung und Speicherung investieren, um so Wachstum zu generieren.

Eine Verbesserung der Effizienz setzt in der Regel Arbeitskräfte frei. Ihre Vorgänger wollten bis 2025 jede achte der aktuell rund 2500 Stellen streichen. Gilt dieses Ziel noch?

Wir wollen künftig eher mehr Mitarbeiter beschäftigen als weniger, weil unser Geschäft wachsen soll. Bei der Neuausrichtung eines Unternehmens können natürlich nicht alle Beschäftigten ihre jetzigen Arbeitsplätze behalten, weil sich Anforderungen und Aufgaben verändern. Aber in der Summe sehe ich langfristig eher einen Aufbau als einen Abbau. Betriebsbedingte Kündigungen werden wir ohnehin ausschließen; ein entsprechender Tarifvertrag ist in Arbeit.

Noch betreiben Sie in Linden, Stöcken und Mehrum drei konven­tionelle Kraftwerke - Letzteres steht offenbar zum Verkauf. Wie geht es hier weiter?

Unser Ziel ist es, sowohl in der Strom- als auch in der Fernwärmeproduktion den Anteil der erneuerbaren Energien stark zu erhöhen. Hier streben wir jeweils über 50 Prozent an. Mehrum wird mittelfristig nicht mehr Bestandteil unseres Portfolios sein. Die beiden anderen Kraftwerke bleiben - ohne sie würde derzeit die Fernwärmeversorgung in Hannover nicht funktionieren.

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