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Die Bodenständigen

SN-Serie: Schaumburger Unternehmen Die Bodenständigen

Als „Akademische Lehrredaktion“ unterstützen die SN die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) bei der Ausbildung junger Medienwissenschaftler. Im Zuge dieser Kooperation haben Studierende aus Hannover Schaumburger Unternehmer porträtiert. Teil 2 unserer kleinen Serie: Ulrich Krückeberg und Kurt Hüther.

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Mehr als nur die Trainerfrau

Ulrich Krückeberg steht mit Leib und Seele hinter seinen Produkten.

STADTHAGEN. Das große weiße Gebäude ist ein wenig in die Jahre gekommen. An einer Stelle blättert der Putz, daneben ragt ein Kabel aus der Mauer: Die erste Begegnung mit den OBO-Werken fällt ernüchternd aus. Neben der geschlossenen Eingangstür befindet sich ein Telefon mit den Nummern von Ansprechpartnern. Wer rein möchte, muss zum Hörer greifen.

 Doch der äußere Schein trügt. Der Empfang fällt sehr herzlich aus. Eine freundliche Mitarbeiterin öffnet die Tür, der erste Eindruck ist sofort verflogen. Die Türen zu den anliegenden Büros stehen einladend offen. Im Eingangsbereich hängt eine riesige Tafel, auf der in vielen verschiedenen Sprachen „Willkommen“ steht. Daneben sind kleine, verschiedenfarbige Kunststoff-Klötze aufgebaut, die bei OBO für den Modellbau hergestellt werden.

 Ulrich Krückeberg, einer der beiden Geschäftsführer, kommt um die Ecke. In seinem legeren Holzfällerhemd vermutet man in ihm nicht gleich einen Manager. „Das sind unsere kleinen Muster“, erklärt er, und die Begeisterung für die Sache ist bei ihm sofort zu spüren. Mit Leib und Seele steht er hinter seinen Produkten. OBO fertigt Kunststoffe für den Modellbau. Aus dem gefertigten Materialklotz können Unternehmen, etwa aus der Flugzeug-, Auto- und Möbelindustrie, ihre Prototypen „schnitzen“. Krückeberg erläutert den Entstehungsprozess: „Erst kommt die Zeichnung, dann die computeranimierte Darstellung, das Testmodell und schließlich die Serienfertigung.“

 Sprecher der Geschäftsführer ist Kurt Hüther. Auch er wirkt auf Anhieb sympathisch. Lockere Art, unkompliziert, weniger in sich gekehrt als Krückeberg. Die beiden Geschäftsführer – das spürt man sofort – könnten vom Naturell her kaum unterschiedlicher sein, ergänzen sich aber gerade deshalb so gut. Beide stehen mit ganzer Energie hinter den OBO-Werken und legen Wert auf ein harmonisches Klima im Unternehmen.

 Kunststoff-Mustertypen auf dem Schreibtisch

 Krückeberg ist verantwortlich für die technischen Vorgänge. Sein Arbeitsplatz liegt daher gleich neben der Produktion. Nur durch eine Glastür verbunden, das Büro seiner beiden engsten Mitarbeiterinnen. „Ohne sie geht nichts“, sagt er anerkennend. Auf dem Schreibtisch des 54-Jährigen findet man wieder die kleinen Kunststoff-Mustertypen. Die unterschiedlichen Farben, von Pink über Orange bis Terracotta, Türkis, Creme und Sahara, stehen für die jeweilige Dichte.

 Hinter dem Schreibtisch befindet sich ein großes Regal mit Ordnern. Dekoration oder persönliche Gegenstände sucht man vergeblich. Hier herrscht Sachlichkeit.

 Hüther hat sein Büro gleich am Eingang der Firma. Er beschäftigt sich mit dem Vertrieb und allem Kaufmännischen, kennt ebenfalls jeden Mitarbeiter mit Namen. Auch seine Tür steht meistens offen.

 Krückeberg hat sein ganz eigenes System, um das Unternehmen sympathisch und herzlich wirken zu lassen. Frei nach der Philosophie: Wir bleiben bodenständig, wir brauchen keinen Schnickschnack. Eine ganze Regalwand hinter seinem Schreibtischstuhl macht einmal mehr deutlich, dass das Unternehmen nicht erst seit gestern existiert. Seit 148 Jahren residiert die Firma schon am Stadthäger Bahnhof. Die OBO-Werke wurden 1869 von dem Bremer Kaufmann Otto Bosse Junior als Dampfsägewerk gegründet. Zigarrenboxen und Festholz-Produkte haben das Unternehmen einst zu einem der größten Betriebe der Kreisstadt werden lassen.

Gern am Geschehen

 Verlässt man Krückebergs Büro und biegt um die nächste Ecke, tauchen schon die riesigen Produktionshallen auf. „Ich bin gern direkt am Geschehen“, erzählt der Geschäftsführer, „so kann ich immer rübergehen, wenn irgendwas ist.“ Auf dem Weg in die Fabrikhallen werden alle Mitarbeiter gegrüßt, fast jeder mit Vornamen. Krückeberg legt regelmäßig einen kurzen Stopp bei Ralf Möller ein, dem Leiter der Versandabteilung, seit 1984 im Unternehmen. Auch ein Gespräch mit Bettina Peters, Mitarbeiterin in der Vertriebs- und Marketingabteilung und seit 1986 dabei, gehört zum Arbeitsalltag. Was gibt es Neues? Ein gutes Miteinander ist allen wichtig – das ist hier einmal mehr zu spüren.

