Rinteln (dil). „Ende 2008 hatten wir den Bedarf, platzten fast aus allen Nähten. 2009 erwischte uns dann die Konjunkturkrise mit 23 Prozent Umsatzrückgang“, erinnert sich Geschäftsführer Rose. „Aber da hatten wir schon zu bauen angefangen. Jetzt sind wir aber wieder auf einem guten Weg, haben nun viel Platz – werden da aber hineinwachsen.“ Und Vater Friedhelm Rose ergänzt: „Wir haben Vertrauen in die Märkte, und in der Krise baut man einfach günstiger.“ Die Stahlpreise seien zum Beispiel in den Keller gegangen. Auftragnehmer der Erweiterung waren fast ausschließlich heimische Firmen.
Im Vertrauen auf eine wieder bessere Zukunft hat Rolec seine 90 Beschäftigten gehalten, zeitweise über Kurzarbeit. „Wir brauchten mehr Büros“, sagt Matthias Rose. 480 Quadratmeter kommen hinzu, die gesamte Straßenfront. Die zuvor dort beheimateten Teile der Produktion befinden sich jetzt in den beiden neuen Hallen an der Rückseite des Geländes zwischen Warenlager und Rohstofflager. Das 11 000 Quadratmeter große Grundstück ist nun zu 60 Prozent bebaut. „Baulich voll ausgereizt“, nennt das Rose senior. An der rückwärtigen Grundstückskante wurde eine Zufahrt gepflastert, sodass die Feuerwehr im Notfall rasch überall hinkommt.
Neu sind auch die beiden Eingangsbereiche – überdacht wie mit einem Baldachin. Lieferanten und Gäste kommen nun trockenen Fußes ins Gebäude, wenn sie dort anhalten. Erheblich verbessert wurde die Energieeffizienz. Das beginnt mit der Außenbeschattung der Büros, die sofort fünf Grad niedrigere Innentemperaturen brachte. Die Produktionshallen wurden vorher nur einfach beheizt, Kühlen ging nicht. Jetzt gibt es eine komplett neue Belüftung. Rose junior: „Nachts lassen wir die kühle Luft hinein.“
Bessere Wärmeisolierung gehört zum Energiesparkonzept, aber vor allem die Wärmerückgewinnung. Zwei 5000 Liter Wasser fassende Tanks speichern Abwärme der Kompressoren und Brennöfen, die in der kühleren Jahreszeit zum Heizen benutzt werden kann. Im Sommer geht Warmluft weiter nach draußen. Daneben steht ein Blockheizkraftwerk, das mit Gas 15 Kilowatt Strom erzeugen kann, aber auch 30 Kilowatt Wärme. „So wird der Brennstoff Gas optimal genutzt, wenn wir heizen müssen“, sagt Matthias Rose.
Neu ist auch das Hochregallager. Bis in 9,50 Meter Höhe stapeln sich dort Paletten mit Rohstoffen. Die Regalwände lassen sich auf Schienen auseinander- und zusammenschieben, sodass nicht unnötiger Platz für zu viele Durchfahrtgassen verloren geht. An der gegenüberliegenden Wand ragen zwei graue Türme bis zur Decke. In ihnen befindet als Paternoster-System das Kleinteilelager, computergesteuert kann man sich jedes gewünschte Schräubchen heranholen.
Das Unternehmen arbeitet in der Spannung mit drei Schichten, in der sonstigen Produktion mit einer bis eineinhalb, in Verwaltung und Vertrieb mit einer Schicht. Nach einem mit Beratern ausgeklügelten Plan erfolgten die Umzüge von Maschinen und Büros an ihre neuen Plätze. Vertriebsmitarbeiter waren verstärkt von zu Hause aus tätig. Seniorchef Friedhelm Rose verzichtet zugunsten anderer zeitweise auf sein Büro. Im September kehrt dann wieder Ruhe ein.
Das Unternehmen sieht sich als Technologieführer bei Gehäusetechnik, aber nicht als Weltmarktführer. „Unsere Stückzahlen pro Kunden liegen oft unter 50, dafür bekommt dieser aber Bearbeitungswünsche gleich mit erfüllt“, sagt Friedhelm Rose. „Das kostet mehr als bei Massenherstellern, aber es spart wiederum Geld und Zeit, weil bei Konkurrenzprodukten noch nachgearbeitet werden muss.“ Rund 500 Gehäuseformen bis 80 mal 80 Zentimeter Größe gibt es bei Rolec, durch unterschiedliche Varianten auf rund 3000 Katalognummern verteilt. Die Exportquote liegt knapp über 50 Prozent. Für europäische Kunden wird „just in time“ produziert und geliefert, für den Überseemarkt liegen Grundprodukte auf Lager, um trotz des Seeweges schnell liefern zu können. Patente hält das Unternehmen weltweit, in China tauchten allerdings schon Kopien von Rolec-Gehäusen zum Billigpreis auf. „Aber in Ländern mit unseren Patenten dürfen die nicht verkauft werden“, sagt Friedhelm Rose.
Durch die Neubauten habe Rolec seinen Produktionsfluss wesentlich verbessert. Die Kapazitäten reichten nun auch bei Konjunkturanstieg für mindestens 15 Jahre, so Rose junior. Bauliche Reserven gibt es nun nur noch nach oben.
„Klein, flexibel und individuell auf Kundenwünsche eingehen“ – so lautet auch künftig das Erfolgsrezept, das auskömmliche Preise sichert. Das Unternehmen hat rund 1500 aktive Kunden in Deutschland und im Schnitt etwa 500 weitere bei jeder der 20 Auslandsvertretungen.
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