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Niedersachsen Niedersachsens Jobwunder erreicht nicht jeden
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12:48 15.07.2017
„Ein Stück weit Desillusionierung“: Bei vielen Flüchtlingen erweist sich die Sprachbarriere als Problem – aber es gibt auch positive Entwicklungen. Quelle: Christian Charisius/dpa
Hannover

Die Konjunktur in Niedersachsen brummt, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs wächst auf immer neue Rekordstände. Doch das stetige Wachstum löst nicht alle Probleme auf dem Arbeitsmarkt: „Vollbeschäftigung kann man nur erreichen, wenn man sich gezielt um die Gruppen kümmert, die es schwer haben“, mahnte die niedersächsische Landeschefin der Bundesagentur für Arbeit, Bärbel Höltzen-Schoh. Das betreffe vor allem Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge.

„Ernüchternd“ sei die Integration der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt bislang verlaufen, so die Agenturchefin. „Da hat schon ein Stück weit Desillusionierung stattgefunden.“ Die anfängliche Hoffnung, die mehrheitlich jungen Syrer, Iraker oder Afghanen ließen sich innerhalb von ein oder zwei Jahren in Jobs bringen, habe sich nicht bewahrheitet.

Weniger Auszubildende

Als großes Problem hätte sich vor allem die Sprachbarriere herausgestellt. „Die Firmen wollen niemanden einstellen, der nicht einmal die Sicherheitsbestimmungen lesen kann“, so Höltzen-Schoh. Tatsächlich sei jetzt aber eine Besserung der Lage in Sicht, weil immer mehr junge Flüchtlinge die Integrationskurse abschließen würden. Insgesamt fingen 2400 junge Flüchtlinge eine Lehre an - und dämpften damit einen Effekt des demografischen Wandels: Ohne sie wäre die Zahl der neuen Azubis um etwa 2900 Personen zurückgegangen, so war es nur ein Rückgang um rund 500 auf insgesamt 54.700 Männer und Frauen.

Der Rückgang der Azubi-Zahlen macht den Experten Sorge, denn er steht für den sich verschärfenden Fachkräftemangel. Es gebe einen Wettlauf um die besten Azubis, viele Verträge würden bereits ein Jahr vor der Ausbildung geschlossen, sagt Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen.

Trotz guter Konjunkturlage geht die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die länger als ein Jahr ohne Job sind, nur langsam zurück. „Das ist kein Selbstläufer“, sagt Höltzen-Schoh. Das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben, hänge stark davon ab, ob jemand einen Berufsabschluss habe. Im vergangenen Jahr war jeder 30. Niedersachse mit Berufsabschluss arbeitslos gemeldet, bei den Ungelernten war es dagegen jeder fünfte.

„Das zeigt, dass jugendliche Schulabgänger wie auch ungelernte Erwachsene ihre Chancen auf einen Berufsabschluss unbedingt nutzen sollten“, so Höltzen-Schoh. Sie appellierte an Jugendliche, sich über andere Berufsfelder zu informieren, wenn im Wunschberuf kein Ausbildungsplatz zu haben sei. Für Erwachsene bis 35 Jahre hat die Arbeitsagentur das Programm „Zukunftsstarter“ aufgelegt, mit dem eine zweijährige Ausbildung finanziert werden kann. Seit dem Start im August 2016 hätten fast 2000 Niedersachsen diese Chance ergriffen, so Höltzen-Schoh.

Von Heiko Randermann und Jens Heitmann

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Jens Heitmann 15.07.2017

In einigen Regionen Niedersachsens herrscht nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit bereits Vollbeschäftigung. Grund sei die gute konjunkturellen Stimmung. Jedoch sei man davon flächendeckend noch weit entfernt, sagte die Landeschefin Bärbel Höltzen-Schoh bei der Vorlage einer Zwischenbilanz der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen.

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