Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen TUI geht mit Schwung in die Fusion
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen TUI geht mit Schwung in die Fusion
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 13.12.2014
Von Jens Heitmann
„Jetzt sind wir in die Wachstumsphase eingestiegen, die Fahrt aufnehmen wird“: TUI-Chef Friedrich Joussen. Quelle: Julian Stratenschulte
Hannover

Die TUI-Aktionäre müssen bei der nächsten Hauptversammlung achtgeben, dass ihnen die Superlative nicht ausgehen. Als „Friedrich den Großen“ haben sie ihren Vorstandschef, der Briefe meist nur als „Fritz“ Joussen unterschreibt, schon beim vergangenen Treffen geadelt - der Ehrentitel war eine Belohnung für die lange erhoffte Fusion des Mutterkonzerns mit ihrer britischen Tochter TUI Travel. Im ersten vollen Geschäftsjahr unter seiner Ägide hat der TUI-Chef ein weiteres Versprechen eingelöst: Der Konzern verdient wieder Geld - und das auch unter dem Strich.

Für die Ende September beendete Periode weist die Bilanz einen Überschuss von knapp 105 Millionen Euro aus; im vergangenen Jahr stand dort noch ein Fehlbetrag von 11 Millionen Euro. Verantwortlich für den Umschwung ist in erster Linie der Erfolg von TUI Travel, in der die TUI ihr gesamtes Veranstalter-, Vertriebs- und Fluggeschäft gebündelt hat: Die Briten konnten ihr operatives Ergebnis um rund 10 Prozent auf 708 Millionen Euro steigern. Zudem fuhr das Kreuzfahrtgeschäft wieder Gewinn ein. Auch Kostensenkungen in der Zentrale halfen. „Es war ein erfolgreiches Jahr“, sagte Joussen bei der Bilanzvorlage am Mittwoch. „Das nächste wird es auch.“

Von Mitte nächster Woche an tritt die TUI als einheitlicher Konzern auf. Die neuen TUI-Aktien werden dann erstmals an der Londoner Börse notiert; das Unternehmen bleibt jedoch eine deutsche Aktiengesellschaft mit Sitz in Hannover. Von dem lange ersehnten Zusammenschluss verspricht sich der Vorstand ein schnelleres Wachstum und weiter steigende Gewinne, weil die TUI-Reisebüros künftig häufiger Betten und Kabinen von konzerneigenen Hotels und Schiffen verkaufen sollen als bisher. „Jetzt sind wir in die Wachstumsphase eingestiegen, die Fahrt aufnehmen wird“, sagte Joussen.

Zuletzt kam der Konzern kaum von der Stelle: Der Umsatz erhöhte sich 2013/14 lediglich um ein Prozent auf 18,7 Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr kündigte der TUI-Chef Zuwächse zwischen 2 und 4 Prozent an. Der operative Gewinn soll um 10 bis 15 Prozent steigen - und damit an die Marke von einer Milliarde Euro heranreichen, die Joussen ursprünglich erst mittelfristig in Aussicht gestellt hatte. Von dieser runden Summe müssen allerdings noch Zinsen, Ertragsteuern und Abschreibungen abgezogen werden, bevor die Aktionäre wissen, was am Ende wirklich hängen bleibt.

Fusion mit TUI Travel soll Kosten reduzieren

Durch den Zusammenschluss mit TUI Travel will Joussen die Kosten noch einmal deutlich verringern. In der hannoverschen Zentrale hat er die Ausgaben bereits von 73 auf 45 Millionen Euro gedrückt. Vom Wegfall der Doppelverwaltungen verspricht sich Joussen vom dritten Jahr an Einsparungen von 65 Millionen Euro. Zudem will man infolge der Fusion 35 Millionen Euro weniger Steuern zahlen, weil sich Gewinne in Großbritannien besser mit Verlusten in Deutschland verrechnen lassen.

Laut Joussen soll sich der Stellenabbau im Konzern aber in engen Grenzen halten. „Ich möchte die Sorge nehmen, dass es große Entlassungswellen gibt“, sagte der TUI-Chef. In der hannoverschen Zentrale hat Joussen die Zahl der Stellen schon auf unter 100 halbiert. In der Verwaltung von TUI Travel in Crawley bei London sind den Angaben zufolge etwa 400 Mitarbeiter beschäftigt - viele ließen sich künftig in anderen Positionen unterbringen, sagte Joussen. Schließlich sei der Konzern auf Wachstumskurs und suche ständig neue gute Mitarbeiter.

Auch in Hannover unterhält der Konzern zwei Zentralen: Die Häuser vom Veranstalter TUI Deutschland und der TUI AG liegen nah beieinander. Derzeit gebe es aber keine Planspiele für eine Zusammenlegung, hieß es.

Mehr zum Thema
Niedersachsen Angebote für Urlauber - TUI wird zum Mobilfunker

Die TUI steigt als erster deutscher Reiseveranstalter ins Mobilfunkgeschäft ein. Von Dezember an bietet der Konzern über seine neue Tochterfirma TUI Connect eigene digitale Dienste im In- und Ausland an.

10.11.2014
Deutschland / Weltweit Hauptversammlungen In Hannover und London - Die TUI beendet ihre Zweiteilung

Die britische Tochter TUI Travel geht im Konzern auf: Das haben die Anteilseigner der beiden Konzerne in Hauptversammlungen in Hannover und London entschieden. Wie von der TUI-Führung erwartet, sprach sich eine deutliche Mehrheit für die Fusion aus.

Jens Heitmann 31.10.2014

Die Tui will ihre eigenen Betten besser auslasten. Konzernchef Fritz Joussen verkündete, er erhoffe sich von der Zusammenführung mit der britischen Tochter TUI Travel mehr Gäste für TUI-Schiffe und -Hotels.

19.08.2014

Jörg Sennheiser zieht einen Schlussstrich: Der 70-Jährige legt zum Jahreswechsel den Aufsichtsratsvorsitz des Familienunternehmens nieder.

Lars Ruzic 09.12.2014
Niedersachsen BMW-Entwicklungschef Diess - VW holt neuen Topmanager

VW-Chef Martin Winterkorn will im nächsten Jahr einen wichtigen Posten abgeben. Im Herbst 2015 soll der bisherige BMW-Manager Herbert Diess die Führung der wichtigsten Konzernmarke VW Pkw übernehmen. Winterkorn will sich dann auf seine Aufgabe als Chef des Gesamtkonzerns konzentrieren.

09.12.2014

Die Bausparkassen wollen vielen Altkunden mit hoch verzinsten Kontoguthaben die Verträge kündigen, doch dagegen regt sich Widerstand. Bei der Norddeutschen Landesbausparkasse (LBS Nord) in Hannover haben sich schon 360 Bausparer gemeldet, nachdem sie ein entsprechendes Schreiben erhalten hatten.

Albrecht Scheuermann 09.12.2014