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Mehr als nur die Trainerfrau

SN-Serie: Schaumburger Unternehmen Mehr als nur die Trainerfrau

Als „Akademische Lehrredaktion“ unterstützen die SN die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) bei der Ausbildung junger Medienwissenschaftler. Im Zuge dieser Kooperation haben Studierende aus Hannover Schaumburger Unternehmer porträtiert. Teil 1 unserer kleinen Serie: Trainerin Kerstin Hecking.

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Immer gut drauf: Kerstin Hecking beim Trainingskurs in ihrem „Wohnwagen“.

BAD NENNDORF. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel auf die satte grüne Wiese herab. In der Luft liegt ein leichter Windzug, so als würde bald ein Regenschauer das Blau sprengen. Mitten auf der Wiese steht ein Häuschen, es erinnert an einen Wohnwagen. Eine Treppe führt zum Eingang hinauf. Innen ist alles hell. Die Wände sind weiß getüncht, der Boden in warmer, brauner Holzoptik. Es gibt nur diesen einen Raum. Acht Frauen haben sich hier heute versammelt, um gemeinsam Sport zu treiben. Ganz vorn steht Kerstin Hecking. Sie ist nicht nur Kursleitern, sondern auch Besitzerin des selbst gebauten „Wohnwagens“.

Seit zehn Jahren selbstständige Trainerin

 Seit zehn Jahren gibt sie als selbstständige Trainerin verschiedene Sportkurse. Hecking ist aber auch eine kreative Unternehmerin. Gemeinsam mit einer Freundin hat sie das Fitness-Programm „TriloChi“ entwickelt und auf den Markt gebracht. Es verbindet aerobicartige Bewegungen mit entspannenden Elementen aus dem Yoga.

 Während draußen noch immer die Sonne scheint, startet Kerstin Hecking mit Musik in die Stunde. In dem komplett von Fenstern gesäumten Kursraum steht sie in einem bunten Body und grauem Shirt, die schulterlangen, braunen Haare zu einem lockeren Pferdeschwanz gebunden. Lächelnd blickt sie zur Gruppe. Sogar ihre Körpersprache ist entspannt, obwohl das hier ihre Arbeit ist. Entspannung kann man lernen, weiß sie – und genau das will sie auch anderen vermitteln.

 Der Fitnessraum steht auf ihrem Privatgrundstück. Hier lebt sie, in einem Ortsteil von Bad Nenndorf, mit ihrer Familie: Ehemann, fünf Kinder, zwei Hunde, drei Pferde, ein Kaninchen in der Küche – und nicht zu vergessen, zwei Bienenstöcke. Eigentlich ist Kerstin Heckling gelernte Krankenschwester. Nach ihrer Ausbildung hatte sie noch ein Medizinstudium dranhängen wollen. Dann kam alles anders.

Medizinstudium abgeschrieben

 Mit 19 lernt sie ihren Mann kennen, Dieter Hecking, damals noch selbst Fußballspieler in der Bundesliga, heute ein bekannter Profi-Trainer. Kurze Zeit später ist sie schwanger, die erste Tochter wird geboren. „Das Medizinstudium habe ich dann abgeschrieben.“ Heute sagt sie das mit einem Lächeln.

 Hecking lacht oft, obwohl es in ihrem Leben auch nicht immer einfach ist. Aus den Höhen und Tiefen hat sie aber gelernt, sie ist mit ihnen mitgewachsen. Als Spielerfrau, später als Trainerfrau, ist sie es, die sich hauptsächlich um die Kinder kümmert. Nach der ersten Tochter folgt noch eine zweite. Dann erblicken Jungs als Zwillinge die Welt, und schließlich bekommen die Heckings noch Mädchen.

 Fünf Kinder und ein Mann, der ständig unterwegs ist: Über einen Mangel an Arbeit kann sich die Powerfrau nicht beklagen. „So ist das ja meistens“, sagt sie, „wir Frauen stecken eher ein bisschen zurück als Männer.“

 Als der Nachwuchs älter wird, gewinnt sie wieder mehr Zeit für andere Aufgaben. Auf eine Teilzeitstelle in Bad Nenndorf folgen mehrere Ausbildungen im Sportbereich. Schließlich wagt sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Nicht ohne vorher mit ihrem Mann eine Absprache zu treffen: Für jedes Ehejahr als Hausfrau bekommt sie einen festgelegten Betrag – das Startkapital fürs eigene Fitnessstudio. Dass diese finanziellen Möglichkeiten nicht jede Familie hat, ist ihr bewusst. „Natürlich gibt es Leute, die sagen, ‚die kann das nur wegen ihrem reichen Mann`, aber ich mache meine Arbeit ja trotzdem selbst.“

 Die Frau an der Seite eines erfolgreichen Mannes zu sein, das reicht Kerstin Hecking nicht. Sie will sich ihren eigenen beruflichen Erfolg erarbeiten. Mit ihren Kursen ist ihr das längst gelungen. Die Teilnehmer wissen dabei die persönliche, fast schon freundschaftliche Atmosphäre zu schätzen. Zum Abschluss der Stunde wird dann auch schon mal gemeinsam eine Tasse Kaffee getrunken.

