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12:38 24.10.2018
Wohnmobil von VW Nutzfahrzeuge auf der Messe Caravan Salon: Hersteller brechen einen Rekord nach dem anderen. Quelle: dpa
Hannover

Spießig, langweilig – Camping hatte lange Zeit nicht das beste Image. Doch das ist vorbei. Seit einigen Jahren boomt der Urlaub mit Wohnmobil und Zelt wie kaum eine andere Branche. Campingplätze und Fahrzeughersteller melden ständig Rekorde. Und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht.

Vor ungefähr fünf Jahren ging es los: Allein zwischen 2013 und 2017 stieg die Zahl der zugelassenen Reisemobile in Deutschland um 100.000 auf rund 450.000. Die Hersteller wurden regelrecht überrannt. Ihr Verband CIVD spricht von „gravierenden Produktionsengpässen“ und „leergefegten Gebrauchtwagenmärkten“.

2018 wird wieder ein Rekordjahr: Allein in den ersten neun Monaten kauften die Deutschen so viele Camper wie im gesamten Vorjahr, teilte der CIVD vor Kurzem mit. Auch die Zahl der zugelassenen Caravans – also Wohnwagen – stieg den letzten Jahren kräftig. Ingesamt gibt es in Deutschland mittlerweile deutlich über eine Million „Freizeitmobile“.

Die Hersteller reagieren auch mit neuen Modellen. VW Nutzfahrzeuge zum Beispiel hatte 30 Jahre lang nur den kompakten Camper „California“ im Programm. Nun lässt die hannoversche Marke den größeren „Grand California“ folgen.

20 Millionen Übernachtungen

Auch die Campingplatzbesitzer jubeln. 2018 steuere man mit einem Plus von über 10 Prozent bei der Zahl der Übernachtungen „auf das fünfte Rekordjahr in Folge zu“, heißt es beim Betreiberverband BVCD. Camping in Deutschland werde bei Reisenden aus dem In- und Ausland gleichermaßen beliebter. 2017 zählte der Verband insgesamt rund 20 Millionen Übernachtungen.

Der Hauptvorteil des Campings liegt auf der Hand: Es ist flexibel. Man kann jeden Tag woanders übernachten, also viel mehr sehen als in einer Bettenburg am Mittelmeer. Doch warum lockt das gerade jetzt wieder mehr Urlauber?

Experten sehen mehrere Ursachen. „Hauptgrund ist die Erweiterung des Angebots“, sagt der Hamburger Zukunftsforscher und Tourismusexperte Ulrich Reinhardt. Er meint vor allem komfortable Wohnmobile, die die engen Anhänger für den Familienkombi verdrängen. „Die Fahrzeuge sind sehr attraktiv geworden“, meint der Professor der Fachhochschule Heide und wissenschaftliche Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg.

„Männliches Phänomen“

Camping sei zwar nach wie vor „eher ein männliches Phänomen“. Die Entscheidung werde in der Regel von den Familienvätern getroffen. Die Frauen ließen sich aufgrund der bequemen Reisemobile aber leichter überreden als früher, meint Reinhardt. Generell suchten die Menschen wieder mehr „die Nähe zu Natur“. Außerdem werde der Urlaub im Heimatland beliebter – zum Beispiel wegen politischer Turbulenzen in anderen Ländern.

Aus Sicht von Daniel Rätz vom Reisemobil-Herstellerverband CIVD spielt auch eine Rolle, dass immer mehr Menschen in der Stadt leben. Der Alltag werde hektischer – und der spontane Trip ins Grüne als Ausgleich umso beliebter. Hape Kerkeling habe das mit seinem „Ich bin dann mal weg“ auf den Punkt gebracht, meint Rätz.

Reinhardt betont, dass Camping als relativ teure und langsame Reiseform vor allem diejenigen anziehe, „die es sich leisten können“: Menschen mittleren und höheren Alters mit gutem Einkommen und viel Zeit. Die 20- bis 35-jährigen, die seit einigen Jahren in den Sozialen Netzwerken den Camping-Lifestyle unter dem Schlagwort „Vanlife“ zelebrieren, stellten noch die Minderheit.

„Anwohner sind genervt“

In den Neunzigern machte sich die RTL-Serie „Die Camper“ über biertrinkende Wohnmobilisten lustig. Mittlerweile feiert hingegen das Kino das „Vanlife“. Im Film „303“ aus dem vergangenen Sommer lernen die Studenten Jan und Jule sich an einer Tankstelle kennen, tuckern spontan zusammen in einem klapprigen Wohnmobil von Berlin nach Portugal und verlieben sich dabei zuerst in Europa und dann ineinander.

Doch nicht alle sind von dem Boom begeistert. Auf vielen Plätzen stünden die Wohnmobile mittlerweile „Tür an Tür“, berichtet eine kritische Camperin in ihrem Blog. Anderswo hinterließen wild campende Touristen ihren Müll in den Dünen. Es sei also kein Wunder, „dass Anwohner, Städte und Gemeinden immer genervter sind und hart durchgreifen“.

Von Christian Wölbert

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