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Niedersachsen Nord/LB-Chef Dunkel: "In den Beruf reingerutscht"
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Nord/LB-Chef Dunkel: "In den Beruf reingerutscht"
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19:29 07.12.2016
Von Albrecht Scheuermann
Der scheidende Nord/LB-Vorstand Gunter Dunkel. Quelle: DPA/Holger Hollemann
Hannover

Herr Dunkel, in ein paar Wochen endet Ihre Zeit bei der Nord/LB. Sie waren 20 Jahre im Vorstand und acht Jahre Vorstandsvorsitzender. Mit welchen Gefühlen verlassen Sie das Haus?

Ich bin mit mir völlig im Reinen. Schon vor zwei Jahren hatte ich beschlossen, meinen Vertrag nicht zu verlängern, und den Aufsichtsratsvorsitzenden Finanzminister Peter-Jürgen Schneider darüber informiert. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er die Entscheidung akzeptiert hat.

Ihre Zeit bei der Bank endet mit einem riesigen Verlust wegen der Auswirkungen der Schifffahrtskrise. Ist das nicht ein bitterer Abgang?

Ein goldgeränderter Abschluss ist sicher angenehmer. Aber zum Abschied eine Jubelbilanz vorzulegen, bei der alle mit den Augen rollen, weil der Nachfolger die Folgen auszubaden hat - davon halte ich nichts. Deshalb bin ich auch hier mit mir im Reinen.

Welche Position hatten die Eigentümer der Nord/LB in dieser Frage?

Gerade jetzt bewährt sich die gute Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen und den anderen Trägern. Es war eine der schwierigsten Entscheidungen meiner Zeit bei der Nord/LB, die Probleme bei den Schiffskrediten nun so massiv anzugehen. Dafür braucht man das Vertrauen der Träger und die müssen das auch untereinander vernünftig regeln können.

Was macht Sie beim Rückblick auf Ihre Amtszeit zufrieden?

Es ist gelungen, die Bank in Sachen Kapital und Ertragskraft so zu stärken, dass sie bei den beiden europäischen Stresstests gut abgeschnitten hat und vor allem die Schiffskrise bewältigen kann. Übrigens hat sich durch die Entwicklung der Bank auch das Verhältnis zur Aufsicht stark verbessert. Und noch etwas fällt mir ein - der erfolgreiche Verkauf der Skulptur „Tulips“ von Jeff Koons für 30 Millionen Dollar. Damit konnten wir die Nord/LB-Kulturstiftung gründen.

Was werden Sie vermissen?

Der Beruf hat mir Begegnungen mit vielen interessanten Menschen auf der ganzen Welt ermöglicht, zum Beispiel mit der britschen Königin, bekannten Politikern und Unternehmern. Das sind oft beeindruckende Leute, die einem gedankliche Anregungen geben können. Das gilt aber auch für weniger prominente Menschen. Ich bin regelmäßig in die Betriebskantine gegangen und habe mich zu Mitarbeitern und Gästen an den Tisch gesetzt. Das waren immer wieder hochinteressante Gespräche.

Was werden Sie nicht vermissen?

Langwierige Gremiensitzungen mit absehbarem Ergebnis und kontroverse Gespräche mit der Bankenaufsicht.

Wie sind Sie Banker geworden?

Ich bin in den Beruf reingerutscht. Eigentlich wollte ich nach dem Wirtschafts- und Rechtsstudium in Wien zu einem großen Industrieunternehmen nach Brüssel. Damals brauchte ich aber als Österreicher in Belgien noch eine Arbeitserlaubnis. Weil ich diese nicht bekommen habe, entschied ich mich für das Stellenangebot einer Bank.

Würden Sie heute noch mal eine Bankkarriere anstreben?

Darüber würde ich dreimal nachdenken. Durch die Regulierung wird heute der unternehmerische Spielraum in den Banken stark beschnitten, das mindert die Freude.

Was planen Sie für den Ruhestand?

Ich gehe nicht in den Ruhestand, sondern mache jetzt etwas anderes.

Können Sie mehr verraten?

Zusammen mit meiner Frau habe ich eine Stiftung gegründet. Die Dunkel Foundation nimmt am 9. Januar in der Arnswaldstraße in Hannover ihre Arbeit auf. Sie soll Projekte unterstützen, die sich für Menschenrechte und eine offene Gesellschaft einsetzen.

Wollen Sie auch Ihre Kenntnisse als Banker und Manager weiter nutzen?

Ich bleibe Aufsichtsratsmitglied bei Continental. Außerdem werde ich für die Investmentgesellschaft Muzinich & Co. in New York und London tätig sein. Ihre Spezialität sind Investitionen in Mittelstandskredite.

Ihre Familie wird Sie aber mehr sehen als bisher?

Ja, bestimmt. Ich habe inzwischen ja vier Enkel und ihnen schon allen das Skifahren beigebracht.

Bleiben Sie Hannover treu?

Unser Hauptwohnsitz bleibt auf jeden Fall Hannover. Wir werden wohl aber auch unsere Wohnung in Berlin und unser Familienanwesen bei Innsbruck mehr nutzen können.

Das Interview führte Albrecht Scheuermann.

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