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Niedersachsen Niedersachsens Arbeitsmarkt verliert Schwung
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00:16 26.01.2017
Von Lars Ruzic
Im zurückliegenden Jahr war die Zahl der Jobofferten zum Herbst abgeflacht - unterm Strich blieb noch ein Zuwachs um 40 000 Stellen. Quelle: dpa
Hannover

Der Stellenaufbau am niedersächsischen Arbeitsmarkt dürfte sich in diesem Jahr spürbar abschwächen. „Wir rechnen mit mehr Gegenwind“, sagte am Montag Bärbel Höltzen-Schoh, die zum Jahreswechsel die Führung der Arbeitsagentur-Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen übernommen hat. Gleichwohl hält die Nachfolgerin von Klaus Stietenroth ein leichtes Beschäftigtenplus von etwas mehr als einem Prozent auf dann 2,87 Millionen Menschen für denkbar.

Im zurückliegenden Jahr war die Zahl der Jobofferten zum Herbst abgeflacht - unterm Strich blieb noch ein Zuwachs um 40 000 Stellen. Die Arbeitslosenquote sank entsprechend auf noch 6 Prozent. „Das ist ein Wert, der zuletzt 1980 erreicht worden ist“, betonte Höltzen-Schoh, die vor ihrem Wechsel an die Spitze der Regionaldirektion Chefin der hannoverschen Arbeitsagentur war. Die Rekordbeschäftigung mache es den Unternehmen immer schwerer, geeignetes Personal zu finden. 100 Tage brauchen sie inzwischen im Schnitt, um eine Stelle wiederzubesetzen - 10 Tage länger als im Jahr zuvor.

Höltzen-Schoh sieht allerdings auch konjunkturelle Unwägbarkeiten, die sich auf den Arbeitsmarkt auswirken könnten. Vor allem in der niedersächsischen Autoindustrie gebe es derzeit große Unsicherheiten - nicht erst seit den Debatten über mögliche Strafzölle, die der neue US-Präsident Donald Trump auf deutsche Importe erheben will. Auch der Umbau von Volkswagen und dessen Auswirkungen auf das Dreieck Braunschweig-Wolfsburg-Helmstedt will die Arbeitsagentur aufmerksam verfolgen. VW hatte im Zusammenhang mit seinem „Zukunftspakt“ angekündigt, 23 000 Stellen sozialverträglich abbauen zu wollen. Gleichzeitig soll Wolfsburg zur digitalen Herzkammer des Konzerns ausgebaut werden.

Die Digitalisierung werde nach und nach alle Arbeits- und Lebensbereiche durchdringen, ist sich die 61-Jährige sicher. „Damit müssen wir uns auseinandersetzen - und zwar sehr schnell.“ Es sei dringend notwendig, Aus- und Weiterbildung den neuen Anforderungen anzupassen. „Das wird noch einiger bürokratischer Mühen bedürfen“, so Höltzen-Schoh. Denn dafür müssten mitunter ganze Berufsbilder verändert werden - ein umfangreicher Prozess, an dem Wirtschaft, Politik und Tarifparteien beteiligt werden wollen. Auch auf Landesebene lasse sich hier einiges bewegen, sagte die Arbeitsmarktexpertin - vor allem in den Schulen, die die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen fördern sollten.

Die gut 130 000 Flüchtlinge, die seit Mitte 2015 nach Niedersachsen gekommen sind, haben die Arbeitsmarktstatistik erst zu einem Bruchteil erreicht. Zehntausende Asylanträge sind noch nicht abgearbeitet, die meisten Betroffenen stecken noch in Integrations- und Sprachkursen. Aus klassischen Krisenländern wie Syrien, Afghanistan oder Irak zählt die Agentur bislang rund 21 000 Arbeitslose, gut 7400 haben einen Job gefunden - meist als Helfer. Denn bislang lässt sich nur jeder achte Flüchtling als Fachkraft oder Spezialist einsetzen.

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