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Niedersachsen Kommt Amazon auch nach Achim?
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kommt Amazon auch nach Achim?
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19:21 09.05.2017
Expansion in Deutschland: Neun Verteilzentren – wie hier in Pforzheim – betreibt Amazon hierzulande bereits. Weitere sind geplant. Quelle: Christoph Schmidt
Hannover

Der Internet-Versandhändler Amazon will in Achim im Landkreis Verden ein Logistikzentrum errichten. Das amerikanische Unternehmen habe Interesse an einem Areal in der Nähe der Autobahn-Auffahrt Achim-Ost bekundet, sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtrat von Achim, Karl-Heinz Lichter, am Dienstag der HAZ. Darüber habe Bürgermeister Rainer Ditzfeld die Fraktionsvorsitzenden des Rates informiert. Angeblich könnten an dem Standort bis zu 2000 Arbeitsplätze entstehen. Außer Amazon seien noch drei weitere Firmen an der Fläche interessiert, heißt es. Amazon wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

Die für die Vermarktung der Fläche zuständige EVG Achim GmbH wollte keine Namen von Interessenten nennen. Die EVG ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Achim und der Kreissparkasse Verden. Das Ziel sei, möglichst viele „qualifizierte“ und „zukunftsorientierte“ Arbeitsplätze anzusiedeln, sagte der EVG-Geschäftsführer und stellvertretende Bürgermeister Bernd Kettenburg. Er erwarte von allen Interessenten ein Verkehrskonzept. Die Anbindung an die A 27 sei durch den Berufsverkehr und ein Gewerbegebiet schon stark belastet.

Sollte der Amazon-Konzern ein Logistikzentrum in Achim bauen, wäre es sein zweites Projekt in Niedersachsen. Derzeit entsteht in Winsen (Luhe) ein Verteilzentrum des Versandriesen - es soll Ende des Jahres fertig sein. Amazon hat versprochen, dort im ersten Jahr des Betriebs rund 1000 unbefristete Stellen zu schaffen. Später könne die Zahl steigen. In Zentren vergleichbarer Größe seien nach einigen Jahren meist etwa 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Gebäude wird in Winsen auf einer Fläche von 64 000 Quadratmetern errichtet - dies entspricht neun Fußballfeldern. Amazon investiert im ersten Jahr rund 90 Millionen Euro, dazu sollen 110 Millionen von Partnern kommen.

Effizient mit Transportrobotern

In Winsen will Amazon zum ersten Mal in Deutschland seine Transportroboter einsetzen. Sie bringen Regale mit Produkten zu den Mitarbeitern. Diese müssen dann nicht mehr zu den unterschiedlichen Regalen gehen, um Sendungen zusammenzustellen. Bisher setzt Amazon die Roboter in den USA, Polen und Großbritannien ein. „Neue Technologien wie Robotik ersetzen die Menschen nicht“, betont der Konzern. „Sie schaffen zusätzlich neue Rollen in den Logistikzentren, zum Beispiel im Bereich IT- und Engineering-Support.“

Amazon betreibt neun Verteilzentren in Deutschland, unter anderem in Brieselang bei Berlin, Bad Hersfeld und Koblenz. Rund 12 000 fest angestellte Mitarbeiter arbeiten dort. Weitere Standorte entstehen - neben Winsen - in Dortmund und Frankenthal. Weltweit beschäftigt Amazon 340 000 Mitarbeiter - zehn Mal so viele wie vor fünf Jahren. Allein in den Vereinigten Staaten sollen bis Mitte 2018 weitere 100 000 Jobs hinzukommen.

Alexa mit Bildschirm

Amazon will eine zentrale Rolle im Haushalt seiner Kunden einnehmen. Das Unternehmen hat am Dienstag eine Art modernes Küchenradio mit Touchscreen vorgestellt, das als digitaler Assistent dienen soll. Auf dem Lautsprecher „Echo Show“ läuft Amazons Sprachassistentin Alexa, die Fragen beantwortet, auf Zuruf Termine im Kalender einträgt und natürlich Produkte bei Amazon bestellt. Alexa ähnelt damit Apples Assistentin Siri. Mit dem „Echo Show“ soll man auch videotelefonieren können. Der Preis liegt bei 230 Dollar. Wann das Gerät in Deutschland erhältlich ist, ist noch unklar.

Im Jahr 2012 hatte auch Hannover mit Amazon über den Bau eines Logistikzentrums an der Messe verhandelt. Die Gespräche gerieten ins Stocken - schließlich gab die Stadt dem Logistikdienstleister Netrada den Vorzug. Mittlerweile nutzt die Bertelsmann-Tochter Arvato den Standort am Kronsberg.

In Deutschland streitet Amazon sich seit Jahren mit Verdi. „Wir begrüßen neue Arbeitsplätze in Niedersachsen“, sagte eine Sprecherin des Verdi-Bezirks Niedersachsen-Bremen mit. Die Gewerkschaft fordere jedoch die Anerkennung des Einzelhandelstarifvertrags. Amazon argumentiert, dass die Beschäftigten logistische Arbeiten verrichteten - und im Vergleich zu anderen Firmen dieser Branche relativ gut verdienten. Der Durchschnittslohn liegt laut Amazon bei 10,60 brutto pro Stunde, der Einstiegslohn bei 10,30 Euro.

Von Christian Wölbert

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