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Wirtschaft lokal Drei Schlecker-Filialen sollen dichtmachen
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18:23 14.03.2012
Die Rodenberger Schlecker-Filiale soll am 24. März geschlossen werden. Quelle: aw

Landkreis (aw, par, kcg). Wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte, werden mit den jetzt vorgelegten Plänen insgesamt rund neun Mitarbeiterinnen ihre Stelle verlieren. Nach SN-Informationen soll am 24. März Schluss sein. Das zuständige Betriebsratsbüro war am Mittwoch nicht zu erreichen.

Nein, sie wolle nichts sagen, erklärte die Mitarbeiterin eines Schlecker-Marktes. Die Stimmung unter den Mitarbeitern beschreibt sie als „beschissen“. Von einem Sozialplan habe sie zwar gehört, allerdings noch nichts Konkretes.

Ein ähnliches Bild bietet sich im Bad Nenndorfer XL-Markt. Die Nachricht sei am Dienstagabend per Fax gekommen, hieß es dort. Seit heute sind im Markt Rabatt-Schilder aufgestellt. Alles soll ab sofort mit 30 Prozent Nachlass angeboten werden. Wie es für die Mitarbeiter weitergeht, ist noch ungewiss.

„Die Situation ist sehr bescheiden. Selbst wenn die Filiale erhalten bleibt, ist die Zukunft der Mitarbeiter ungewiss – auch, was die Verträge angeht. Wir wissen nicht, was der Insolvenzverwalter vor hat“, erklärte eine Mitarbeiterin der Stadthäger Schlecker-Filiale, die nicht auf der Schließungsliste zu finden ist. „Erst einmal sind wir natürlich erleichtert, dass es überhaupt weiter geht.“ Die Verkäuferin beklagte sich im selben Atemzug über die ihrer Meinung nach mangelhafte Informationspolitik des Unternehmens, das den Mitarbeitern keinerlei Neuigkeiten zukommen lasse. „Wir erfahren leider alles nur über die Medien und müssen abwarten.“ Für Donnerstag hat die Gewerkschaft ver.di bundesweit Betriebsversammlungen und Kundgebungen angekündigt.

Die Zukunft der ebenfalls insolventen Schlecker-Tochter „Ihr Platz“ und der beiden Filialen in Rinteln und Bückeburg ist dagegen noch offen. Das Büro des dort zuständigen Insolvenzverwalters Werner Schneider wollte sich auf SN-Anfrage nicht zur Zukunft der beiden Filialen äußern. Die Schließungslisten für „Ihr Platz“ würden Anfang kommender Woche veröffentlicht, hieß es.

ver.di fordert Transfergesellschaft

Von Seiten der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, die mit Schlecker über die Zukunft der Mitarbeiter verhandelt, kam am Mittwoch die Forderung nach Unterstützung durch den Bund. „Wir entlassen die Bundespolitik nicht aus ihrer Verantwortung“, teilte Verhandlungsführer Bernhard Franke mit. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die erforderlichen Rahmenbedingungen für eine Transfergesellschaft zu schaffen mit dem Ziel, eine anständige Lösung für die Frauen zu erringen, deren Existenzen bedroht sind.“ Dadurch, so Franke weiter, könne auch eine Welle von Kündigungsschutzklagen verhindert werden.

Nach Abschluss der Verhandlungen am Dienstag gibt es allerdings nach ver.di-Angaben noch keine abschließenden Ergebnisse. Man arbeite nach wie vor an tariflichen Lösungen, so Franke, habe aber inzwischen ein Verfahren für die Sozialauswahl verabredet. „Ich gehe davon aus, dass wir am kommenden Wochenende zu Entscheidungen kommen werden.“ Zur Zukunft der Mitarbeiter in den Schaumburger Filialen konnte die ver.di-Pressestelle in Hannover noch keine Angaben machen.

Tonne: Kompensation notwendig

Der SPD-Landtagsabgeordnete Grant Hendrik Tonne kritisierte die Schlecker-Pläne scharf. Viele der Filialen seien für die Grundversorgung gerade in ländlichen Gebieten unverzichtbar, teilte er in einer Pressenotiz mit. „Wir mussten in den letzten Jahren bereits die Schließungen von Filialen auch im Landkreis Schaumburg ertragen, und jetzt kommt eine zweite Welle“, so Tonne. „Der ländliche Raum benötigt Kompensation.“ Die SPD-Landtagsfraktion will nach eigenen Angaben eine Resolution zu den Schließungsplänen in den Niedersächsischen Landtag einbringen. „Der Landtag muss angesichts der Dimension Druck machen und mehr Zeit für Rettungskonzepte sowie Hilfen vom Bund einfordern“, so Tonne weiter.

Auch die Forderung des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz an die Mitarbeiter, Konzepte für den Erhalt ihrer Filialen vorzulegen, stößt bei Tonne auf Kritik. Es sei in den vergangenen Tagen nahezu unmöglich gewesen, an die dafür notwendigen Daten zu kommen. Dafür müsse es qualifizierte Unterstützung geben, sagte der Landtagsabgeordnete.