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Niedersachsen Wo ist hier die nächste Bank?
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22:01 03.12.2014
Von Albrecht Scheuermann
„Unakzeptabel“ – aber wohl auch unvermeidlich: Die Volksbank wird ihre Filiale in Isernhagen-Kirchhorst auch gegen den Willen der Ortsbürgermeisterin schließen. Quelle: Kleinschmidt
Hannover

„Unakzeptabel und
 bürgerunfreundlich“ sei die Entscheidung der Hannoverschen Volksbank, schimpft Renate Vogelgesang, Ortsbürgermeisterin von Kirchhorst. Die Bürger der zu Isernhagen gehörenden Gemeinde nordöstlich von Hannover sollen nun gegen die Schließung der örtlichen Volksbank-Zweigstelle protestieren.

Ähnliche Töne sind auch anderswo zu hören – die Bank will nächstes Jahr zehn Standorte dichtmachen, wie Vorstandssprecher Jürgen Wache unlängst bekannt gab. Der Widerstand dürfte jedoch nicht viel nützen: Die Welle der Schließungen rollt. Überall dünnen Banken und Sparkassen ihre Filialnetze aus.

Ein paar Beispiele: Die zur Norddeutschen Landesbank gehörende Braunschweigische Landessparkasse zieht sich aus zwölf von 103 Standorten ganz zurück. Von den verbleibenden 91 werden künftig 35 nur noch aus Automaten bestehen, die Geld ausgeben, Überweisungen entgegennehmen oder Kontoauszüge drucken. Die benachbarte Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg schließt drei von 56 Zweigstellen und stellt weitere drei ganz auf Selbstbedienung um. Bei der Sparkasse Schaumburg fallen zum Jahreswechsel 14 Zweigstellen weg, zwei werden zu reinen Automatenstandorten.

Auch die Sparkasse Hannover bastelt an ihrem Filialnetz. Vorstandschef Heinrich Jagau hatte schon vor einigen Monaten angekündigt, dass es hier zu Änderungen kommen wird. Allerdings geht die größte Sparkasse Niedersachsens einen etwas anderen Weg: Das Konzept, über das der Verwaltungsrat am morgigen Freitag abstimmen wird, sieht nach Angaben eines Sprechers Schließungen nur „im niedrigen einstelligen Bereich“ vor. Für eine größere Zahl von Standorten ist demnach jedoch eine sogenannte Tandemlösung vorgesehen. Ihre Öffnungszeiten werden so stark verringert, dass künftig ein Team jeweils zwei Zweigstellen betreuen soll.

Sparkasse gibt 22 Filialen auf

Viele kleinere Zweigstellen werden also nur noch an zwei oder drei Tagen in der Woche persönliche Betreuung anbieten. Wo das sein wird, wollte die Sparkasse noch nicht verraten. Sie hat in den vergangenen Jahren ihr Zweigstellennetz bereits erheblich ausgedünnt. 2004 gab es noch 130 Filialen mit Personal, jetzt sind es 108.

Sparkassen und Volksbanken sind besonders aktiv beim Schließen. Betroffen sind meist kleine Orte auf dem Lande, die dann häufig gar keine Bankfiliale mehr haben. Groß- und Privatbanken sind dagegen in den Dörfern ohnehin kaum zu finden. Dennoch schrecken auch diese nicht vor scharfen Schnitten zurück. Am radikalsten geht die HypoVereinsbank vor, die ihr Zweigstellennetz von 580 auf 340 Standorte eindampft. In Niedersachsen sind unter anderem Celle, Uelzen und Hameln betroffen.

Bankgeschäfte verlagern sich ins Internet

Die Banker argumentieren vor allem damit, dass die Zweigstellen unwichtiger werden. Immer mehr Geschäft verlagert sich ins Internet, der Bargeldbedarf sinkt, die Menschen suchen ihre Bankfiliale nicht mehr so häufig auf wie früher. In vielen Zweigstellen herrscht gähnende Leere. Viele junge Leute gehen überhaupt nicht mehr dorthin – ein Riesenproblem für die Geldhäuser, die so den Kontakt zu einer wichtigen Kundengruppe verlieren.

Doch es gibt noch einen anderen Grund für die Schließungswelle. Die Niedrigzinsphase bringt die Erträge in den nächsten Jahren immer mehr unter Druck. Wenn alte Kredite zurückgezahlt werden und Anleihen auslaufen, können die Banken und Sparkassen das Geld nur noch zu viel niedrigeren Zinsen neu vergeben. Deshalb treten sie auf die Kostenbremse.

Markus Westermann von der Gewerkschaft ver.di bestreitet nicht, dass die Erträge unter Druck stehen. Deshalb räumt er ein, dass sich etwas ändern müsse. „Wir sind keine Bremser und Blockierer“, sagt er. Statt aber nur Kosten zu drücken, sollten sich die Manager mehr um die Weiterentwicklung ihrer Zweigstellen kümmern. Und die Sparkassen hätten als öffentlich-rechtliche Institute auch einen Versorgungsauftrag zu erfüllen.    

4500 Zweigstellen verschwunden

Kein Ende des Trends: Das Filialsterben im Bankgewerbe ist in ganz Deutschland zu beobachten. Zwischen 2003 und 2013 ist die Zahl der Zweigstellen nach einer Studie der KfW-Bank um 4500 oder gut 12 Prozent gesunken. Demnach gab es Ende vergangenen Jahres hierzulande noch etwa 30.000 Zweigstellen.

Ein Grund für den Rückgang sind Fusionen und Übernahmen im Bankensektor. So sind allein als Folge des Zusammenschlusses von Commerzbank und Dresdner Bank rund 400 Zweigstellen in Deutschland dichtgemacht worden. Die Geldinstitute dünnen ihre Filialnetze aus.

Der Trend dürfte nach Einschätzung der Experten unvermindert anhalten. So könnte die Zahl der Zweigstellen bis Ende 2020 im Extremfall auf etwa 24.000 sinken. In anderen Ländern Europas ist der Trend noch viel stärker ausgeprägt. So hat der Studie zufolge Spanien zwischen 2008 und 2012 etwa 17 Prozent der Bankfilialen verloren. 

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