Mut zum "Aussortieren"

 Hecking legt Wert auf gute Freundschaften. Einige begleiten sie schon ein Leben lang. Aber sie habe auch den Mut „auszusortieren“, sagt sie. Eine der unschönen Seiten, die der Status „Prominent“ mit sich bringt. Wer nicht ehrlich ist, sich in Wahrheit gar nicht für das Sportangebot, sondern für den bekannten Ehemann interessiert, der hat in ihrem Leben keinen Platz. Über die Jahre habe sie ein sicheres Gefühl dafür entwickelt, sagt Kerstin Hecking. Falschheit mag sie nicht.

 Ortswechsel. Nach dem Kurs gehen wir mit Hecking rüber ins Privathaus. Hier ist die Familie angekommen, nachdem sie jahrelang – durch den Beruf des Mannes bedingt – ständig umziehen musste. Nun war es auch an der Zeit, einen Gemüsegarten anzulegen. „Da drüben“, sagt Kerstin Hecking und zeigt auf eine Blüte, „das sind Zwiebeln. Hab ich letztes Jahr vergessen zu ernten. Jetzt sehen die so aus, auch hübsch.“ Auch heute noch bleibt eben mal was auf der Strecke, schließlich ist die Zeit begrenzt. Diesem Druck ist auch ihr zweiter Unterrichtsraum in Bad Nenndorf zum Opfer gefallen. Eigentlich hatte sie sich mit ihrem kleinen Unternehmen vergrößern wollen. Seit diesem Sommer ist die Dependance geschlossen. Hecking braucht mehr Zeit für ihre jüngste Tochter und das Pferd, denn Voltigieren ist nun zu ihrem gemeinsamen Ding geworden.

 Im Haus geht es durch den Wohnbereich in die Küche. Gemütlich ist es hier. Ein Sofa steht vor einer Wand mit lauter Fotos von der ganzen Familie. Besonderer Bewohner ist hier das Kaninchen, es darf auch mal frei rumlaufen. Auf einer Anrichte steht eine Schale mit Äpfeln. Hecking, noch ihn ihren Sportklamotten, schnappt sich einen und beißt genüsslich rein.

 Es ist still im Haus. Von den fünf Kindern lebt nur noch die jüngste Tochter als „Dauergast“ in dem umgebauten Gutshof. Die anderen vier Kinder sind ausgezogen, studieren und erobern die Welt. Heckings Mann arbeitet zurzeit als Trainer in Mönchengladbach am Niederrhein. So oft es geht, fährt er hoch in den Norden. Oder umgekehrt, sie zu ihm. „Wir sind noch immer so verschossen, da fahre ich auch mal für eine Nacht zur Not runter und morgens wieder hoch“, sagt Kerstin Hecking und schmunzelt.

Botox kommt nicht in Frage

 Das manchmal ziemlich stressige Leben sieht man ihr freilich nicht an. Selbst wenn – stören würde sie es nicht. Jenseits der 40 machten sich viele Frauen Gedanken ums „Jungbleiben“, weiß Hecking. Mit dem Messer oder Botox nachhelfen lassen, das kommt für sie nicht in Frage. Sie schwört auf gesunde Ernährung, Sport und Spaß am Leben. Seit mehreren Jahren lebt sie als Vegetarierin, „obwohl ich mal eine richtige Fleischraupe war“, wie sie sich selber herzhaft lachend beschreibt. Ihre Familie konnte sie dafür nicht begeistern. Im Gegenteil, ihre Kinder habe sie mit ihrer gesunden Ernährung sogar Richtung Fast Food getrieben, räumt sie verschmitzt ein.

 Hecking wirkt wie jemand, der für jedes Problem auch eine passende Lösung hat und dabei immer einen kühlen Kopf bewahrt. Dabei kann ihr auch mal der Kragen platzen, etwa, wenn während der „Familienzeit“ am Handy hantiert wird. Sie selbst hat noch nicht mal WhatsApp, ihre Begeiste-rung für Social Media hält sich in Grenzen. Privates soll privat bleiben.

 Die Uhr auf dem Herd zeigt eins, Zeit für den Pferdestall. Die Tiere müssen versorgt werden, auch wenn es mittlerweile wie aus Eimern schüttet. Danach steht hier im Haus auch noch Arbeit an, Gassi gehen mit den Hunden. Wenn sie dann abends mit ihrem Dieter telefoniert, hat sie ihm mindestens genauso viel zu erzählen wie er ihr.

Die Autorinnen

Stella-Sophie Wojtczak kommt aus Hemmingen. Die 21-Jährige studiert im 4. Semester Journalismus und Medienkommunikation an der FHM Hannover. Am liebsten möchte sie später für „Die Zeit“ in den Ressorts Politik und Wirtschaft schreiben. Derzeit jobbt Wojtczak nebenher als Moderatorin bei „radio leinehertz106.5“. Sophie Ronczka

 Ihre Studienkommilitonin (20) stammt aus Langenhagen. Ihr Medieninteresse gilt vor allem Social Media und dem Bloggen – aber auch seichten Themen rund um Stars und Sternchen. Hier hofft sie, später einen Job in der Branche ergattern zu können.

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Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

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