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Niedersachsen So sieht die Landwirtschaft der Zukunft aus
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17:06 11.11.2017
Bildschirm im Blick, Joystick in der Hand: Moderne Traktoren sind vollgestopft mit Technik. GPS-gesteuert halten sie die Spur, hochpräzise Karten vom USB-Stick steuern die Aussaat.
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Walsrode

Reinhard Evers ist stolz auf die Biogasanlage, die er mit zwei Partnern in Groß Eilstorf bei Walsrode aufgebaut hat. Rechts von ihm lagern unter dunklen Planen mehr als 20 000 Tonnen gehäckselte Maispflanzen, links stehen drei hausgroße Gärtanks. „Wir heizen klimaneutral zwei Dörfer, produzieren Strom und stabilisieren das Netz“, erklärt der 62-jährige Landwirt.

Besonders stolz ist er allerdings auf den Mais, den er für die Anlage angebaut hat. Er selbst liefert zwar nur einen kleinen Teil der Biomasse. Doch in diesem Jahr hat er seinen Ertrag mit Smart Farming um 12 Prozent gesteigert - ein großer Sprung in der ohnehin hoch technisierten Landwirtschaft. Würden seine Kollegen die Technik ebenfalls einsetzen, könnten sie nächstes Jahr 50 ihrer 420 Hektar einsparen, rechnet Evers vor. 50 Hektar entsprechen rund 70 Fußballfeldern. „Wir brauchen 18 000 Tonnen im Jahr. Genau diese Menge wollen wir möglichst boden- und umweltschonend erreichen“, sagt er.

Wie Smart Farming funktioniert? Evers nutzt eine Software von Agravis Netfarming, einer Firma mit Sitz in Hannover und sieben Mitarbeitern, die zur Agravis Raiffeisen AG gehört. Hinzu kommen moderne Maschinen und Traktoren. Und Hilfe von ganz oben: Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation Esa und der amerikanischen Nasa liefern Daten aus Tausenden Kilometern Höhe.

Guter Boden, schlechter Boden

Doch der Reihe nach. Um die Technik zu erklären, muss Evers zunächst weit ausholen: „Wir befinden uns hier in einer Endmoräne.“ Bis vor 10.000 Jahren bedeckten Gletscherzungen Norddeutschland. Der Druck stauchte das Land, das Schmelzwasser spülte hier und dort die guten Böden weg.

Für die Landwirte im Norden ist das bis heute ein Problem. Ihre tiefgründigen, moorigen Felder werden durchzogen von lehmig-sandigen Inseln und Sandrücken, die kaum Wasser halten. „Unten kannst du Karpfen züchten, oben vertrocknet dir die Pflanze“, sagt Evers. Unten gedeihen zehn Maispflanzen pro Quadratmeter, oben höchstens sechs.

Das war Evers und seinen Kollegen schon lange klar. Doch bislang blieb ihnen nichts anderes übrig, als überall acht Körner pro Quadratmeter zu säen. Auf den guten Böden konsumierten die Pflanzen dann zu viel, oben darbten sie. Doch die Drille, die Sämaschine, wusste ja nicht, wo der Boden gut und wo er schlecht ist.

Dann hörte Evers von der Netfarming-Software für „teilflächenspezifische Maisaussaat“ und entschied sich sofort dafür. Ein Mitarbeiter von Netfarming in Hannover analysierte daraufhin Satellitenaufnahmen von Evers’ Flächen. Die Infrarotbilder zeigen, wie sich die Biomasse auf den Feldern verteilt: Lila steht für relativ viel Masse, also gute Böden, grün für wenig. Alle zehn Tage gibt es neue Daten. Über die Jahre entsteht eine zuverlässige Karte der Bodenqualität.

Traktor mit USB-Eingang

Im nächsten Schritt fügte Netfarming Daten zur Regenmenge hinzu. Dann berechnete die Software für jeden Punkt die ideale Saatgutmenge. Ein Netfarming-Mitarbeiter exportierte die Karte mit der Saatgutverteilung auf einem USB-Stick und drückte diesen einem Lohnunternehmer in die Hand, der für Evers den Mais aussät. Am Aussaattag Ende April stöpselte der Fahrer den Stick im Cockpit seines Traktors ein. Von dort wanderten die Daten an die angehängte Drillmaschine. Diese versenkte das Saatgut nun GPS-gesteuert entsprechend der Karte - mehr Körner in die wasserhaltenden Böden, weniger in die Sandrücken.

Evers wollte allerdings ganz genau wissen, was die Technik bringt. Deswegen ließ er mitten auf seinem Feld drei Spuren konventionell säen. „Das konnte man schon bald sehen. Auf der konventionellen Fläche lagen die Pflanzen nach dem ersten Wind platt“, erzählt er.

Nach der Ernte im Oktober ließ er nachwiegen. Das Ergebnis: 12 Prozent mehr Mais, das entspricht einem Mehrertrag von rund 150 Euro pro Hektar. Die von Netfarming erstellte Aussaatkarte kostete ihn einmalig 20 Euro pro Hektar, und sie kann mehrere Jahre verwendet werden. Für ihn ist es also keine Frage, dass er die digitale Aussaatkarte weiter nutzt. „Ich bin zwar kein Technikmensch“, erklärt er. „Aber mein Hobby ist Betriebswirtschaft. Wenn ich Geld sparen kann, ist das doch gut.“

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