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Brauer mit Herz und Hand statt Informatiker mit Laptop

Landkreis / 140 Jahre Brauer mit Herz und Hand statt Informatiker mit Laptop

Mit Stolz und einer großen Portion Respekt vor der Leistung der Vorfahren blickt Friedrich-Wilhelm Lambrecht dem Firmenjubiläum der Schaumburger Privat-Brauerei in wenigen Wochen entgegen.

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Brauereichef Friedrich-Wilhelm Lambrecht ist stolz auf die 140-jährige Geschichte seines Familienunternehmens. Lambrecht selbst führt die Schaumburger Privat-Brauerei in fünfter Generation seit zehn Jahren. 

Quelle: bes

Landkreis (bes). Die 140-jährige Unternehmensgeschichte ist für den Brauereichef nach eigenen Angaben auch mit einer entsprechenden Verantwortung für die Mitarbeiter verbunden, zumal er die Leistung der Vorfahren auch als Ansporn versteht, den Betrieb irgendwann einmal an seine Nachkommen weiterzugeben.

„1873, im Jahr der Gründung der Schaumburger Privat-Brauerei, gab es im Deutschen Reich 22 000 Brauereien. Von diesen sind nur noch 600 übrig geblieben“, umschreibt Lambrecht die Bedeutung des 140. Geburtstags. Zudem gehört das von ihm geführte Unternehmen zu den letzten Privatbrauereien in Niedersachsen. „Die Härke-Brauerei hat Insolvenz angemeldet und ist in ihrer Existenz bedroht. Sollte sie schließen, gibt es nur noch vier Privatbrauereien in Niedersachsen.“

Dass in Stadthagen noch eine solche zu finden ist, schreibt er auch der Innovationsfreude und Aufgeschlossenheit seiner Vorgänger und Vorfahren zu. „Als es die ersten Lastwagen gab, haben sie auch solche angeschafft“, führt Lambrecht aus. Doch nicht nur bei der Logistik war die Schaumburger Privat-Brauerei ganz vorn mit dabei. „1897 wurde eine dampfbetriebene Eismaschine angeschafft.“ Diese hatte für die Qualität des Bieres eine entscheidende Bedeutung und trug dazu bei, dass sich die Schaumburger Privat-Brauerei am Markt halten konnte. „Schon an der Wende zum 20. Jahrhundert gab es ein Brauerei-Sterben“, erzählt Lambrecht. Unternehmen, denen das Geld für Innovationen fehlte, verschwanden schnell vom Markt. „Man muss sich den Bedürfnissen anpassen und immer wieder das, was man macht, überprüfen und hinterfragen“, beschreibt der Brauerei-Chef, der seit zehn Jahren die Geschicke des Traditionsbetriebes als geschäftsführender Gesellschafter bestimmt, sein Credo.

Einen Boom erlebte das Unternehmen, das bereits in fünfter Generation von der Familie Lambrecht geführt wird, im frühen 20. Jahrhundert, als der Bergbau im Schaumburger Land Arbeitskräfte anlockte. „Während der Kriege war es hingegen schwer, an die Rohstoffe zu kommen, sodass die Einnahmen einbrachen“, führt Lambrecht aus. Doch auch diese Krisenzeiten konnte das Unternehmen meistern. Einen Aufbruch in die neue Zeit bedeutete 1952 dann der Verkauf des letzten Pferdefuhrwerks.

„In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg und den Entbehrungen wollten die Menschen wieder genießen“, verortet der Geschäftsführer die nächste Aufschwungphase des Unternehmens. Damit die Schaumburger Privat-Brauerei die Qualitätsanforderungen und Ansprüche der Kunden erfüllen konnte, wurde kontinuierlich in den Betrieb investiert, so etwa in neue Gärtanks und ein neues Sudhaus. „Das waren Kosten in Millionenhöhe.“ Doch nicht nur zur Qualitätssicherung nahm die Familie immer wieder viel Geld in die Hand, auch die Produktionssteigerung wurde dadurch erreicht. „Wir verkaufen im Jahr 50 000 Hektoliter.“

Beliefert werden hauptsächlich Gaststätten und Getränkemärkte in Schaumburg und den angrenzenden Regionen. „Es gibt auch Restaurants, die seit der Gründung 1873 unsere Kunden sind, etwa den ‚Schwarzen Adler‘ in Stadthagen und das Gasthaus Steuber in Wiedensahl sowie die Gaststätte Dörmann in Gorpsen/Vahlsen.“

Doch auch andere Kundenkreise geraten zunehmend ins Blickfeld Lambrechts. „Wir haben seit zweieinhalb Monaten einen Onlineshop.“ Über diesen beziehen mittlerweile Biertrinker aus der gesamten Republik die 16 Sorten der Schaumburger Privat-Brauerei. Die Rückmeldungen seien dabei sehr positiv. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, gibt sich Lambrecht zufrieden.

Einen Grund für diesen Erfolg sieht der Brauerei-Chef in einem allgemeinen „Trend zur Regionalität“. „Die Menschen wollen Unverwechselbarkeit und Qualität statt eines Einheitsbieres mit austauschbarem Geschmack.“ Daher setzt Lambrecht auf „Brauer mit Herz und Hand statt auf Informatiker mit Laptop“.

In dieser Verbindung aus Regionalität, Authentizität und dem Sinn für Qualität, Innovationsfreude und der Flexibilität, um die Wünsche und Anregungen der Kunden umzusetzen, sieht der Brauerei-Chef auch die Chance für das Überleben des Traditionsunternehmens. Als große Herausforderungen sieht er den Konkurrenzdruck und die gesellschaftlichen Veränderungen. Diese gelte es zu meistern, schließlich will Lambrecht die Erfolgsgeschichte des Traditionsunternehmens um ein paar Kapitel reicher machen.

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