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Metaller haben „die Faxen dicke“

Landkreis / Warnstreiks Metaller haben „die Faxen dicke“

Angriffslustig ist es am Donnerstag bei einigen Schaumburger Unternehmen zugegangen: Die IG Metall hatte zum Warnstreik aufgerufen. Bei Faurecia in Stadthagen versammelten sich rund hundert Mitarbeiter gegen 12.30 Uhr vor dem Werkstor. Mit Trillerpfeifen, Klatschen und lautstarken „Jawoll!“-Rufen begleiteten sie die Ansprache des Bevollmächtigten der IG Metall Nienburg-Stadthagen Thorsten Gröger.

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6,5 Prozent Entgelterhöhung – so lautet die Forderung der Streikenden vorm Faurecia-Gebäude, die ihrer Meinung nach längst überfällig ist.

Quelle: Foto: jw

Landkreis (jcp), jw). Im Kern ging es um die als unzureichend empfundenen Angebote der Arbeitgeber zu den IG-Metall-Forderungen nach 6,5 Prozent mehr Lohn, mehr Mitbestimmung der Betriebsräte bei der Leiharbeit und einer unbefristeten Übernahme von Auszubildenden. So warf Gröger den Arbeitgebern vor, sie beklagten in Sonntagsgesprächen den Fachkräftemangel, um am Montag ihre Azubis vor die Tür zu setzen.

Außerdem solle Leiharbeit nach dem Willen der IG Metall in Zukunft nur noch bei nachgewiesenen Auftragsspitzen zum Zuge kommen – und nicht, wie es derzeit Praxis sei, um „Leuten für die gleiche Arbeit die Hälfte zu zahlen und sie bei den geringsten Schwierigkeiten schnell rausschmeißen zu können“.

Die Forderung nach mehr Lohn begründete Gröger mit dem „supererfolgreichen Jahr“, das 2011 für die Metall- und Elektroindustrie gewesen sei. Diesen Eindruck bestätigte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jürgen Bittner für Faurecia. Das vergangene Jahr sei in Sachen Gewinn das beste seit 2006 gewesen.

„Konsum hält den Konjunkturmotor am Laufen“, sagte Gröger. Deshalb sei es eine Frage wirtschaftlicher Vernunft, die Reallöhne wieder steigen zu lassen. „Wer kein Geld hat, kann es auch nicht ausgeben“, schimpfte der Gewerkschaftsbevollmächtigte.

„Ein paar mehr hätten es schon sein können“, war es von einigen der Streikenden mit Bezug auf die Teilnehmerzahl zu hören. Der Faurecia-Betriebsratsvorsitzende Fred Hartmann bat um Verständnis. Man solle es den Mitarbeitern nicht übel nehmen, dass sie die Gelegenheit genutzt hätten, um einmal etwas früher nach Hause zu gehen. In vielen Bereichen würde aufgrund der sehr guten Auftragslage deutlich mehr gearbeitet. Mindestens ein Kollege wollte das nicht akzeptieren. „Das ist keine Entschuldigung!“, schmetterte er zurück.

Gestreikt wurde auch bei Bornemann, Lühr und Hautau. Über die Resonanz bei dem Helpsener Fensterbeschlagshersteller freute sich Gewerkschaftssekretärin Sabrina Wirth besonders. „Die waren bisher eigentlich immer eher zurückhaltend“, sagte sie. „Aber ich denke, so langsam haben sie auch die Faxen dicke.“

   

Unsicherheit und steigende Kosten

Langjährige Mitarbeiter und zahlreiche Auszubildende zeigen sich beim Streik vorm Faurecia-Gebäude kampfbereit in Hinsicht auf die laufende Tarifrunde. Steigende Lebenserhaltungskosten und die Angst vor der beruflichen Zukunft sind zwei der Hauptthemen, die die Streikenden beschäftigen.

„Seit 2010 müssen wir mit Arbeitsverkürzungen zurecht kommen, arbeiten teilweise nur noch 28 Stunden in der Woche. Jetzt boomt das Geschäft und wir sind endlich dran, ein Stück vom Kuchen zu bekommen“, so Annerose Kramer, Sekretärin bei Faurecia. Auch Petra Harlos ist zum Streik erschienen. Sie arbeitet seit 1999 im Softmusterbau bei Faurecia und findet die 6,5 Prozent Entgelterhöhung durchaus angemessen. „Das Gehalt muss dringend an die immer weiter steigenden Lebenserhaltungskosten angeglichen werden“, sagt sie. Der Meinung ist auch der Lagerist Musa Özcan, der seit 1990 bei Faurecia arbeitet. „Ich streike, weil alles teurer wird. Allein die Spritpreise sind kaum noch zu bezahlen. Ich habe zwei Kinder und bin Alleinverdiener. Für mich ist es sehr schwierig, mit dem Geld, das ich verdiene, zurecht zu kommen“, berichtet Özcan.

Auch zahlreiche Auszubildende sind zum Streik gekommen, um in erster Linie für eine unbefristete Übernahme nach beendeter Ausbildung zu kämpfen. „Ohne garantierte Übernahme nimmt man uns einfach die Perspektive. Schon im ersten Ausbildungsjahr muss ich mir Gedanken um meine Zukunft machen“, sagt der angehende Werkzeugmechaniker Marc-Hendrik Vogt. Gleicher Meinung ist auch der angehende Industriemechaniker Aljosha Broocks. „Ich habe Familie und mache mir ernsthafte Gedanken, ob ich diese in Zukunft noch ernähren kann“, sagt er.

Arbeitgeber: Streik unnötig und schädlich

Die Arbeitgeber der niedersächsischen Metall- und Elektro-Industrie haben die Warnstreiks der IG Metall in Schaumburg scharf kritisiert. Sie halten sie für „unnötig und schädlich“. Es sei entlarvend, dass die Gewerkschaft Warnstreiks bereits im Februar festgelegt habe, weit bevor das Angebot der Arbeitgeber überhaupt bekannt gewesen sei. „Dies zeigt, dass die IG Metall diese Rituale benötigt, die eigenen Reihen zu schließen“, äußerte sich Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt in einer Pressemitteilung: „Die Warnstreiks sind eine billige Methode, um neue Mitglieder zu werben.“

Die Arbeitgeber seien weiterhin verhandlungsbereit. Dazu hätten sie einen Lösungsvorschlag vorgelegt, schreibt Schmidt. NiedersachsenMetall sei durchaus bereit, die Kernforderung nach besserer Entlohnung von Zeitarbeitern zu unterstützen.

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