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Wirtschaft lokal Sonnenblumen statt Mais? Das rechnet sich nicht
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft lokal Sonnenblumen statt Mais? Das rechnet sich nicht
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19:52 12.08.2011
Zu geringer Energieertrag, witterungsbedingte Ertragsunsicherheiten und ein erhöhtes Ausfallrisiko durch Krankheitsbefall: Sonnenblumen sind keine Alternative zum Maisanbau. © rnk
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Auetal (rnk). Also ist Mais aufgrund seines hohen Ertragspotenzials, seiner ausgereiften Anbau- und Erntetechnik und guten Konservierbarkeit zurzeit die bedeutendste Energiepflanze, zumal Sonnenblumen witterungsbedingte Ertragsunsicherheiten und ein erhöhtes Ausfallrisiko durch Krankheitsbefall bergen, wie Dr. Josef Strotdrees von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in seiner Potenzialstudie über die Biomassenutzung in der Region Weserbergland ausführt.

In der Gemeinde Auetal sind derzeit zwei zugelassene Biogasanlagen im Betrieb. Zum einen handelt es sich um die nach den Vorschriften des Baugesetzbuches privilegierte Anlage in Rolfshagen, zum anderen um die immissionsschutzrechtlich genehmigte Anlage in Hattendorf. Die Anlage in Rolfshagen soll erneuert werden, der Landwirt plant, eine neue Anlage auf seinem Grundstück in Rolfshagen zu errichten. Ein Bauantrag liegt mittlerweile vor. Die Gemeinde Auetal hat das Einvernehmen zu dieser Baumaßnahme erteilt, auch deshalb, weil die bisher betriebene Anlage abgeschaltet wird, beziehungsweise werden muss.

Bei der Anlage in Rolfshagen handelt es sich um eine privilegierte Anlage im Sinne des Baugesetzbuches, da sie unter anderem weniger als 500 Kilowatt Strom erzeugt. Die immissionsschutzrechtlich genehmigte Anlage in Hattendorf bedurfte einer städtebaulichen Planung. Hier musste die Gemeinde Auetal städtebaulich klar zu erkennen geben, ob ein Bebauungsplanaufstellungsverfahren erfolgen sollte oder nicht. Das hat sie mit einem Bebauungsplan getan, betont Bürgermeister Thomas Priemer. Bei zukünftigen Vorhaben für den Bau und Betrieb einer Biogasanlage sei daher zu entscheiden, ob es sich um eine privilegierte Anlage handele, mit geringerer Leistungsfähigkeit oder um eine größere Anlage, die städtebaulich zugelassen werden müsse. Während die Gemeinde Auetal bei privilegierten Anlagen nur geringe Einflussmöglichkeiten habe, müsse sie bei großen Anlagen die planungsrechtliche Zulässigkeit per Ratsbeschluss wollen. Dabei spielen naturgemäß auch die Anbauflächen für die „Naganos“, die nachwachsenden Rohstoffe, eine entscheidende Rolle.

Was den Mais betrifft, ist der Bürgermeister des Auetals mehr als skeptisch: „Mais wird in großflächigen Monokulturen als Energiepflanze angebaut mit den Folgen, dass die Artenvielfalt zerstört wird, Kleinlebewesen in Boden und Gewässern absterben sowie Bodenstrukturen durch fehlende Fruchtfolgen veröden. Stilllegungsflächen und Dauergrünland werden vielfach zunehmend als Maisanbauflächen genutzt“, zählt Priemer die Nachteile auf.

Um Monokulturen zu vermeiden, so Priemer weiter, sollte der Gesetzgeber ein Energiepflanzenmix vorschreiben: „Ein unbedingtes Einhalten von Fruchtfolgen auch bei Energiepflanzen ist notwendig.“ Regularien und Mindeststandards sollten beim Anbau von nachwachsenden Rohstoffen und bei der Förderpraxis geschaffen werden, zum Beispiel Mais prozentual beschränken, so Priemer weiter. Sei Fazit: „Meines Erachtens sind die Anbauflächen von Mais im Gemeindegebiet ausgeschöpft. Da bei der Beschickung der Biogasanlagen ein Transport der nachwachsenden Rohstoffe vermieden werden soll – keine großen Transportwege –, ist ein weiterer Bau einer Biogasanlage im Gemeindegebiet fraglich.“

Aus Sicht der Gemeindeverwaltung werde daher „sehr kritisch“ beobachtet, ob weitere Flächen für den Maisanbau zur Verfügung gestellt werden könnten.
Ein ganz anderes Argument bringt der Rolfshäger Vorsitzende der Wählergemeinschaft Auetal, Siegbert Held, vor: Es ist ein ethisches Problem, es ist die sogenannte Verstromung der Nahrung, also der Nutzung von potenzieller Nahrung für die Energiegewinnung.

Held sieht es so: Was heute frühreif geerntet wird, kann nicht reifen und anderswo den Hunger stillen. Angesichts steigender Nahrungsmittelpreise sollte klar sein: Nahrungs- und Futtermittel dürfen nicht verstromt werden. Denn das könnte die Preisspirale bei Lebens- und Futtermittel noch weiter anheizen. Das Problem ist ein Problem der Finanzmärkte, erklärt Held: Hier werde Getreide in Biogasanlagen „verstromt“, es sei es ein begehrtes Objekt der Spekulationen an der Börse.

Der Rohstoff, zum Beispiel Weizen, werde an der Weltmarktbörse gehandelt und gerne gekauft, weil er durch die „Verstromung“ interessant geworden sei und dadurch im Preis steigen werde. Der „Handel an den Märkten“ führt dann tatsächlich zu einer Erhöhung des Preises – beim Beispiel Weizen reden man jetzt von einer Verdoppelung. Held: „Das sind dann aber Weltmarktpreise. Das heißt, die Einwohner von Somalia oder aber auch die Hilfsorganisationen müssen höhere Preise für die Lebensmittel zahlen. Das hilft nicht bei der Bekämpfung der Hungersnot, sondern führt weitere Schwierigkeiten hierbei.“ Es sei, so Held, für ihn „nur sehr schwer erträglich, dass hier die Lebensmittel verstromt werden und gleichzeitig in Ostafrika die Menschen an Hunger sterben“.

Es müsse künftig deutlich klarer sein, so Held, „wovon ich wie viel verstromen darf. Jeglicher Baum- und Heckenschnitt oder auch Rasenschnitt, Gülle oder Mist kann in Biogasanlagen verarbeitet werden. Das ist sinnvoller als die Lebensmittelverstromung. Eine Reglementierung könnte zum Beispiel auch der Monokultur Mais Einhalt gebieten.“

Biogasanlagen an sich, so Held, seien neben Sonnen- und Windenergie natürlich auch gute Erzeuger von Ökostrom. Im speziellen Fall in Rolfshagen liegt sie ihm aber zu dicht am Ortskern, daher hatte er gegen diese Anlage votiert: „Ich würde auch kein Windrad neben dem Kirchturm empfehlen.“ Aber alles am geeigneten Ort mache Sinn. Soll heißen: auf Süddächern Fotovoltaik, an geeigneten windstarken Standorten Windkraft – und entfernt von den Ortslagen auch Biogasanlagen.

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