 Das Labyrinth aus Werkstätten, Produktionshallen und Lagerräumen entpuppt sich als ein 60000 Quadratmeter großes Gelände. Das entspricht ungefähr acht Fußballfeldern – und der Geschäftsführer als Trainer und Schiedsrichter ist immer mittendrin. Ulrich Krückeberg hat trotzdem alles im Blick.

 In jeder Abteilung steht mindestens ein Radio. Aus den verstaubten Boxen ertönt Musik. „Je weniger Mitarbeiter in einer Abteilung arbeiten, desto weniger wird um den besten Radiosender gestritten“ sagt Krückeberg schmunzelnd. Und macht keinen Hehl daraus, dass Schlagermusik nicht seine Sache ist.

 Beim Rundgang wird immer wieder kurz gestoppt, um Smalltalk mit einigen Mitarbeitern zu halten. Der Eindruck, dass der Technik-Chef über jeden noch so kleinen Produktionsvorgang Bescheid weiß, bestätigt sich immer mehr. Als Chef im deutschen Mittelstand könnte er vermutlich jeden Job seiner Mitarbeiter selbst übernehmen. Da macht ihm keiner was vor. Das liegt wohl auch daran, dass der heutige Geschäftsführer schon während seiner Studentenzeit Praktika absolviert und auch seine Diplomarbeit bei OBO geschrieben hat. Nach dem Studium ist er fest in das Unternehmen eingestiegen, zunächst als Mitarbeiter in der Fertigungssteuerung. Sechs Jahre hat er dann später in einem anderen Unternehmen in der Möbelindustrie gearbeitet, aber 2000 hat es ihn wieder hierher verschlagen. Damals als Leiter der Arbeitsvorbereitung und Produktionsleiter.

2005 kehrte Hüther zurück nach Stadthagen

 Auch Hüther hat seine Karriere früh begonnen: 1986 startete er das erste Mal bei den OBO-Werken – für fünf Jahre. Aufgrund eines Eigentümerwechsels 1994 verließ er das Unternehmen und fing bei Hornitex in Horn-Bad Meinberg an. Doch 2005 kehrte auch er zurück nach Stadthagen.

 2008 dann die Chance für Krückeberg und Hüther. Ihnen wird die Geschäftsführung angetragen. Und sie bewähren sich. Mehr noch: Es gelingt ihnen, die Produktpalette der OBO-Werke von drei auf elf Sorten zu verbreitern. Das Unternehmen wächst und wächst.

 Ein großer Vorteil für Krückeberg: Er wohnt mit Frau und Tochter direkt nebenan. Für den Geschäftsführer ist es sehr praktisch. Er muss in der Mittagspause nur kurz rübergehen, um zu essen und zu entspannen. „Das tut manchmal wirklich gut, für einen Moment keine Mails zu lesen und einfach mal eben abzuschalten.“

 Offenes Ohr für die Mitarbeiter

 Lagerist Rainer Hage hat heute Geburtstag. Auf seinem täglichen Rundgang durch den Betrieb macht Ulrich Krückeberg einen Abstecher, um ihm persönlich zu gratulieren. Für den Geschäftsführer ist das selbstverständlich, was seine Mitarbeiter sehr zu schätzen wissen. Von den meisten weiß er viel Privates. Auch, wenn es mal irgendwo Probleme gibt. Der Chef hat ein offenes Ohr für jeden und hilft, wo er kann.

 Viele seiner Leute wurden vom Arbeitsamt vermittelt oder kommen von Zeitarbeitsfirmen. Wer sich bewährt, hat gute Chancen, übernommen zu werden – was in der Vergangenheit schon häufig vorgekommen ist. Aber auch so werden keine Unterschiede gemacht. Jeder trägt gleich viel zum Gelingen bei.

 Krückeberg und Hüther legen dabei großen Wert auf Bodenständigkeit. So wurde vor Kurzem eine Chemikerin mit dem Auftrag eingestellt, an der Herstellung von Kunststoffen und deren Verarbeitung zu forschen. Die Frau stammt aus der Kreisstadt. Alles passte von Anfang an perfekt, heißt es.

 Warum also sollte das Unternehmen einen Fachmann aus einem anderen, möglicherweise zwar renommierten Unternehmen abwerben, wenn es direkt vor der Tür jemanden gibt, der mindestens genauso qualifiziert ist? Es ist auch dieses bodenständige Denken und Handeln, das den beiden Geschäftsführern in den vergangenen Jahren zu einem so nachhaltigen Erfolg verholfen hat.

Die Autorinnen

Anne Wolters  kommt aus Hameln und studiert Medienkommunikation und Journalismus im vierten Semester an der FHM Hannover. Schon immer hat sich die 23-Jährige für die aktuellsten Nachrichten interessiert und findet Spaß am Schreiben. In ihrer Freizeit verbringt Anne die meiste Zeit im Stall bei ihrem Pferd. In der Zukunft sieht sie sich als Journalistin.
Aus der Nähe von Holzminden kommt Smajla Rievers (22). Sie studiert im fünften Trimester Medienkommunikation & Journalismus an der FHM Hannover. Schon immer hat sie das Medium Fernsehen fasziniert, weswegen sie zukünftig auch in der Fernsehbranche tätig werden will.

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