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Wirtschaft lokal Investitionsbedarf von Kfz-Werkstätten steigt
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16:30 23.10.2015
Tom Dünnemann sichtet ein Auto. Quelle: js
Landkreis

 „Der Investitionsbedarf steigt enorm“, sagt Erwin Tatge, Obermeister der Kfz-Innung Schaumburg. Gerade für kleinere Werkstätten werde die Modernisierung zunehmend zum Problem. „Alleine die Ansprüche an eine TÜV-Prüfstelle werden beziehungsweise sind sehr anspruchsvoll“, so Tatge weiter. Beispielhaft erwähnt er die Ausrichtung von Scheinwerfern. Dafür ist bei vielen neuen Modellen nicht nur eine komplexe Laser-Technik vonnöten, sondern auch eine Prüfstelle, die mindestens vier Meter gerade Ebene erfordert. „Da werden viele nacharbeiten müssen“, weiß Tatge.

 Auch die Fehlersuche bei defekten Fahrzeugen wird immer komplizierter. „Bei 70, 80 Steuergeräten kann das schon mal eine Weile dauern“, weiß Michael Kauhs, Geschäftsführer des gleichnamigen Opel-Autohauses in Kathrinhagen. Das erfordere nicht nur kostenintensivere und bessere Lesegeräte mit Investitionskosten von 3000 bis 15.000 Euro sowie eine vierstellige jährliche „Miete“ für die Software, sondern auch mehr Zeit. „Aber es ist schwer, die dadurch entstehenden Kosten dem Kunden gegenüber zu rechtfertigen.“ Und dazu kommen noch die Kosten für die eigentliche Reparatur.

 Entgegen der verbreiteten Meinung würden neue Autos dank der komplexen Technik aber nicht öfter kaputt gehen als ältere. „Die Intervalle sind sogar größer geworden“, sagt Tatge. Das liege aber auch daran, dass viele Autofahrer ihre Fahrzeuge bei kleineren Problemen „unter der Hand“ bei Bekannten oder Tankstellenwerkstätten reparieren lassen. „Dadurch fällt ein großer Teil des Gewinns raus. Und nur mit richtigen Problemfällen kann man diesen Ausfall nicht auffangen“, weiß der Geschäftsführer des Ford-Autohauses in Bückeburg.

 Auch innerhalb der Arbeiterschaft führt die zunehmende Modernisierung zu spürbaren Veränderungen. „Man muss sich spezialisieren“, ist sich Kauhs sicher. Das bedeute, dass Monteure in bestimmten Bereichen wie Diagnose oder Karosserieinstandsetzung gezielt geschult werden müssen. „Sonst kann man die enorme Bandbreite an Anforderungen gar nicht mehr decken“, sagt der Opel-Händler.

 Nichtsdestotrotz sollte man den Teufel aber nicht an die Wand malen. „Noch können wir die Autos reparieren“, sagt Innungsmeister Tatge. „Und wir werden alles dafür tun, dass sich die Werkstätten nicht in Austauschwerkstätte verwandeln“. js