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07:04 09.12.2014
Von Albrecht Scheuermann
Zahlreiche Bausparkunden haben noch höher verzinste Altverträge aus besseren Zeiten – dies macht den Bausparkassen zu schaffen. Quelle: LBS
Hannover

Bei der LBS Bayern sind schon rund 1100 Beschwerden von Kunden gegen die Kündigungen eingegangen, wie ihr Vize-Chef Helmut Straubinger am Montag berichtete.

Die Bausparkasse in München hatte vor einigen Wochen bei 26 000 Kunden Altverträge gekündigt. Das hannoversche Institut hatte rund 12 100 Kunden angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass ihre Verträge in der bisherigen Form nicht weitergeführt werden. Sie könnten entweder ihr Guthaben in einen aktuellen Tarif übertragen oder es sich sofort auszahlen lassen. Wer sich nicht bis Mitte Dezember entscheide, müsse mit einer Kündigung rechnen. Nach Ansicht der LBS Nord halten sich die Kundenreaktionen bislang im Rahmen. Die Bausparkasse sehe sich dadurch in ihrem Vorgehen bestätigt. „Wir sprechen Kunden proaktiv an und suchen auch nach individuellen Lösungen“, erklärte eine LBS-Sprecherin.

Auch andere Bausparkassen verschicken ähnliche Briefe. Dabei geht es stets um Verträge, die vor vielen Jahren 
abgeschlossen wurden und deshalb noch für heutige Maßstäbe hohe Guthabenzinsen von 3 oder sogar 4 Prozent vorsehen. Viele Verbraucher haben seinerzeit solche Verträge nur zur Geldanlage abgeschlossen. Sie wollten also gar nicht das Bauspardarlehen in Anspruch nehmen, welches den Kern des Bausparens ausmacht.

Die gesamte Bausparbranche versucht schon seit Jahren, sich solcher Altverträge zu entledigen. In den Bausparbedingungen ist dieser Sachverhalt zwar nicht ausdrücklich geregelt, aber die Unternehmen begründen die Kündigungen damit, dass es sich beim Bausparen um ein Zwecksparen handele: Es gehe darum, durch das Ansparen eines Guthabens den Anspruch auf ein zinsgünstiges Darlehen zu erwerben.

Bislang traf es nur Kunden, deren Guthaben die Bausparsumme erreicht hat – sodass die Vergabe eines Darlehens gar nicht mehr möglich ist. Nunmehr werden auch Verträge gekündigt, die schon zehn Jahre „zuteilungsreif“ sind, bei denen der Kunde also schon seit zehn Jahren Anspruch auf das Bauspardarlehen hat, dies aber nicht abgerufen hat. Die LBS Nord hat deswegen am 7. November 12 162 Kunden angeschrieben. Schon zuvor hatte die Kasse 3778 „übersparte“ Verträge gekündigt, deren Bausparguthaben also die jeweilige Bausparsumme überschritten hatten.

„Das Solidarsystem Bausparen funktioniert nur dann, wenn auch die neuen Bausparer, die jetzt einzahlen, später von einem zinsgünstigen Darlehen profitieren können“, begründete die LBS Nord ihr Vorgehen. „Dies wird dadurch belastet, dass Kunden ihre alten Verträge gegen das System optimieren und durch hohe Zinsen Kapital aus dem Kollektiv abziehen.“

Für die Kunden der Bausparkassen geht es um viel Geld. Wer zum Beispiel 30 000 Euro auf einem Vertrag mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent angelegt hat, kassiert pro Jahr rund 1000 Euro Zinsen. Heutige Tarife bieten bei gleichem Guthaben meist 0,25 Prozent, also gerade einmal 75 Euro Zinsen jährlich. Hinzu kommt bei manchen Tarifen noch ein Bonus, der nachträglich gezahlt wird.

Nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ drängt auch die Aufsichtsbehörde die Bausparkassen zur Kündigung von Hochzinsverträgen, weil sie dadurch in Schwierigkeiten geraten könnten. Eine Bafin-Sprecherin widersprach dieser Darstellung: „Wir beobachten die Entwicklung selbstverständlich“ sagte er nur.

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