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Niedersachsen „Ryanair muss mit neuen Streiks rechnen“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Ryanair muss mit neuen Streiks rechnen“
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17:13 12.09.2018
Der Streik hat viele Kunden getroffen. Quelle: AP
Hannover

 Im Interview fordert der Präsident der Vereinigung Cockpit, Martin Locher, Ryanair zu Kompromissbereitschaft auf.

Von Ryanair-Chef Michael O’Leary stammt der Satz, eher werde die Hölle zufrieren, als dass man mit Gewerkschaften verhandele. Muss Satan sich jetzt warm anziehen, Herr Locher?

Solche Aussagen im 21. Jahrhundert zu treffen spricht für sich. Der Teufel ist gut beraten, sich mit dicken Jacken einzudecken.

Mit den Piloten in Italien und Irland hat sich Ryanair einigen können, in Deutschland gehen die Streiks in eine neue Runde. Haben Sie zu hohe Ansprüche?

Beide Einigungen taugen nicht als Blaupause für eine Lösung in Deutschland. In Irland wurde noch keine Vereinbarung über Vergütung und allgemeine Arbeitsbedingungen geschlossen. In Italien sind strukturelle Fragen bei Arbeitszeit und Vergütung aus unserer Sicht unzureichend geregelt. Ryanair muss sich von seinem Dogma verabschieden, dass eine Tarifeinigung unter keinen Umständen zu höheren Kosten führen darf. Wenn man Abläufe und Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern will, wird das nicht ohne eine Erhöhung der Kosten möglich sein.

Die Vereinigung Cockpit wirft Ryanair „modernes Sklaventum“ vor. Was meinen Sie damit konkret?

Es gibt immer noch viele Piloten, die nicht direkt bei Ryanair angestellt sind. Die Kollegen fliegen zwar ausschließlich für diese Gesellschaft, sie werden aber wie Selbstständige behandelt. Zudem verschiebt Ryanair seine Mitarbeiter kreuz und quer durch Europa: Wo immer Ryanair ein Geschäft wittert, da müssen die Leute hin – und zwar sofort. Der neue Arbeitsplatz kann sich dann plötzlich zum Beispiel in Polen befinden, wie der Mitarbeiter dort hinkommt oder wo er dort wohnt, ist dann sein Problem. So geht es einfach nicht.

Mit anderen Worten: Wenn Ryanair hart bleibt, müssen sich die Kunden auf weitere Streiks einstellen?

Bei der Entscheidung Arbeitskampfmaßnahmen durchzuführen, handeln wir nach dem Ultima-ratio-Prinzip. Wir sind jederzeit offen für Lösungen. Um diese zu erreichen erfordert es allerdings Kompromissbereitschaft beider Parteien. Zur Zeit können wir diese bei Ryanair nicht erkennen. Es muss also weiterhin mit Streiks bei Ryanair gerechnet werden.

Im Unterschied zu anderen Airlines können junge Piloten bei Ryanair schneller Kapitän werden, weil die Dauer ihrer Dienstzeit für die Karriere keine Rolle spielt. Hat sich Beförderungen nach Alter nicht überlebt?

Auf den ersten Blick mag das altertümlich wirken, aber Senioritätsprinzip hat seine Berechtigung. Bei Gesellschaften wie Ryanair werden Piloten als erfolgreich betrachtet, die besonders spritsparend unterwegs sind und überpünktlich ankommen. In unseren Beruf muss aber die Sicherheit Priorität haben. Der Pilot muss die Freiheit haben, ein Gewitter zu umfliegen. Diese Entscheidung darf keinen Einfluss auf seine Karriere haben. Das Senioritätsprinzip verhindert einen Konkurrenzkampf unter den Piloten.

Pilot und Stewardess waren mal Traumberufe. Trauern Sie den Privilegien aus den golden Zeiten der Branche nach?

Nein. Das öffentliche Bild von den Piloten, die einmal über den Atlantik fliegen und dann zwei Wochen am Strand liegen, hat so nie gestimmt. Wir wissen, dass die Airlines ihr Personal wegen des härteren Wettbewerbs heute effizienter einsetzen müssen als früher. Das akzeptieren wir auch – aber es gibt eben Grenzen.

Was unterscheidet Piloten von anderen Dienstleistern, die Personen von A nach B bringen?

Es ist ein sehr verantwortungsvoller Beruf. Je besser die Technik wird, desto mehr muss der Pilot darauf achten, dass die Dinge in die richtige Richtung laufen: Der Autopilot beispielsweise kann ein Gewitter nicht sehen. Hinzu kommt die steigende Verkehrsdichte, die eine hohe Aufmerksamkeit erfordert. Wichtige Entscheidungen müssen manchmal in Sekunden getroffen werden.

Auch Lokführer oder Busfahrer fühlen sich für viele Passagiere verantwortlich.

Sicher, aber ein Lokführer kann im Zweifel anhalten. Wenn wir unterwegs Probleme haben, müssen wir dafür sofort eine Lösung finden. Der Kollege Chesley Sullenberger aus New York hatte vor einigen Jahren nach dem Ausfall seiner beiden Triebwerke nur rund drei Minuten Zeit, um eine Notwasserung auf dem Hudson River einzuleiten.

In Europa gibt es aktuell 7000 arbeitslose Piloten. Gleichzeitig klagen die Airlines über einen Mangel an Flugzeugführern. Wie passt das zusammen?

Man muss leider sagen, dass nicht jeder, der eine Lizenz bekommt, auch für diesen Beruf in einer Airline geeignet ist. Nicht alle Flugschulen suchen die Bewerber so aus, wie wir das erwarten. Deshalb kann es passieren, dass Piloten nach ihrer Ausbildung ohne Job dastehen, weil sie die Einstellungstests der Airlines nicht bestehen.

Woran liegt das?

Für die Flugschulen ist die Ausbildung ein Geschäft. Heute gibt es offenbar mehr Bewerber als früher, die das Geld dafür aufbringen können. Für die künftigen Piloten bedeutet das ein hohes Risiko: Wer 100.000 Euro für den Erwerb der Lizenz ausgibt, muss später vielleicht als Co-Pilot bei Ryanair für 25.000 Euro im Jahr anfangen – oder bleibt ohne Job.

Durch die Pleite der Air Berlin sind viele qualifizierte Piloten auf den Markt gekommen. Hat ihnen die große Nachfrage der Airlines bei der Jobsuche geholfen?

Leider nicht. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die meisten Maschinen von Air Berlin ja alle noch im Einsatz sind – nur eben für andere Airlines. Da hätte man erwarten können, dass die hoch qualifizierten Piloten mit ihren Maschinen wechseln. Das ist aber nicht passiert. Die Kollegen mussten sich bei Eurowings oder Easyjet bewerben – und viele sind dabei nicht zum Zuge gekommen. Wer es dennoch geschafft hat, musste Gehaltsabschläge in Kauf nehmen.

Von Jens Heitmann

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