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Niedersachsen Abschied der Aufsteiger
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09:57 27.12.2014
Von Lars Ruzic
„Die Grundlagen sind gelegt“: Finanzchef Roland Frobel (links) und Einkaufschef Klaus Praus verabschieden sich aus dem operativen Geschäft von Rossmann. Quelle: Wallmüller
Hannover

Als der Chef zum Beginn der Weihnachtsfeier seine Geschäftsführungskollegen auf die Bühne bittet, wird es still im Saal. Kaum einer, der nicht ahnt, was jetzt kommt. Da stehen zwei zum letzten Mal in dieser Funktion vor den mehr als 1000 „Rossmännern“ im Maritim Airport. Der weit überwiegende Teil der Anwesenden im Saal hat neben dem Unternehmerehepaar und diesen beiden nie andere Köpfe an der Konzernspitze erlebt. Vielen wird klar, dass dieser Moment auch für Rossmann eine Zäsur darstellt. Und so bleibt es am Ende nicht beim Applaus, zum Abschied von Klaus Praus und Roland Frobel erhebt sich die gesamte Mannschaft.

Gut 30 Jahre haben die beiden die Geschicke im Konzern mitbestimmt – Frobel als Finanz-, Praus als Einkaufschef. Karrieren wie ihre, müssen beide einräumen, gibt es nur noch selten im heutigen Wirtschaftsleben. „In der Anonymität börsennotierter Großkonzerne geht das fünf, vielleicht zehn Jahre“, sagt Frobel. Aber Rossmann sei eben im Wortsinne ein Familienunternehmen, und die Führungscrew aus dem Gründer Dirk Roßmann, seiner Ehefrau Alice und den beiden familienfremden Managern eine verschworene Gemeinschaft. „Alle respektieren sich“, umschreibt es Praus.

Mitte der achtziger Jahre holt der Unternehmer den damaligen Bezirksleiter Praus und seinen Steuerberater Frobel in die Zentrale. Zu dieser Zeit war der Konzern Lichtjahre entfernt von der Größe und Kapitalstärke heutiger Tage. „Damals gab es 13 Drogeriemarktketten, wir waren auf Platz elf“, erinnert sich Frobel. Ende der Achtziger übernahm sich Rossmann auch noch mit einem neuen Verkaufskonzept – die Wiedervereinigung rettete ihn vorerst. Sie sorgte für schnelles Wachstum in den neuen Bundesländern, doch die Profite blieben spärlich. Hinzu kamen Töchter in Osteuropa, die allesamt Verluste schrieben.

Die nächste Generation übernimmt

Aus vier mach fünf: Mit dem Abgang von Roland Frobel und Klaus Praus vergrößert sich die Geschäftsführung von Rossmann. Unternehmensgründer Dirk Roßmann (68) und seine Frau Alice bleiben im obersten Führungsgremium, hinzu kommen Raoul Roßmann als Einkaufschef, Peter Dreher (50) als Finanz- und Michael Rybak (43) als Logistik- und IT-Chef. Mit der Nominierung von Raoul Roßmann (29) dürfte auch die Unternehmensnachfolge geklärt sein, wenn sich der Gründer aus dem operativen Geschäft zurückziehen will. Bislang hat er daran allerdings noch kein Interesse gezeigt.
Raoul Roßmann hat in Hannover und London Handelsmanagement studiert und leitet seit vier Jahren den Aktionswareneinkauf im Konzern. Dreher kam wie Frobel 1985 zu Rossmann und gehört seit mehr als 20 Jahren zur Geschäftsleitung. Rybak ist seit 2001 im Konzern, führte zunächst die Revision, später die Logistik und schließlich zusätzlich die IT.

Frobel und Praus waren inzwischen Geschäftsführer, doch es gab weitere familienfremde Manager. Der Gründer war Mitte der neunziger Jahre gesundheitlich stark angeschlagen, konnte sich dem Unternehmen nicht mit voller Kraft widmen. „Da war Hauen und Stechen im Management angesagt“, erinnert sich Praus. Die Krise kulminierte 1996, als Rossmann erstmals schwarze Zahlen schrieb. Frobel hatte Mühe und Not, die Banken stillzuhalten. „Man fühlte sich wie ein Jongleur, der permanent einen Ball zu viel in der Luft hält“, sagt er.

In diese Zeit fielen jedoch mehrere strategische Weichenstellungen, von denen der Konzern teils heute noch zehrt. Praus bildete Einkaufsgemeinschaften, zunächst mit dm, später mit Müller. Das senkte die Beschaffungskosten und stützte das auf Niedrigpreisaktionen fußende Geschäftsmodell. Frobel fand in den Niederlanden einen Partner für die defizitären osteuropäischen Töchter. Mit dem neuen Partner Kruidvat schmiedete man gleichzeitig Pläne für Eigenmarken unter Rossmann-Logo, von denen es heute mehr als 4000 Artikel gibt. Und nicht zuletzt: Mehrere Manager mussten gehen, das Führungsquartett mit den Eheleuten Roßmann, Frobel und Praus entstand – und legte die Grundlage für eine rasante Aufholjagd der Burgwedeler.

Nach 16 Jahren mit zweistelligem Wachstum ist Rossmann heute ein Konzern mit mehr als 40.000 Beschäftigten und 7 Milliarden Euro Umsatz. Aus der Nummer elf ist die Nummer zwei der Branche geworden. „Wir können aus dem Vollen schöpfen“, umschreibt es Frobel. Heute stünden dieselben Banken Schlange, die den Drogeriekonzern noch vor gut 20 Jahren fast hätten fallen gelassen. „Das Unternehmen hat eine super Basis – finanziell und am Markt.“ Vielleicht auch deshalb haben der 61-jährige Frobel und sein Kollege Klaus Praus, der am Dienstag 60 wird, jetzt den Schlusstrich gezogen. „Die Grundlagen für den Erfolg der nächsten Jahre sind gelegt“, glaubt Prauss.

Beide bleiben dem Unternehmen als Berater verbunden, Frobel behält auch die osteuropäischen Töchter und seine diversen Aufsichtsratsmandate im Blick. Praus jedoch will einen harten Schnitt machen. „Ich brauche erst mal etwas Abstand“, sagt er. Nach drei, vier Monaten Reisen mit seiner Frau will er sich neu orientieren. Praus’ Ressort übernimmt Roßmann-Sohn Raoul – ein schwieriges Erbe. „Einkauf kann man nicht vermitteln, das muss man erfahren“, sagt Praus. Beide hinterlassen den Nachfolgern jedoch eine intakte Mannschaft in der zweiten Reihe. „Manche sagen“, meint Frobel augenzwinkernd, „die hätten sowieso schon immer die eigentliche Arbeit gemacht.“

Für die Landwirte war es ein kleines Weihnachtsgeschenk: In den Tagen vor dem Fest sind die Preise für Getreide an den Agrarbörsen kräftig gestiegen. Einen Schub gab es nochmals zum Wochenauftakt.

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