Möllenbeck (dil). „Uns wurde geraten, gleich eine größere Anlage zu bauen“, erklärt Henning Requardt. Aber die Brüder wollten eine für ihren Hof autarke Lösung, bei der die Investition überschaubar bleibt. Der Bestand von 100 Milchkühen mit Nachzucht bleibt, ebenso der Ackerbau, aber neben Mais, Zuckerrüben und Weizen künftig auch mit Roggen, „weil der auch gut gärt“, so Christian Requardt. Ein Drittel der Rohstoffe muss Gülle sein, das ist eine der Auflagen für die Beschickung der Biogasanlage. Zu den frisch geernteten Pflanzen kommt als Brennstoff Kuhmist hinzu.
In den beiden künftigen, fünf Meter aus dem Boden ragenden, grün-gestrichenen Fermentertanks wird der Inhalt auf 40 Grad Celsius erhitzt, er gärt dann, und das dabei entstehende Methangas wird schließlich in einem Zündstrahlmotor verbrannt, der in einem Technikraum zwischen den Tanks stehen soll. Daneben wird sich in einem Container das Blockheizkraftwerk befinden. Durch die Verbrennung wird Strom gewonnen, und die Abwärme wiederum dient zur Beheizung der beiden Fementertanks sowie der beiden Wohnhäuser. Dort gibt es für besonders kalte Tage aber auch noch normale Hausheizungen. Einer der Fermentertanks soll 90 Prozent des Gases liefern, der andere mehr Rohstofflager sein und die restlichen zehn Prozent Methangas beisteuern.
Die Ausbeute sollen jährlich bei 8000 Stunden Laufzeit der Anlage zwei Millionen Kilowattstunden Strom sein, die an der nahen B 238 ins e.on-Stromversorgungsnetz eingespeist werden können. Eine Eigennutzung des hier erzeugten Stroms ist nicht vorgesehen. Übrig bleibt nach der Gasverbrennung auch ein flüssiges Substrat, das mangels Methan nicht mehr stinkt. „Es ist als Dünger dank der Pflanzenanteile höherwertig als Gülle und wird aufs Feld aufgebracht“, so Christian Requardt.
„Bis Ende des Jahres wollen wir am Stromnetz sein“ erklärt Henning Requardt. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei sehr gut gewesen, das Lärm- und Geruchsgutachten erscheint den beiden Landwirten auch wegen der eigenen Rechtssicherheit unverzichtbar. Ärger mit den Möllenbeckern wird nicht erwartet. „Unsere Scheune verdeckt den Anblick vom Dorf her, und die Transporte des Grünguts von den bis zu 4,5 Kilometer entfernten Äckern machen wir hauptsächlich über die B 238“, betont Christian Requardt.
Die komplette Anlage wird von einem Wall umgeben, um im Notfall auslaufende Gülle auffangen zu können. Das Oberflächenwasser der bituminierten Betriebsfläche der Biogasanlage wird über ein noch anzulegendes zehn mal zwölf Meter großes Rückhaltebecken hinter der Scheune geleitet und geht danach vor der Einleitung in den Vorfluter noch durch eine ebenfalls geplante acht mal zehn Meter große Schilfkläranlage.
Insgesamt entsteht also eine Kreislaufwirtschaft mit drei Ertragsbeinen. „Uns war wichtig, dass wir es allein machen“, so Henning Requardt. Der Hof (früher in der Ortslage Möllenbeck, vor 30 Jahren ausgesiedelt) ist seit 1743 in Familienbesitz. Mutter Elisabeth hilft noch mit, und mit den Kindern Anna und Christin Requardt könnte einst die Tradition fortgesetzt werden.