Barsinghausen (ak). Das Familienunternehmen begeht in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Im März 2000 hatte die Meppener Unternehmerfamilie Bergmann den damals maroden Gießereibetrieb von dem US-Konzern Dana übernommen. „Wir haben begonnen mit sechs Millionen D-Mark Umsatz, obwohl wir 18 Millionen für vernünftige Zahlen gebraucht hätten“, sagt Geschäftsführer Bernhard Büthe. „Damals waren wir totgesagt.“
Beharrliche Arbeit, mutige Investitionen, flache Hierarchien und schnelle Entscheidungswege haben sich aber in den Folgejahren ausgezahlt. Das Unternehmen wuchs und eroberte sich einen immer größeren Kundenstamm. Die in Barsinghausen produzierten rund zehn Millionen Eingussbuchsen jährlich gehen unter anderem an VW, Ford, Skoda, BMW, Jaguar, Bentley, General Motors und den französischen PSA-Konzern. Die Belegschaft wuchs binnen zehn Jahren von 63 auf rund 200 an. Drei Viertel davon gehören zum festen Stamm, etwa 50 sind Leiharbeiter. „Gleichzeitig haben wir den Personalkostenanteil an unserem Umsatz von 60 Prozent auf etwa 30 Prozent halbiert“, sagt Büthe. „Wir sind einfach viel effektiver geworden“, ergänzt der Betriebsratsvorsitzende Marc Hülsemann.
Nachdem es früher manch heftigen Konflikt zwischen der Geschäftsführung und der Belegschaft gab, ziehen inzwischen alle an einem Strang. Es habe „Zeit gebraucht für das gegenseitige Verständnis, dass die Kunden und der Markt das Wichtigste sind“, sagt Büthe. „Die Kurzarbeit im Krisenjahr 2009 hat uns zusammengeschweißt“, sagt der Betriebsratsvorsitzende dazu. Nachdem die ersten Monate von einem geradezu dramatischen Rückgang der Aufträge geprägt waren, ging es ab Ostern bereits wieder aufwärts. „Wir haben auch während der Krise investiert“, sagt Büthe. Umso schneller konnte das Unternehmen auf die verbesserte Auftragslage reagieren. Das Resultat: schwarze Zahlen im Gesamtjahr und sogar Bonuszahlungen für alle Mitarbeiter. „Die Belegschaft hat verstanden, was sichere Arbeitsplätze wert sind“, sagt Hülsemann.
Einen wichtigen Grund für den Erfolg der Firma Bergmann Automotive in den vergangenen Jahren sieht Geschäftsführer Büthe in der Unabhängigkeit und der Flexibilität des Familienunternehmens. „Hier kämpfen wir alle für unseren Standort. Das unterscheidet uns von einem Konzernbetrieb.“ Bergmann setzt ganz auf zufriedene Kunden, einen vernünftigen Kundenmix und zugleich möglichst langfristige Lieferverträge mit den Abnehmern. „Deshalb sehen wir den Horizont ganz positiv“, sagt Büthe.
Eine Bestätigung für seinen Kurs hat das Unternehmen im vergangenen Jahr von dem mexikanischen Konzern Nemak erhalten. Der weltweit tätige Metall- und Motorenteilekonzern hat von seinen mehr als 7000 Zulieferbetrieben die besten 15 ausgewählt und mit einem „Excellence Award“ geehrt – Bergmann Automotive war dabei. „Das ist schon eine große Anerkennung für uns“, sagt Büthe und erinnert sich gern an den Festakt zur Verleihung der Trophäe in Mexiko.
Einen Termin für die Feier zum zehnjährigen Betriebsbestehen zu finden sei wegen der seit Monaten andauernden Vollauslastung gar nicht so einfach gewesen, sagt der Geschäftsführer. Letztlich hat sich Bergmann Automotive für einen Familientag entschieden, der morgen von 12 bis 18 Uhr auf dem Firmengelände an der Gießereistraße gefeiert wird. „Wir wollen den Angehörigen unserer Mitarbeiter den laufenden Betrieb zeigen“, sagt Büthe. Die Gäste können die Gießerei und die Zerspanungsanlagen erleben, auf denen die Eingussbuchsen ihre endgültige Form erhalten. Auch ein Kinderprogramm ist geplant.
SN-Online.de Anmeldung
