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Wirtschaft lokal „Die Hemmschwelle ist bei vielen hoch“
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19:48 10.02.2011
Anna-Lena Witte absolviert im Autohaus Sölter eine Ausbildung zur Mechatronikerin. © aw

Landkreis (aw). Dort absolviert sie eine Ausbildung zur Mechatronikerin. „Autos haben mich schon immer interessiert“, erzählt sie. Vor allem die aufgedonnerten – neudeutsch: „gepimpten“ – Tuning-Wagen hatten es ihr anfangs angetan. Davon ist sie aber mittlerweile abgerückt und bevorzugt jetzt ein eher moderates Tuning.
Angefangen hat sie ihre Ausbildung bei „Mobile Partners“, nach der Insolvenz des Unternehmens wurde sie vom Autohaus Sölter übernommen, wo sie, wie sie selbst erzählt, mit offenen Armen empfangen wurde.

Obwohl ihnen schon seit Jahren alle Ausbildungsberufe offenstehen, wählen junge Frauen – anders als Witte – meist einen der klassischen „Frauenjobs“. Und die männlichen Auszubildenden tun es ihnen gleich und wählen die typischen „Männerberufe“, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat.

In den Elektroberufen beispielsweise liegt der Frauenanteil bei nur 4,6 Prozent. Bei den Metall- und Anlagenbauern sind nur 1,6 Prozent Frauen, und bei den Maurern liegt ihr Anteil bei verschwindend geringen 0,2 Prozent. Immerhin: 25,1 Prozent der Unternehmer in Deutschland sind Frauen.

Das weibliche Geschlecht scheint, glaubt man der Statistik, prädestiniert zu sein für die Kosmetik – Frauenanteil 96,6 Prozent –, für Haus- und Ernährungswissenschaften (94,9 Prozent) und für die Krankenpflege (91,3 Prozent).
Zwar sieht es im Landkreis Schaumburg in Sachen „Geschlechtertrennung“ nicht ganz so dramatisch aus wie auf Bundesebene, erklärt Fritz Pape von der Kreishandwerkerschaft: „Wir haben mittlerweile im Kfz- und auch im Baubereich, sogar im Metallbauer-Sektor durchaus das eine oder andere Mädchen in der Ausbildung.“ Woran es aber liegt, dass Männer und Frauen jeweils für ihr Geschlecht „typische“ Berufe ergreifen, kann er sich nicht erklären.

„Die Hemmschwelle bei vielen ist halt hoch“, meint Witte. Viele Frauen hätten Probleme damit, mutmaßt sie, nur mit Männern zu arbeiten. Da gebe es auch Vorurteile. „Frauen sind halt viel komplizierter.“

Sie selbst schätze die Zusammenarbeit mit ihren Kollegen, erklärt Witte. Der Ton sei zwar manchmal hart, „aber daran gewöhnt man sich“.

Wittes Aufgabenbereich umfasst das komplette Programm: Inspektionen, Ölwechselservice, Abgasuntersuchung und die Neuwagen-Übergabe. Bei Reparaturen ist sie ebenfalls dabei. Ihre Ausbildung führt ihr aber auch ihre physischen Grenzen vor Augen: „Man merkt schon, dass man als Frau körperlich benachteiligt ist.“

Es brauche Durchsetzungsvermögen, sagt sie, um in einem „Männerberuf“ wie dem des Mechatronikers bestehen zu können. Vorurteile seien dabei kein großes Problem, nur ganz am Anfang sei sie damit konfrontiert worden. Das habe sich aber inzwischen gelegt, und einige Auszubildende aus ihrer Klasse – Witte besucht die Berufsbildenden Schulen Stadthagen (BBS) – seien sogar froh darüber, auch eine Mitschülerin zu haben.

Die Kunden, erzählt Witte, seien am Anfang manchmal verdutzt und fragen nach, freuen sich dann aber meistens. „Man muss sich halt überall neu beweisen.“