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Niedersachsen Scharfe Kritik am Kurs von Tuifly
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Scharfe Kritik am Kurs von Tuifly
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00:16 08.10.2016
Von Jens Heitmann
24 von 99 Tuifly-Verbindungen fielen am Mittwoch aus - das spürten auch die Reisenden in Hannover. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Es gehe nicht an, dass viele Tausend Urlauber in Mithaftung genommen würden, weil die Geschäftsführung die Mitarbeiter im Ungewissen lasse. „Die absolut unbefriedigende Informationspolitik gegenüber der Belegschaft ist für mich nicht akzeptabel“, sagte Lies.

Auch am Mittwoch musste Tuifly aufgrund kurzfristiger Krankmeldungen von Piloten und dem Personal in der Kabine Flüge absagen. Mindestens 24 von 99 geplanten Verbindungen entfielen. Da die Hannoveraner ein Drittel ihrer Flotte an Air Berlin vermietet haben, kam es auch dort zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen. Air Berlin musste knapp jeden 20. Flug streichen.

Mitarbeiter protestieren gegen die Tuifly-Pläne.

Die rund 2500 Mitarbeiter von Tuifly bangen um ihre Jobs, weil der Mutterkonzern Tui seine Chartergesellschaft ausgliedern will - sie soll zusammen mit der bisherigen Air-Berlin-Tochter Niki in einem Verbund mit der arabischen Airline Etihad aufgehen. Die neue Einheit werde sich auf Punkt-zu-Punkt-Verkehr zu wichtigen Urlaubszielen fokussieren und ihr Streckennetz von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus bedienen, kündigten die Tui und Etihad gestern an.

"Es geht nur noch um billig, billig, billig"

Tui will sich an dem neuen Unternehmen lediglich mit weniger als 25 Prozent beteiligen und nur 20 der insgesamt 61 Maschinen verbindlich mit eigenen Pauschalurlaubern füllen. Aufgrund der Überkapazitäten auf dem Flugmarkt könne man bei anderen Anbietern Flugsitze etwa 15 Prozent günstiger einkaufen, hieß es bei der Tui.

„Beim Thema Fliegen geht es oft nur noch um das Thema billig, billig, billig“, kritisierte Minister Lies. Kostenreduzierungen würden auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Das befürchten auch die Tuifly-Mitarbeiter. Wenn der neue Verbund mit Niki und Etihad wie geplant in Österreich angesiedelt werde, bestehe die Gefahr eines Sozialdumpings, hieß es gestern bei einer spontanen Protestkundgebung in der Zentrale am Flughafen Langenhagen. „Wir fürchten erhebliche Einbußen beim Lebensstandard“, sagte Olaf Große von der Personalvertretung Cockpit.

Lies: Verbund könnte eine tragfähige Lösung sein

Die Tui will sich davon nicht aufhalten lassen. Bereits für nächste Woche ist eine außerordentliche Sitzung des Tuifly-Aufsichtsrates angesetzt, Ende Oktober soll das Kontrollgremium des Konzerns die Ausgliederung der Fluggesellschaft endgültig besiegeln. Die Beschäftigten und die Arbeitnehmervertreter fühlen sich von der Entwicklung überrollt. „Wir brauchen mehr Zeit, um die Pläne zu prüfen“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Karin Grobecker. „Deshalb muss diese Entscheidung wieder von der Tagesordnung genommen werden.“

Minister Lies hat nach einem Gespräch mit der Tuifly-Geschäftsführung den Eindruck gewonnen, dass der geplante Verbund mit Etihad und Niki „eine tragfähige Lösung“ sein könnte. Daran hegen die Arbeitnehmervertreter schon deshalb Zweifel, weil sie bisher keine schriftlichen Unterlagen bekommen hätten: „Das ist alles nur mündlich gelaufen.“ Im Konzern sieht man keinen Grund, den straffen Zeitplan zu ändern. Es bleibe das Ziel, dem Aufsichtsrat Ende des Monats eine beschlussreife Vorlage zu präsentieren, hieß es. „Ob das dann für einen Beschluss reicht, steht auf einem anderen Blatt.“

Tuifly-Kunden können sich auf der Internetseite des Unternehmens und der Servicehotline 0800-9 00 60 90 über Flugausfälle informieren.

Nach einer kurzfristig einberufenen Mitarbeiterversammlung haben sich rund 50 Mitarbeiter von Tui­fly vor dem Unternehmensgelände in Langenhagen positioniert und ihren Sorgen Ausdruck verliehen. „Wir sind völlig alleingelassen“, kritisierte Birgit Hinrichs, die seit 39 Jahren als Flugbegleiterin bei Tuifly arbeitet.

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