Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Übernimmt Tuifly Strecken von Air Berlin?
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Übernimmt Tuifly Strecken von Air Berlin?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 29.09.2016
Von Jens Heitmann
Air Berlin ist Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft. Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Die Fluggesellschaft steckt seit Jahren tief in den roten Zahlen und häuft weiter hohe Verluste an. Dem Vernehmen nach verhandelt der Air-Berlin-Hauptaktionär Etihad intensiv mit der Lufthansa und dem Touristikkonzern Tui. Die Kranich-Linie möchte angeblich 40 Maschinen übernehmen, um ihren Billigflieger Eurowings aufzupäppeln; die Tui soll für eine Allianz mit der Air-Berlin-Tochter Niki gewonnen werden.

Der Ferienflieger Tuifly hat aktuell 14  seiner insgesamt 41 Maschinen samt Besatzung an Air Berlin vermietet – wegen der hohen Kosten würde man in der Hauptstadt dieses Arrangement gern auf eine neue Basis stellen. Den Vertrag mit Tuifly hatte Air Berlin geschlossen, als die Zeichen noch auf Wachstum standen. Der Kontrakt endet 2019 – er würde sich jedoch automatisch um zehn weitere Jahre verlängern, wenn die Tui einer Kündigung nicht zustimmt. Die Hannoveraner kassieren dafür angeblich mehr als 100 Millionen Euro im Jahr. 

Tiefrote Bilanz

Die wirtschaftliche Lage von Air Berlin ist katastrophal. Im vergangenen Jahr flog die Gesellschaft einen Rekordverlust von 447 Millionen Euro ein. Seit dem Börsengang 2006 erzielte die Airline nur in einem Jahr Gewinn, die Aktie ist zum Ramschpapier geworden. Air Berlin ist extrem hoch mit 927 Millionen Euro verschuldet, das Eigenkapital ist negativ und weist inzwischen einen Fehlbetrag von fast einer Milliarde Euro aus. Die langfristigen Sachanlagen werden nur noch mit knapp 132 Millionen Euro angegeben.

wüp

Seit Wochen pokern alle Beteiligten um die beste Ausgangsposition. Die schlechtesten Karten hält Air Berlin: Die Gesellschaft hängt am Geldhahn von Etihad, wo man allmählich die Geduld verliert. Für die Golf-Airline sind die Berliner vor allem als Zubringer attraktiv, an Städteverbindungen und Ferienzielen haben die Araber kaum Interesse. Die Lufthansa will vor allem verhindern, dass der Billigflieger Ryanair in die Lücke stößt, die eine Pleite von Air Berlin reißen würde. Tuifly bekäme in diesem Fall 14 Maschinen aus Berlin zurück – man hätte dafür keinen Bedarf.

An der Börse wurden die Nachrichten als mögliche Chance für Air Berlin und als Belastung für die Tui aufgefasst. Während die Papiere von Air Berlin in Frankfurt bis zum Nachmittag mehr als 9 Prozent an Wert gewannen, ging es für die Tui-Aktien in London um 1,36 Prozent abwärts. Auch die Belegschaft von Tuifly ist besorgt. „Die Kollegen sind sehr verunsichert, die Stimmung ist explosiv“, sagte der Tui-Konzernbetriebsratsvorsitzende Frank Jakob. Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat warnen, wenn Tuifly in einen Bund mit Air Berlin und Niki gedrängt werde, der tarifliche oder gesellschaftsrechtliche Nachteile bringe, sei mit starkem Widerstand der Belegschaft zu rechnen.

Der Reisekonzern hüllt sich in Schweigen. „Wir kommentieren das nicht“, sagte ein Unternehmenssprecher. In einem Schreiben an die Belegschaft hatten Tui­fly-Geschäftsführer Jochen Bünthen und Aufsichtratschef Henrik Homann in der letzten Woche eingeräumt, dass sie bei Air Berlin eine aktive Rolle übernehmen wollen.

Die Wirtschaft wächst in Niedersachsen und Bremen - allerdings unterschiedlich stark. Das kleine Bundesland schnitt im ersten Halbjahr deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt ab.

26.09.2016

Auch vier Jahre nach seinem Start ist Deutschlands einziger Tiefwasserhafen noch weit von seinen Umschlagzielen entfernt. Der JadeWeserPort in Wilhelmshaven war 2012 als Gemeinschaftsprojekt von Niedersachsen und Bremen in Betrieb gegangen.

26.09.2016

Untreue – oder „Schmutzkampagne“? Im Streit um die Medizintechnikfirma Syntellix eskaliert der Konflikt zwischen Carsten Maschmeyer und Utz Claassen. Nun bahnt sich zwischen den zwei prominenten Wirtschaftsgrößen aus Hannover ein juristischer Großkonflikt an.

Jens Heitmann 23.09.2016