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Der Letzte macht die Stalltür zu

Landkreis / Landwirtschaft Der Letzte macht die Stalltür zu

„Früher hing bei meinem Großvater ein Stich auf dem Stand – ,Was Du ererbst von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen‘“, erzählt Hartmut Stock. Als Spross einer Familie, die seit Generationen in der Landwirtschaft tätig ist, wuchs er in dieser Tradition auf. „Unser Betrieb in Strücken lässt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen.“

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Tagsüber ist Hartmut Stock für den Landvolk-Service von Alfeld bis Syke tätig, abends bestellt er Felder, erntet Weizen und macht Heu. © Schrader

Landkreis (bes). Doch derzeit sieht es so aus, als ob Hartmut Stock der Letzte in einer langen Reihe von Bauern sein wird, die den Rintelner Ortsteil geprägt haben. Mittlerweile verdient er sein Geld als Versicherungsmakler und ist Gebietsleiter beim Landvolk-Service. Die Landwirtschaft betreibt er nur noch im Nebenerwerb.

Von den mehr als 3000 Schaumburger Höfen im Jahr 1949 sind heute nur noch 600 übrig geblieben. „Davon wer-den etwa 300 im Vollerwerb betrieben, die andere Hälfte läuft im Neben- oder Zuerwerb“, erklärt Friedrich Wilharm, Geschäftsführer des Landvolks Weserbergland. Dabei sei ein Großteil der Höfe nicht von einem Tag auf den anderen aufgegeben worden. „Es kommt oft vor, dass die Landwirte vom Vollerwerb in den Neben- oder Zuerwerb umsteigen und schließlich ganz aufhören“, so Wilharm weiter. Insbesondere wenn der Betrieb an die Kinder weitergegeben wird, werde ein solcher Schritt vollzogen. „Diese führen dann mit ihren Vätern gemeinsam, den Hof weiter, bis der Senior nicht mehr kann.“

Auch bei Hartmut Stock vollzog sich dieser Wandel schleichend und in kleinen Schritten. „Ich habe den Betrieb 1986 übernommen“, erzählt der Strückener. Zuvor hatte er seinen Realschulabschluss gemacht, eine Lehre abgeschlossen und die Landwirtschaftsschule absolviert. Zehn Jahre nachdem er den Hof übernommen hatte, entschied er sich, seine Schweine zu verkaufen. „Die Struktur war zu klein, der Weizenpreis war sehr hoch, und Schweine waren billig.“ Ein Festhalten daran habe sich einfach nicht mehr gelohnt. Kurze Zeit später gab er auch seine Kühe ab. Eine Änderung seitens der Behörden bei den Hochwasserflächen betraf auch sein Land. „Ich hatte keine Futterflächen mehr“, sagt er knapp. So habe er sich dann entschlossen, auch mit diesem Bereich aufzuhören.

„Ich hatte das Glück, dass ich als Hobby nach der Arbeit für den Landwirtschaftlichen Versicherungsverein Münster gearbeitet habe.“ Aus dem Hobby wurde im Lauf der Zeit eine Halbtagsstelle, später eine Dreiviertel-Stelle und sieben Jahre später ist der Versicherungsfachmann und staatlich geprüfte Landwirt schließlich Gebietsleiter beim Landvolk-Service. Das zu betreuende Gebiet reicht dabei von Syke bis Alfeld. „Wir betreuen etwa 3000 Betriebe.“ In der Landwirtschaft ist er nur noch nebenbei tätig. „Jetzt kann ich bald dazu Hobby sagen“, lacht Hartmut Stock.

In den vergangenen 40 Jahren hat sich in der Landwirtschaft ein tief greifender Strukturwandel vollzogen. Die Globalisierung und der demografische Wandel haben ihre Spuren hinterlassen. „In den Boomzeiten von Otis und Alcatel hat es viele aus der Landwirtschaft in die Fabriken gezogen“, erklärt Wilharm. Aus dem Vollerwerb wurde Zu- oder Nebenerwerb. Eine Umkehr sei schwierig, auch weil die Globalisierung zudem dafür gesorgt hat, dass die Betriebe immer größer werden.

Zwar geben im Durchschnitt pro Jahr zwei bis drei Prozent der Betriebe auf, die Nachfrage nach Land sei aber ungebrochen, führt der Landvolk-Geschäftsführer aus.
Wurden früher Ställe für Hunderte Schweine gebaut, seien jetzt Anlagen für 2000 üblich. Und auch bei anderen Produkten lasse sich die Entwicklung beobachten, dass der Landwirt immer stärker zum Unternehmer und Agrarfabrikanten wird. „Früher haben wir gesagt: ,Was interessiert es uns, wenn in China ein Sack Reis umfällt.‘ Heute müssen wir erkennen, dass es uns schon betrifft. Der Weltmarkt ist auf dem Hof angekommen“, stellt der Landvolk-Geschäftsführer fest.

Auch für die Zukunft rechnet er mit einem Rückgang der Hof-Zahlen, insbesondere bei den Nebenerwerbslandwirten. „Zusätzlich zum Job müssen sie rechtliche Voraussetzung erfüllen, Scheine erwerben und sich auch fachlich weiterbilden.“ Und dann sei da auch noch das Problem, die Instandhaltung der großen Gebäude eines ehemaligen Vollerwerbshofs mit dem Nebenerwerb zu finanzieren.

Auch Hartmut Stock wird wahrscheinlich der letzte Landwirt in einer langen Reihe sein, denn seine Tochter hat andere Interessen. Und dann geht erneut ein Stück einer jahrhundertealten Tradition zu Ende.

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