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Kein Interesse an anonymen Bewerbungen

Landkreis / Pilotprojekt Kein Interesse an anonymen Bewerbungen

Eine Frau, ausländisch klingender Name, zu alt – manche Jobsuchende haben in Deutschland trotz bester Qualifikation schlechte Karten. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat vor Kurzem die Ergebnisse eines Pilotprojektes vorgestellt, bei dem große Unternehmen ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren gestestet haben.

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Das anonyme Bewerbungsverfahren soll Chancengleichheit sichern. In Schaumburg findet es aber kaum Zuspruch.

Quelle: dpa

Landkreis. Landkreis (aw, kle). Die Schaumburger Unternehmen haben an solchen Verfahren aber offenbar kein Interesse. Unisono sei noch das klassische Bewerbungsverfahren gefragt, heißt es aus Unternehmenskreisen. Insbesondere auf ein Foto werde noch besonderen Wert gelegt. Zum Teil werden „unvollständige“ Bewerbungen sogar zurückgeschickt.

 „Kein Arbeitgeber hat das bisher praktiziert und nachgefragt“, sagt denn auch Cornelia Kurth, Geschäftsstellenleiterin der Bundesagentur für Arbeit in Stadthagen. Auch die IHK Hannover winkt ab. „Mir ist kein Unternehmen bekannt, das anonymisierte Bewerbungsverfahren nutzt“, sagte der Leiter der Stadthäger Niederlassung, Martin Wrede. Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, sieht für das Vorgehen ebenfalls keine Chancen. „Im Handwerk oder insbesondere in kleineren Betrieben wird die Suche nach Arbeitskräften eher regional stattfinden, und die Bewerbungsverfahren verlaufen vielfach so, dass sich ein Arbeitnehmer mit der Bewerbung unter dem Arm beim Betrieb vorstellt.“

Das sagen die Unternehmen

Bei den drei Unternehmen riha Richard Hartinger Getränke in Rinteln, Faurecia in Stadthagen und Bornemann in Obernkirchen sind anonymisierte Bewerbungen kein Thema – aus dem Grund, da die Gleichbehandlung bei ihnen auch ohne ein solches Verfahren gewährleistet sei, so die Vertreter der drei Unternehmen.

„In unserer Unternehmung arbeiten bereits sehr viele unterschiedliche Nationalitäten und auch Frauen mit Kindern“, heißt es von Frank Puderbach, Leiter des Bereichs Zentrales Personalwesen bei riha. „Bewerbungen werden nach den Qualifikationen und beruflichen Stationen bewertet und zu den Vorstellungsgesprächen eingeladen“, dabei seien die genannten Punkte wie Geschlecht und Herkunft nicht relevant.

Auch bei Faurecia sei Gleichbehandlung „ein wichtiges Thema, das in der Ethik-Charta des Unternehmens fest verankert ist“, so Pressesprecherin Kirsten Lattewitz. Die Charta enthält die Vorgabe, dass niemand bei der Einstellung und beruflichen Entwicklung wegen Geschlecht, Hautfarbe und Ähnlichem diskriminiert werden darf. „Und an der internationalen Struktur zum Beispiel in Stadthagen zeigt sich, dass diese Unternehmenskultur auch gelebt wird.“ Dennoch fänden anonyme Bewerbungen „dieselbe Beachtung wie alle anderen“.

Der Obernkichener Pumpenhersteller Bornemann will ebenfalls am bisherigen Bewerbungsverfahren festhalten. Nach den Worten von Marcel Köster, zuständig für Ausbildungsplätze, erstellt das Unternehmen genaue Stellenprofile mit expliziten Vorgaben an die Qualifikation. Diese würden bei jedem Bewerber genau geprüft, andere Kriterien spielten keine Rolle.

Ob anonymisierte Bewerbungen bei Unternehmen, die der Gleichbehandlung keinen so großen Wert beimessen, tatsächlich hilfreich seien, bezweifelt Puderbach. Spätestens beim Vorstellungsgespräch sei keine Anonymität mehr möglich „und das Thema der Diskriminierung beeinflusst eventuell die Entscheidung der verantwortlichen Personen eines Unternehmens über eine Einstellung.“

Weniger ist mehr

Anonyme Bewerbungen sollen vor allem eines erreichen: Chancengleichheit für alle, unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft. Deshalb haben die Teilnehmer des im November 2010 gestarteten Pilotprojektes, darunter die Deutsche Post und „Procter & Gamble“, über zwölf Monate ausschließlich Bewerbungen ohne Namen, Geschlechtsangabe und Foto gesichtet. In den USA gehören anonyme Auswahlverfahren schon seit den sechziger Jahren zum Alltag. In Frankreich läuft seit 2009 ein Pilotprojekt. Dort haben bislang vor allem nordafrikanische Bewerber bei Bewerbungen kaum Chancen. Auch im Schweizer Kanton Zürich wird das Verfahren seit 2007 getestet.

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